Vatikanstadt

Kardinal Koch: Eucharistie ist „innerster Kern“ der Synode

Der deutsche Synodale Weg habe nur eine Chance, wenn er ein geistlicher Prozess sei, meint Kardinal Kurt Koch. Erneuerung könne nur aus dem Glauben kommen.
Kardinal Kurt Koch
Foto: Imago Images | In einem Interview mit Claudia Kaminski, das K-TV am 26.12. ausstrahlt, betont Koch, dass es bei der weltweiten Synode insbesondere darum gehe, aufeinander und auf den Heiligen Geist zu hören, „damit er wirken kann“.

Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, hat den Unterschied zwischen der von Papst Franziskus ausgerufenen zweijährigen weltweiten Synode und dem deutschen Synodalen Weg unterstrichen. „Der Heilige Vater sagt immer wieder: ‚hören, hören, hören’. Aus Deutschland höre ich dagegen: ‚endlich können wir reden’.“ In einem Interview mit Claudia Kaminski, das K-TV am 26.12. ausstrahlt, betont Koch, dass es bei der weltweiten Synode insbesondere darum gehe, aufeinander und auf den Heiligen Geist zu hören, „damit er wirken kann“.

Eine Synode ist kein Parlament

Als Beispiel für das Wirken des Heiligen Geistes in der Kirche nennt der Präsident des Päpstlichen Rates das erste Konzil von Jerusalem. So heiße es in der Apostelgeschichte: „Der Heilige Geist und wir haben beschlossen ...“ In der Offenbarung des Johannes sei die Rede von den Sendschreiben an die sieben Gemeinden, in denen enthalten sei, „was der Geist den sieben Kirchen sagen will“.

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Dabei sei der „innerste Kern der Synode“ die Eucharistie. Denn die Erneuerung der Kirche, um die es bei der weltweiten Synode gehe, könne nur aus dem Glauben heraus kommen. Und eine Erneuerung aus dem Glauben brauche insbesondere Gebet und Stille. Dass die eucharistische Versammlung den Kern der Synode ausmache, zeige sich daran, dass in der Kirche synodale Versammlungen mit der Feier der Eucharistie beginnen.

Insofern sage Papst Franziskus immer wieder, dass „eine Synode kein Parlament ist“. Denn „in der Demokratie geht es um die Ermittlung von Mehrheiten, Synodalität aber ist ein einmütiger Prozess, in dem man so lange miteinander ringt, bis niemand mehr den Eindruck hat, das widerspricht dem Glauben“. Deshalb habe der deutsche synodale Weg nur eine Chance, „wenn er ein geistlicher Prozess ist, wenn er auf das Hören des Heiligen Geistes und auf die Eucharistie ausgerichtet ist“.

Soll die katholische Kirche von den Orthodoxen lernen?

Die „Weggemeinschaft“ des Glaubens, als die Benedikt XVI. die Kirche bezeichne, sei durch die dreifache Verneinung gekennzeichnet, die Cyprian von Karthago (200/210–258) auf die Formel bringe: „Nihil sine episcopo, nihil sine presbyterium, nihil sine consensu plebis“ („Nichts ohne den Bischof, nichts ohne die Priester, nichts ohne den Volkskonsens“). „Dahinter stehen“ – so der Kardinal weiter – „drei Versuchungen“: die Versuchung einer bischöflichen Machtherrlichkeit; die Versuchung von Priestern, die nicht in Gemeinschaft mit dem Bischof stünden; die Versuchung eines Volkes, das ohne Bischöfe und Priester entscheiden wolle.

Dazu komme „Das Pendant zur Synodalität“: der Primat. Zum synodalen Prinzip müssten noch „das kollegiale Prinzip und das primatiale Prinzip“ hinzukommen. Denn: „In der Entscheidungsfindung sollen möglichst viele mitreden, aber die Entscheidung selber ist eine Frage des Primats“.

Der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen äußert sich ebenfalls zu der Frage, ob die katholische Kirche in Fragen der Synodalität von den orthodoxen Kirchen lernen solle: Zwar hätten die 15 orthodoxen Kirchen ein unterschiedliches Verständnis von der Synodalität. Aber: „Wir Katholiken haben neu zu entdecken, dass der Primat in erster Linie nicht eine jurisdiktionelle Frage ist, sondern von der Eucharistie her zu verstehen ist.“ In diesem Sinne sage Ignatius von Antiochien (35–108/110), dass die Kirche von Rom „die Kirche ist, die den Vorsitz in der Liebe hat“. Denn damals sei „Liebe“ gleichbedeutend mit „Eucharistie“ gewesen. Die Aufgabe des Bischofs von Rom sei, „dafür zu sorgen, dass ein Altar nicht gegen einen anderen Altar aufgestellt wird“, weil die Kirche als „ein Netz von Eucharistiegemeinschaften“ angesehen werde.  DT/jg


Das Interview im ganzen Wortlaut (26 Minuten) auf K-TV am Sonntag, den 26.12., 18.00 Uhr. Wiederholungen: Montag, 27.12., 9.00 Uhr, Mittwoch, 29.12., 20.30 Uhr und Freitag, 31.12., 20. 30 Uhr.

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