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Bätzing schreibt Gadecki: „Sehr unsynodales und unbrüderliches Verhalten“

Auf den Brief des polnischen Erzbischofs an Franziskus reagiert der DBK-Vorsitzende Georg Bätzing mit einer massiven Beschwerde.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing
Foto: IMAGO/RAINER UNKEL (www.imago-images.de) | „Anstatt eines Dialogs haben Sie den Brief an Papst Franziskus gewählt, in dem Sie sich sehr massiv und mithilfe unpräziser, verfälschender Aussagen über den Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland ...

Der Vorsitzende der deutschen Bischöfe, Georg Bätzing, hat auf ein Schreiben seines polnischen Mitbruders Erzbischof Stanislaw Gadecki an Papst Franziskus mit einer massiven Beschwerde reagiert. Gadeckis hatte in dem kürzlich bekannt gewordenen Schreiben seiner Sorge um den Synodalen Weg in Deutschland Ausdruck verliehen. 

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Wörtlich wirft Bätzing dem polnischen Erzbischof „ein sehr unsynodales und unbrüderliches Verhalten“ vor, weil dieser den Brief mit keinem Wort erwähnt noch ihm vor der Veröffentlichung vorgelegt habe. „Anstatt eines Dialogs haben Sie den Brief an Papst Franziskus gewählt, in dem Sie sich sehr massiv und mithilfe unpräziser, verfälschender Aussagen über den Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland beschweren.“ 
Mit Nachdruck verwahrt sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gegen den Stil des Schreibens von Erzbischof Gadecki: „Ich lehne Ihre Herangehensweise entschieden ab, den Ton Ihres Briefes sowie die Art und Weise der Faktendarstellung und wähle daher einen anderen Weg, indem ich direkt an Sie schreibe und den Heiligen Vater darüber in Kenntnis setze“, heißt es in der von der Warschauer Tageszeitung „Rzeczpospolita“ veröffentlichten Fassung.

Bätzing sieht in Gadeckis Verhalten Grenzüberschreitung

Der Vorsitzende der deutschen Bischöfe wittert eine Grenzüberschreitung seitens des polnischen Erzbischofs. Dieser lege, so Bätzing, in seiner Beschreibung großen Wert auf die Gegenüberstellung seiner eigenen Katholizität und der Unvereinbarkeit mit der katholischen Lehre, die er der katholischen Kirche in Deutschland vorwerfe. „Ich frage mich jedoch, mit welchem Recht der Vorsitzende der Bischofskonferenzen einer gegebenen Kirche es wagt, über die Katholizität einer anderen Kirche und ihres Episkopats zu urteilen. Ich erlaube mir daher deutlich zu sagen, dass ich Ihrem Brief für eine massive Überschreitung Ihrer Befugnisse halte“, tadelt Bätzing. 

Implizit unterstellt der Limburger Bischof Erzbischof Gadecki mangelndes Demokratiebewusstsein. Ihn beunruhige die von Gadecki geäußerte distanzierte Haltung zur modernen parlamentarischen Demokratie, für die die Prinzipien der konstitutionellen Ordnung, der Souveränität des Volkes, der Rechtsstaatlichkeit, der Gewaltenteilung, des Schutzes der Minderheiten und des Sozialstaates besonders wichtig seien neben der Anerkennung der Menschenwürde und der Menschenrechte.

Der Kritik folgt ein moralischer Appell an den polnischen Mitbruder: „Vor allem im Kontext der weltweiten Tendenz zum Anstieg autokratischer und sogar diktatorischer Regierungsformen sollte es ein Anliegen sein, das uns und unsere Völker, die unter Diktaturen gelitten haben, eint, die Errungenschaften der Demokratie zu fördern und nicht zu mindern.“

Bischof Bätzing hegt Hoffnung auf Diakoninnenweihe

In puncto Zulassung von Frauen zum Weiheamt hegt Bischof Bätzing offensichtlich Hoffnung auf eine Diakoninnenweihe und sieht sich durch den Vatikan bestätigt. Hinsichtlich der Diskussion im Zusammenhang mit dem Apostolischen Schreiben „Ordinatio sacerdotalis“, so der Vorsitzende der deutschen Bischöfe, und seiner Aussagen bezüglich der Zulassung von Frauen zur Priesterweihe habe das Dikasterium für die Glaubenslehre kürzlich festgestellt, dass „eine klare und verbindliche Lehre bezüglich der genauen Natur einer „endgültigen Deklaration“ noch nicht vollständig erarbeitet wurde. Es sei keine dogmatische Definition, doch muss sie von allen akzeptiert werden. „Niemand darf ihr öffentlich widersprechen und doch kann sie Gegenstand von Untersuchungen sein, wie im Fall der Gültigkeit der Weihen in der Anglikanischen Gemeinschaft“ zitiert Bätzing aus den „Dubia-Antworten“ auf die Anfrage mehrerer Kardinäle, die Vatican News am 2. Oktober dokumentierte.

Bezüglich der gleichgeschlechtlichen Paare, die sich an die Kirche wenden, verweist der Vorsitzende auf die Synode: „Menschen, die sich aufgrund ihrer Ehesituation, ihrer Identität und Sexualität ins Abseits gedrängt oder von der Kirche ausgeschlossen fühlen, bitten ebenfalls darum – auf verschiedene Weisen – gehört und begleitet zu werden und auch darum, dass ihre Würde beschützt wird. Während der Versammlung war ein tiefes Gefühl der Liebe spürbar, der Barmherzigkeit und des Mitgefühls mit Menschen, die durch die Kirche verletzt wurden oder sich verletzt fühlen oder vernachlässigt werden. Die sich nach einem Ort sehnen, an den sie ,heimkehren‘ und sich sicher fühlen können, gehört und wertgeschätzt, ohne Sorge, dass sie verurteilt werden. Das Hören ist eine Vorbedingung des gemeinsamen Strebens auf der Suche nach dem Willen Gottes. Die Versammlung betont, dass Christen nicht der Achtung der Menschenwürde beraubt werden können.“  DT/awi/reg

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