Bayerische Erzbischöfe fordern Frieden und Erhalt stiller Tage

Die beiden bayerischen Erzbischöfe Marx und Schick haben am Palmsonntag zum Frieden und zum Erhalt stiller Tage aufgerufen.

Palmsonntag
Eine Frau hält bei der Messe am Palmsonntag auf dem Petersplatz im Vatikan einen Rosenkranz und zwei aus Palmenblättern geformte Kreuze in der Hand. Foto: Angelo Carconi/ANSA/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: Angelo Carconi (ANSA/AP)

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx verlangte ein Ende der Gewalt insbesondere in Syrien. Bambergs Erzbischof Ludwig Schick forderte zum Innehalten in der Woche vor Ostern auf; stille Tage wie Karfreitag seien wegen ihrer Entschleunigung heilsam und dürften daher nicht angetastet werden.

Marx erklärte im Münchner Liebfrauendom, in Syrien, das seit Jahren von einem brutalen Krieg heimgesucht werde, kämpften Christen heutzutage ums Überleben. Weiter sagte der Erzbischof von München und Freising laut Manuskript: "Zu Beginn dieser Heiligen Woche rufe ich den Verantwortlichen zu: Stoppt die Gewalt! Macht dem Krieg ein Ende! Schafft Möglichkeiten, der Bevölkerung zu helfen, sie zu unterstützen und medizinisch zu versorgen!" Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz ergänzte: "Wir gehen in dieser Woche mit Jesus seinen Kreuzweg nach. Das können wir nur, wenn wir die Leidenden unserer Zeit nicht übersehen."

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick appellierte an die Christen, die Woche vor Ostern zum Innehalten zu nutzen. "Wenn wir erst gut zuhören, überlegen und prüfen und danach erst sprechen, werden Unwahrheiten und Halbwahrheiten, alternative Fakten und 'Fake News' weniger", sagte Schick im Bamberger Dom. Die Karwoche sei geeignet, darüber nachzudenken, dass Schweigen Voraussetzung für gutes Hören sei und jedem Reden echtes Zuhören vorausgehen müsse. Die gesetzlich garantierten stillen Tage dürften daher nicht angetastet werden. Sie dienten dem Wohl der Menschen und der Gesellschaft.

Der Palmsonntag sei ein liturgisch sehr gefüllter Tag, ergänzte der Erzbischof. Er reiche vom feierlichen "Hosianna" bis zum "Kreuzige ihn". Ein solcher Wechsel der Gefühle sei oft auch im Alltag zu spüren. Was heute als Lösung der Probleme gelte, werde morgen verurteilt. "Diese Art des 'Heute so und morgen so' verunsichert, macht auch politikverdrossen, lässt resignieren und pessimistisch werden", sagte Schick. "Wir leiden darunter sowohl in unserem privaten Leben als auch in unserer Gesellschaft." Mehr Entschleunigung, Schweigen und Hören könne heilsam sein.

Der Würzburger Diözesanadministrator Weihbischof Ulrich Boom predigte, Jesu Einzug in Jerusalem mache deutlich, dass dieser nicht mit Macht daherkomme. "Jesus kommt auf einem Esel, wie ein Bauer, der seine Ware zum Markt bringt." Gott erscheine ohnmächtig, dienend, schwach. "Wir können es am ehesten spüren als Menschen, wenn wir uns ohnmächtig und hilflos, ausgenutzt und schwach erfahren", sagte Boom im Würzburger Kiliansdom.

Am Palmsonntag gedenken Christen des Einzugs Jesu Christi in Jerusalem. Mit dem Sonntag vor Ostern beginnt die Karwoche zur Erinnerung an das Leiden und Sterben Jesu, bevor an Ostern seine Auferstehung gefeiert wird.

KNA / jbj