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Paukenschlag aus Rom

Die Amtsenthebung des texanischen Bischof Joseph Stricklands polarisiert Amerikas Katholiken, auch wenn sie nicht überraschend kommt. 
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Foto: IMAGO/Kirby Lee (www.imago-images.de) | Gegen „Facebook“-Gründer Zuckerberg erheben mehrere US-Bundesstaaten wegen mangelndem Kinderschutz Anklage. Warum die sozialen Medien eine Altersgrenze brauchen.

 Der Paukenschlag aus Rom kam wenige Tage vor der Herbstvollversammlung der US-Bischöfe, die an diesem Donnerstag in Baltimore zu Ende geht: Am Samstag enthob Papst Franziskus mit Bischof Joseph Strickland einen seinen schärfsten bischöflichen Kritiker des Amtes. Insbesondere in Fragen der Regenbogenpastoral hatte sich der texanische Bischof mehrmals exponiert. So hatte er Priestern und Mitarbeitern des Bistums untersagt, an gleichgeschlechtlichen Hochzeitsfeiern teilzunehmen oder kirchliche Räumlichkeiten für Homo-„Eheschließungen“ zur Verfügung zu stellen. Spannungen zwischen Rom und dem Ordinarius des Bistums Tyler waren zuletzt im Juni offensichtlich geworden, als eine Apostolische Visitation der Diözese stattfand.

Strickland ließ Zweifel an Rechtmäßigkeit des Pontifikats durchscheinen

Die Überschaubarkeit der Diözese Tyler – sie zählt etwa 130.000 Katholiken – stand in umgekehrtem Verhältnis zur öffentlichen Aufmerksamkeit, die Strickland mit 150.000 Followern bei X in den USA erhält. Der medial gewandte Texaner, der seit 2012 an der Spitze des Bistums stand, hatte dem Pontifex nicht nur vorgeworfen, den katholischen Glauben zu untergraben, sondern ließ zuletzt auch Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Pontifikates durchscheinen. Am 31. Oktober hielt der 65-Jährige beim „Rome Life Forum“, einer Veranstaltung der Lebensschutzplattform LifeSiteNews, eine vielbeachtete Ansprache, in deren Verlauf er den Brief eines namentlich nicht genannten Freundes vorlas, der in Papst Franziskus „einen Usurpator“ in der Rolle des Papstes sehe, der den wahren Papst – Benedikt XVI. – verdrängt habe und nun auf einem Stuhl sitze, auf den er nicht gehöre; jemanden, der „Seelen in Gefahr bringe, indem er verkünde, sie seien so, wie sie seien, vor Gott gerechtfertigt und bräuchten nicht zu bereuen“. Der gesamte Duktus der Ansprache legte nahe, dass sich Bischof Strickland mit dieser Haltung identifizierte. 

In traditionsverbundenen, lehramtstreuen Kirchenkreisen löste der Bischof damit Zustimmung und Kritik aus. Mike Lewis erwähnte auf der Plattform „Where Peter is“, die häufig „schockierenden Stellungnahmen Stricklands“. Er selbst habe Bischöfe, Priester und Gläubige des Öfteren fragen hören, was der Bischof noch tun müsse, ehe er gefeuert werde. Seiner Auffassung nach ist die Entscheidung des Papstes angesichts der medialen Provokationen des Bischofs von Tyler „vollkommen gerechtfertigt“. Der sichtlich befremdete Youtuber Michael Lofton nahm in seiner Sendung „Reason und Theology“ eine detaillierte Analyse der umstrittenen Rede Stricklands unter dem Titel „Ist Bischof Strickland Sedisvakantist?“ vor.

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Demgegenüber solidarisierte sich der Blogger Father John Zuhlsdorf („Fr. Z“) mit dem Bischof und bescheinigte ihm Märtyrerqualitäten. Das Lepanto-Institut forderte Strickland auf, sein Büro nicht zu räumen, sondern vom Vatikan unter Berufung auf das Kirchenrecht Beweise dafür zu verlangen, dass er sich etwas zuschulden habe kommen lassen. Kevin Wells kommentierte im „Crisis“-Magazin, der Bischof werde ein Opfer der Kirche, die er liebe.

DiNardo: Verbleib Stricklands im Amt unangebracht

Der Bischof selbst äußerte sich in ersten Stellungnahmen gelassen. Ganz gleich, was der Tag bringe, Jesus bleibe der Weg, die Wahrheit und das Leben – gestern, heute und immerdar, postete er auf X neben einer Darstellung des Gekreuzigten. Der Vatikan verzichtete bisher auf eine Angabe von Gründen. Lediglich der Metropolit des Bistums Tyler, Kardinal Daniel DiNardo, Erzbischof von Galveston-Houston, äußerte im Hinblick auf die von Bischof Dennis Sullivan von Camden und dem früheren Bischof von Tucson, Gerald Kicanas, durchgeführte apostolische Visitation im Juni, ein Verbleib Bischofs Stricklands im Amt sei nicht angebracht gewesen. Eine Aufforderung, seinen Rücktritt einzureichen, hatte der vormalige Bischof von Tyler abgelehnt. Als Administrator des Bistums Tyler setzte der Vatikan Bischof Joe S. Vásquez von Austin ein.

„Ich kann kein kirchenrechtliches Vergehen erkennen, das die Strafe der Amtsenthebung verdiente“, äußerte der New Yorker Geistliche Gerald E. Murray in der „Washington Post“. Wertkonservative Katholiken in ganz Amerika hätten „konsterniert“ auf die Entscheidung Roms reagiert. Der Papst habe seine Entscheidung nicht begründet, daher könne niemand sich ein klares Urteil darüber bilden, ob dieses Vorgehen gerecht gewesen sei oder nicht. Dass sich der Heilige Stuhl nicht zu den Gründen der Amtsenthebung äußere, stelle die kanonische Integrität des Vorgehens infrage. 

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