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Familientipps von der Vollzeitmutter

Victoria Bonellis Buch wirbt für Kinder statt Karriere: „Weil Geld nicht die Ärmchen ausbreitet, an einem hochspringt und ,Mama, Mama!‘ ruft“.
Glückliche Mutter
Foto: IMAGO/imageBROKER/Oleksandr Latkun (www.imago-images.de) | Vollzeitmutter: Der wichtigste Beruf der Welt.

Wenn ein neues Buch in kürzester Zeit bei Amazon über 50 Rezensionen erhält, 80 Prozent davon sogar mit fünf Sternen, heißt das: Das Thema kommt an. Victoria Bonelli spricht mit ihrem Erstlingswerk über ihr Leben als Vollzeitmutter offensichtlich vielen Menschen aus dem Herzen.

Die gebürtige Wienerin entschied sich nach dem Studium für ihre Umgebung überraschend und unerwartet gegen eine berufliche Karriere und für ein Leben als Mutter und Hausfrau. Mit ihrem Mann hat sie fünf muntere Kinder im Alter von einem bis acht Jahren. Anhand ihrer eigenen Geschichte zeigt Bonelli auf, wie erfüllend es ist, Kinder als Vollzeitmutter beim Heranwachsen zu begleiten. Auch Tipps zu einer besseren Kommunikation in der Ehe, Hinweise zu kindlichen Grundbedürfnissen oder elterlicher Konsequenz in der Erziehung finden sich in der empfehlenswerten Neuerscheinung.

Wieso so viele Kinder, dieser Frage begegnet der jungen Mutter häufig. Ihre Antwort: „Weil es einfach wunderschön mit ihnen ist. Weil sie uns zum Lachen bringen. Weil es ein unglaubliches Lebensglück ist, sie heranwachsen zu sehen. Weil man Kinder besser lieben kann als eine kalte Karriere. Weil es viele Kinder leichter und niemals schwerer machen. Weil Geld nicht die Ärmchen ausbreitet, an einem hochspringt und ,Mama, Mama!‘ ruft. Weil man mit Gold schlecht kuscheln kann.“ Garniert von amüsanten und realistischen Einblicken in das Familienleben einer Großfamilie stellt die Autorin die Vision vor, die sie zu ihrer Entscheidung für die Familie geführt hat, geht auf die Bedeutung der Ehe als solides Fundament ein und nennt verschiedene Ressourcen, um einem Burnout aufgrund der intensiven Tätigkeit vorzubeugen. Schließlich sei die Erholung der Mutter „von zentraler Bedeutung für die ganze Familie“.

Im Kern geht es um Wahlfreiheit

Bonelli möchte Frauen ermutigen, Mutter zu werden und ihre Kinder zu Hause zu erziehen. Sie fordert, dass diese Entscheidung von der Gesellschaft honoriert werden solle, da sie davon profitiere und lebe. Stattdessen gebe es einen starken gesellschaftlichen und medialen Druck, der den „Traumjob der Vollzeitmutter“ problematisiere. Mädchen werde im Schnitt dreimal häufiger gesagt, wie wichtig es für sie sei, Karriere zu machen, als den Jungen. Aber funktioniere Selbstverwirklichung denn ausschließlich über den Beruf?

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„Ein Kind zur Welt bringen, ist eine großartige Leistung, es verantwortungsbewusst großzuziehen, eine noch größere“, hält Bonelli fest. Bei aller persönlichen Begeisterung für die sinnstiftende und unersetzliche Aufgabe einer Mutter geht es der Autorin im Kern um Wahlfreiheit. So betont sie: „Die Entscheidung, welches Leben wir führen wollen, sollten wir Frauen ganz frei treffen können.“

Damit hebt sich die überzeugte Vollzeitmutter wohltuend und geradezu beispielhaft von den gegenteiligen Aussagen der Feministin Simone de Beauvoir ab, die Frauen die Wahl zwischen Berufstätigkeit und Mutterschaft gerade nicht lassen möchte, und zwar „weil zu viele Frauen sich für die Mutterschaft entscheiden würden“. Bedürfte es nicht in der heutigen Zeit eines neuen Feminismus, der allen Frauen, unabhängig von ihren unterschiedlichen Lebensentwürfen, eine bedingungslose Wertschätzung entgegenbringt? Bonellis Buch dient als gutes Beispiel dafür, dass es durchaus möglich ist, engagiert für die eigene Lebenssituation zu sprechen, ohne andere herabzuwürdigen.


Victoria Bonelli: Vollzeitmutter. Der wichtigste Beruf der Welt. edition a Wien 2024, 223 Seiten, EUR 24,–

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