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Der Stern christlicher Hoffnung

Der Dogmatiker Manfred Hauke beleuchtet den Glauben an die Letzten Dinge im Blick auf die Muttergottes.
Buchrezension: Die Letzten Dinge im Blick auf die Muttergottes.
Foto: Imago/Panthermedia | Ein Vorausbild der Schönheit und Vollendung, die Jesu Jünger erwartet: Die Aufnahme Mariens in den Himmel, Fresko in Sacro Monte in Varallo Sesia.

Was kommt nach dem Tod? Das Christentum gibt darauf Antwort. Sie gehört zum Kern christlicher Hoffnung, zu dem auch die Gestalt Mariens zählt. Die Kongregation für die Glaubenslehre betonte bereits 1979, dass die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel kein isoliertes Ereignis sei, sondern die „Vorwegnahme jener Verherrlichung, die für alle übrigen Auserwählten bestimmt ist“. Damit liegt der unmittelbare Zusammenhang von Mariologie und Eschatologie auf der Hand.

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Manfred Hauke, Professor für Dogmatik an der Theologischen Fakultät Lugano (Schweiz) und Vorsitzender der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Mariologie, gelingt es, diesen theologischen Zusammenhang exemplarisch darzulegen, biblisch zu fundieren, dogmen- und theologiegeschichtlich zu vertiefen sowie existenziell im Spiegel der aktuellen theologischen Diskussion zu reflektieren. So untersucht Achim Dittrich die Bundeslade und das große Zeichen aus der Offenbarung in marianischer Deutung. Dorothea und Wolfgang Koch erschließen die eschatologischen Motive des Aachener Mariendoms im Spiegel der Jahrhunderte, während Christa Bisang Marias Hilfe für die Seelen im Fegefeuer nach dem heiligen Petrus Damiani darstellt.

Maria in Eschatologie und Literatur

Rudolf Kirchgrabner, Imre von Gaál und Peter H. Görg verbleiben im Mittelalter – einer Epoche, die alles andere als „finster“ war, sondern gerade im Blick auf Maria zum Hellen, Lichten und Klaren drängte. Bei Bernhard von Clairvaux erscheint Maria als Himmelsleiter; in der Divina Commedia von Dante als Stern der Hoffnung selbst im Inferno und Purgatorio sowie als Vollendungs- und Vorausbild im Paradiso.
Hinzu kommen die Visionen der heiligen Birgitta von Schweden im Spätmittelalter, in denen sich zeigt, dass und wie Maria immer wieder helfend eingreift – besonders in ausweglosen Situationen, bei schweren Sünden, Krankheiten und Krisenzeiten, und wie sie selbst den Verstorbenen auf ihrem Weg heimwärts zum barmherzigen Vater beisteht.

Der an der Kölner Hochschule für Katholische Theologie lehrende Dogmatiker Manuel Schlögl untersucht die Gestalt der Gottesmutter in der Eschatologie Ludwig Maria Grignions von Montfort († 1716), während sich Manfred Hauke noch einmal die Botschaft von Fatima vornimmt, in der Maria als das „große Zeichen“ der Endzeit erscheint. Aufschlussreich sind auch die eschatologischen Motive, die Wolfgang Koch in der Gestalt Mariens im Roman Doktor Faustus von Thomas Mann herausarbeitet. Nachdem er vor einem Lustrum bereits Marianisches bei Goethe feststellte, überzeugt er auch hier wieder durch seine Analyse des „Magiers der Sprache“.

Maria als Schlüsselgestalt der Eschatologie

Johannes Stöhr, emeritierter Professor für Dogmatik in Bamberg, referiert über den Schweizer Theologen und Kardinal Charles Journet († 1975). Dieser hatte nicht nur die ekklesiologische Bedeutung, sondern auch Marias besondere Aufgabe im „eschatologischen Endkampf“ herausgestellt. Die Aufnahme Mariens in den Himmel zeigt der Kirche, wie der Weg der Heilsgeschichte offenbar und für die Glaubensverkündigung fruchtbar gemacht werden kann.

Lesenswert ist auch die sorgfältige Reflexion von Andreas Fuchs über die Bedeutung des eingangs erwähnten Dogmas von der Aufnahme Mariens „in die himmlische Herrlichkeit“ innerhalb der Debatte um „die Auferstehung im Tod“. Vor allem Karl Rahner hatte im Blick auf Maria einst die These von der unmittelbaren Auferstehung vertreten, während Anton Ziegenaus die Einzigartigkeit der Aufnahme Mariens verteidigte. Hier zeigt sich: Mariologie lässt sich nicht einfach auf Anthropologie reduzieren.

Am Privilegcharakter der Aufnahme Mariens in den Himmel ist festzuhalten. Diese Sichtweise vertrat mit guten Gründen auch der 2011 verstorbene spanische Jesuit Cándido Pozo, wie Michael Stickelbroeck, Professor für Dogmatik in Lima, verdeutlicht. Den Abschluss bildet der Beitrag von Ursula Bleyenberg. Sie beschreibt die Aufnahme Mariens in den Himmel als Vorausnahme des neuen Kosmos.

Letztlich unterstreicht der gesamte Band: Die Bedeutung der Eschatologie lässt sich nicht an beliebigen Beobachtungen ablesen, sondern kann nur den ausgezeichneten Fällen abgewonnen werden. In Maria und der Eschatologie koinzidieren die Themen passgenau.


Manfred Hauke (Hg.): Maria und die Eschatologie. Regensburg, Pustet, 2025, broschiert, 314 Seiten, EUR 38,–

Der Rezensent ist emeritierter Dogmatiker der Theologischen Fakultät der KU Eichstätt

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