Friboug in der Schweiz

Frauenquote in der akademischen Theologie?

Die Schweizer Dogmatikerin Barbara Hallensleben zeigt sich über den Vorschlag einer Frauenquote in der akademischen Theologie zurückhaltend. Im Interview der kommenden Ausgabe spricht sie über Feminismus, den katholischen Denker Ivan Illich und die Feministin Judith Butler.
Feminismuswahrzeichen
Foto: (137915167) | Zu einer Frauenquote in der akademischen Theologie steht die Schweizer Dogmatikerin Barbara Hallensleben zwiespältig.

Die Schweizer Dogmatikerin Barbara Hallensleben hat sich zurückhaltend Domestizierung geäußert, in der akademischen Theologie eine Frauenquote einzuführen und keine akademische Tagung/Arbeitsgemeinschaft ohne Referentin zu halten. Als „systemische Anforderung“ halte sie nichts von diesem Vorschlag, antwortete sie im Gespräch mit dieser Zeitung. Als Aufmerksamkeit für die Pluralität und Komplementarität der Perspektiven sei er wichtig, doch fügte die in Friboug lehrende Theologin hinzu. „aber unverkrampft!“

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"Feminismus" längst abgelöst

Angesprochen auf die feministische Strömung an theologischen Fakultäten stellte Hallensleben fest, dass der „Feminismus“ im Grunde durch die Genderstudien längst abgelöst worden sei. Wörtlich erklärte sie: „Im Feminismus ging es – zumindest der Intention nach – um Frauenförderung. Aber zwischen einem Egalitätsfeminismus à la Simone de Beauvoir und einem Differenzfeminismus gemäß Luce Irigaray klaffen Welten!“ Hallensleben erinnerte in diesem Zusammenhang an die Feministin Judith Butler: Diese fordere „die Möglichkeit, aus feministischer Perspektive über den Zwang nachzudenken, ein Subjekt des Feminismus zu konstruieren“, und wolle die Frage den politischen Machtkonstellationen entziehen, die diesen Diskurs allererst produzieren.

Bei systemischer Benachteiligung
alle Frauen in den Blick nehmen

Butler halte es für nötig, „der Domestizierung der Geschlechter- oder Frauenstudien an der Universität zu widerstehen“. Noch radikaler formuliere es der katholische Denker Ivan Illich mit seinen radikalen Analysen: Der Feminismus schade den Frauen. Seine These laute, etwas zugespitzt: Solange die systemischen Bedingungen des kapitalistischen Nationalstaates herrschen, wird die Diskriminierung der Frauen zunehmen. Mit Blick auf eine kürzlich veröffentlichte Studie zur Situation der Theologinnen meinte Hallensleben, wenn man schon über die systemische Benachteiligung der Frauen nachdenke, „dann bitte auf dem neuesten Stand der Debatte und im Hinblick auf alle Frauen, nicht nur Theologieprofessorinnen!“  DT/reg

Mehr über den Feminismus in der Kirche lesen Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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