Würzburg

Bamberger Altbischof Braun: Johannes Paul II. war „Meister des Betens“

Im Charisma des Betens liege die Antwort auf das Geheimnis des polnischen Papstes, meint der emeritierte Bamberger Erzbischof Karl Braun. Der Deutschland-Besuch Johannes Pauls II. vor 40 Jahren habe auch geistige Früchte hinterlassen.

Papst Johannes Paul II.
Der polnische Papst sei ein regelrechter „Meister des Betens“ gewesen, erklärt Braun im Gespräch mit der Tagsepost. Foto: Martin Athenstädt (dpa)

Für den emeritierten Bamberger Erzbischof Karl Braun liegt die Faszination für Johannes Paul II. in dessen „Charisma des Betens“ begründet. Der polnische Papst sei ein regelrechter „Meister des Betens“ gewesen, erklärt Braun im Gespräch mit der Tagsepost. So sei er letztlich nur von innen her zu verstehen gewesen.

Starker Impuls für ökumenische Bemühungen

Braun, der als Domkapitular und Bistumstheologe in Augsburg den Pastoralbesuch Johannes Pauls II. 1980 miterlebte, ist überzeugt, dass die Visite des polnischen Papstes in Deutschland geistige Früchte getragen habe. „Sehr zu begrüßen war, dass – bestärkt durch verschiedene Äußerungen von Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch und dessen offenkundiger Sympathie für die neuen geistlichen Bewegungen – spirituell und charismatisch geprägte Zusammenschlüsse in legitimer Vielfalt wuchsen, die durchaus auf ihre Kirchlichkeit Wert legten und ein Geschenk des Heiligen Geistes für unsere Zeit sind.“

Zudem meint Braun, dass die „warmherzige Liebenswürdigkeit und gewinnende Güte“ des polnischen Papstes, aber auch sein „eindeutiges, stärkendes Zeugnis der Wahrheit im Nebel des Zeitgeistes“ eine Lichtspur hinterlassen hätten, die lange weiterleuchtete. Für die ökumenischen Bemühungen dürfte damit auch ein starker Impuls dafür gegeben worden sein, das Ringen um die Wahrheit noch ernster zu nehmen und die Geringschätzung der Wahrheitsfrage als das größte Hindernis für die Einheit der Christen zu erkennen, so der emeritierte Bamberger Erzbischof.

Wetterfester Glaube gefordert

Im Gespräch mit dieser Zeitung geht Braun auch auf aktuelle innerkirchliche Debatten ein. Eine Veränderung der kirchlichen Strukturen werde die gegenwärtigen Probleme nicht lösen, so der 90-Jährige. Vielmehr sei ein wetterfester Glaube gefordert. „Der Ruf der Stunde heißt, schlicht und treu den Glauben leben, ihn als Quelle der Hoffnung und Freude sichtbar zu machen und ihn unter Wahrung seiner Identität neu in unsere Zeit hineinzusagen.“

Er sei davon überzeugt, so der 1930 im Kempten geborene Altbischof von Eichstätt und Bamberg, dass die Anziehungskraft der Kirche in hohem Maß im gelebten Glauben gründe. „Aus diesem wächst dann auch jene Gesinnung, die zur Neuevangelisierung und dann zur Missionierung drängt.“  DT/mlu

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