Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Vom Papst abgesetzt

Bischof Strickland: Kritik nicht nur aus der katholischen Mitte

Bischof Joseph Strickland galt lange als Galionsfigur für traditionelle Katholiken. Doch nach seiner Absetzung kommt auch von diesen Kreisen Kritik.
Bischof Joseph Strickland steht für viele amerikanische Katholiken für einen anti-woken Katholizismus.
Foto: IMAGO/Kirby Lee (www.imago-images.de) | Bischof Joseph Strickland steht für viele amerikanische Katholiken für einen anti-woken Katholizismus. Doch auch konservative Katholiken kritisieren seine Aussagen zu Papst Franziskus.

Die Absetzung des ehemaligen Bischofs der US-Diözese Tyler, Joseph Strickland, polarisiert. Aus traditionalistischen Kreisen erfährt der 65-Jährige Unterstützung. „Bischof Strickland wird als ,Athanasius der Kirche in den USA‘ in die Geschichte eingehen“, prophezeit Bischof Athanasius Schneider auf „OnePeterFive“. Auch kritisierten Journalisten auf der Seite, dass Papst Franziskus den ehemaligen Jesuiten Marko Rupnik, der wegen Anschuldigungen sexuellen Missbrauchs exkommuniziert worden war, in das slowenische Bistum Koper eingesetzt hat.

Doch andere Beobachter, auch aus konservativen Kreisen, zeigen Verständnis für diese Entscheidung des Papstes. Laut dem „National Catholic Register“, einem Nachrichtenportal von EWTN, habe Bischof Strickland den Heiligen Vater zunehmend attackiert. In einem Brief eines anonymen „Freundes“, den Strickland bei einer römischen Konferenz verlas, sei, so der „Register“, die Legitimität von Franziskus‘ Pontifikat infrage gestellt und der Papst als „Usurpator“ bezeichnet worden. Der Journalist und Priester Father Raymond J. de Souza berichtete von einem weiteren Fall, in dem Strickland auf Twitter einen Kommentar geteilt hatte, in dem Franziskus als einen „teuflisch desorientierten Clown“ bezeichnet hatte. „Bischof Strickland wurde auf Twitter immer schriller. Er stand nicht länger für eine Gemeinschaft, die in den Wahrheiten des katholischen Glaubens wurzelt, sondern stellte sich als zunehmend aggressiver und parteilicher Verteidiger der Wahrheit dar“, so de Souza.

Neue Möglichkeiten für den „X“-Bischof

 Laut dem „Register“ seien die Konsequenzen gegen Strickland bei den wachsenden Reibungen mit Rom absehbar gewesen. Diese kämen, gibt de Souza zu bedenken, Strickland aber auch zugute: Während dessen frühere Diözese Tyler kirchlich gesehen eher unwichtig gewesen sei, habe Strickland großen Einfluss auf den sozialen Medien, besonders auf „X“, vormals Twitter, wo der Bischof über 170.000 Follower angesammelt hat. „Ohne pastorale Verpflichtungen in der Diözese ist der Bischof frei, zu reisen, wohin er will und über den Heiligen Vater zu sagen, was er will“, stellt der „Register“ fest.

Timothy Kelly, Priester in der Diözese, kritisierte die Bekanntheit, die Strickland in den sozialen Medien erreicht hatte, in einem Statement auf der Website „reason & theology“ des amerikanischen Apologeten Michael Lofton. „In der Vergangenheit war Bischof Strickland ein freundlicher, bescheidener, sympathischer Mann. Doch seine Sucht nach Prominenz hat Leben zerstört und jahrzehntelange Freundschaften zerbrochen“, so Kelly. Er forderte den Bischof auf, „von den Kameras und Mikrofonen zurückzutreten“ und sich der Autorität des Papstes zu unterwerfen.  Unter der Leitung des Bischofs sei die Nächstenliebe aus der Diözese verschwunden. Priester, die mit dem Bischof nicht übereinstimmten, seien von Unterstützern eingeschüchtert worden. Zudem habe Strickland ungeeignete Kandidaten in Leitungspositionen versetzt. 

Kelly äußerte auch Sorge um den Bischof. „Er ist von skrupellosen Menschen manipuliert benutzt worden, von Laien und Priestern diese Diözese, deren Ziel es war, das Bistum und den Bischof für ihre extremistische ideologische Agenda zu benutzen.“ Strickland brauche laut Kelly „Zeit für Reflexion“.

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Streit um die Wahrheit

Briana Jansky, eine Katholikin aus der Diözese Tyler, begrüßte in einem Kommentar für den „National Catholic Reporter“ die Entscheidung von Papst Franziskus. Als Konvertitin habe sie Stricklands „offensichtliche Liebe für den eucharistischen Herrn“ gepaart mit dessen Anklagen gegen den Papst wegen angeblicher lehramtlicher Fehler verwirrt. „Ich war schockiert. Es erfüllte mich mit Verunsicherung, nicht zu wissen, wer die Wahrheit sagte und wer nicht.“ Über die Zeit habe Strickland zunehmend haltlose Behauptungen gegen Papst Franziskus aufgestellt und ihn gegen Jesus Christus ausgespielt, indem er ihm vorwarf, „ein Programm zur Unterminierung des Glaubensgutes“ zu verfolgen.

Unterstützer Stricklands versammelten sich auch bei der jährlichen Versammlung der US-Bischöfe. Obwohl Strickland an der Konferenz hatte teilnehmen dürfen, betete er stattdessen vor den Türen des Hotels „Marriott“, wo die Versammlung stattfand, mit Unterstützern den Rosenkranz. „Ich bin hier, um Bischof Strickland zu unterstützen“, so Mary Susan Grayson aus Maryland gegenüber dem investigativen katholischen Nachrichtenportal „The Pillar“. Grayson war für das Gebet mit Strickland angereist. „Er spricht die Wahrheit. Er ist ein sehr heiliger und guter Priester. Ich weiß nicht warum, doch das scheint die Hierarchie zu verärgern.“ Strickland selbst sagte dem „Pillar“, dass er vor den Türen des Hotels sei, weil er an Jesus Christus glaube und seine Kirche liebe. „Ich bete für Papst Franziskus und die Kardinäle im Vatikan, Jesus Christus mehr anzunehmen“, so Strickland.

Auf die Frage, warum er sich entschieden habe, letzten Monat in Rom einen Brief vorzulesen, in dem der Papst als „Usurpator“ bezeichnet wurde, sagte Strickland, dass er es für wichtig gehalten habe, den Brief „wegen der Verwirrung“ zu teilen. „Ich möchte dem Heiligen Vater nicht anschuldigen, aber die Welt ist verwirrt“. Er erklärte, Franziskus könne die „Dubia“ beantworten und die Verwirrung beseitigen. Strickland distanzierte sich von sedevakantistischen Bewegungen: „Das Petrusamt ist in das Leben der Kirche eingewoben.“ DT/sdu

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