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Dogmatiker Tück: „Stigmatisierung Woelkis aussetzen“

Statt mit dem Finger auf Kardinal Woelki zu zeigen, solle das Erzbistum Köln die österliche Bußzeit zum gemeinsamen Innehalten nutzen, meint der Wiener Professor.
Asche für das Aschenkreuz
Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) | Zu einer Kultur der Umkehr gehöre es, den anderen nicht gnadenlos auf seine Fehler zu fixieren, mahnt Professor Jan Heiner Tück. Die Asche am Aschermittwoch steht als Symbol für Umkehr und Buße.

Am Tag der Rückkehr Kardinal Woelkis an die Spitze des Erzbistums Köln lädt der Dogmatiker Jan-Heiner Tück alle Angehörigen dazu ein, die Fastenzeit als einen „Prozess der kritischen Selbstrevision zu durchlaufen“. Die österliche Bußzeit beginne nicht nur für Kardinal Woelki, sondern für die ganze Gemeinschaft der Kirche, so der Wiener Professor in einem Gastbeitrag für katholisch.de. „Statt also am Tag seiner Rückkehr nach Köln den Zeigefinger erneut auf Kardinal Woelki zu lenken und ihn auf seine Fehler zu fixieren, ist mit dem Datum die Einladung verbunden, innezuhalten und sich den Spiegel des Evangeliums vor Augen zu halten. Würden alle dieser Einladung nachkommen, wäre das Unmögliche möglich.“

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Kommunikationsfehler

Es sei offensichtlich, das Woelki massive Kommunikationsfehler begangen habe und es ihm nicht geglückt sei, seine Empathie mit den Opfern so zum Ausdruck zu bringen, dass die Kritik verstummt wäre, so Tück. „Aber er selbst ist durch beide Gutachten juristisch entlastet worden. Damit steht er besser da als seine Amtsvorgänger und auch als manch anderer Bischof und Kardinal in Deutschland, die viel weniger im Fokus der Kritik stehen. Für seine Fehler hat sich Woelki wiederholt in der ersten Person Singular entschuldigt – aber diese Entschuldigungen wurden von vielen nicht angenommen oder als episkopale Abwiegelungstaktik abgetan.“

Der Wiener Professor vermutet, Papst Franziskus habe mit dem Datum der Rückkehr des Kardinals die Hoffnung verknüpft, „dass sich die Wogen in Köln glätten lassen, wenn alle den Anstoß zum Umdenken annehmen und einen gemeinsamen Weg der Umkehr beschreiten.“ Dies sei machbar, wenn sowohl die „Bezichtigungsvirtuosen in und außerhalb der Kirche“ als auch die „verblüffungsresistenten Apologeten des Kardinals“ verstummen und in der gemeinsamen Orientierung auf das Evangelium über sich hinauswüchsen, um einen Exodus aus der Krise zu finden.

Umkehr zulassen

Die Bußpraxis der frühen Kirche könne hier wegweisend sein, meint Tück. Dazu sei es „in der verfahrenen Lage in Köln erstens hilfreich, die Stigmatisierung Woelkis auszusetzen. Zu einer Kultur der Umkehr gehört es, den anderen nicht gnadenlos auf seine Fehler zu fixieren, sondern ihm die Chance des Neuanfangs zu geben.“ Ein Blick auf die Kirche als Solidargemeinschaft sei ebenfalls hilfreich. „Kein Bischof kann isoliert die Kirche leiten, er ist auf andere angewiesen und muss bereit sein, sich beraten zu lassen.“ Die Bereitschaft, das berechtigte Anliegen in der Stimme des anderen aufzunehmen, sowie die Praxis des Füreinandereintretens könne Risse und Wunden zu heilen. Mit wenig Optimismus sieht Tück eine Aussöhnung am Horizont der österlichen Bußzeit. DT/fha

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