Trumau

„Epidemie der Angst“

Trumauer Literaturtagung im Schatten der Corona-Pandemie: ITI-Rektor Alting von Geusau warnt vor Scheitern der Freiheit.

Hochschule Trumau
Der Rektor der Hochschule Trumau (ITI), Christiaan Alting von Geusau, mit dem Wiener Kardinal Christoph Schönborn. Foto: ITI

Nicht nur technisch und formal war die 4. Literaturtagung auf Schloss Trumau, südlich von Wien, von der Corona-Pandemie geprägt, sondern auch inhaltlich: Von einer „Sintflut der Angst“ sprach der Rektor des „Internationalen Theologischen Instituts“ (ITI), Christiaan Alting von Geusau, am Samstag bei der Tagung, die sich literarisch und theologisch mit dem Topos der Sintflut befasste. Die „Existenzängste des Ichs“ würden wachsen, die Würde des Menschen werde „im Eiltempo untergraben“, der Rechtsstaat durch den „Gefühlsstaat“ ersetzt. Alting von Geusau warnte vor einem Expertentum, das mehr und mehr die Verantwortung der Politiker verdränge.

Eine zum Rausch wachsende Angst

Der Rektor der Hochschule Trumau zitierte Wissenschaftler, die darauf hinweisen, dass wirtschaftliches Chaos, Krankheit und Tod in Folge der Corona-Maßnahmen bereits größeren Schaden anrichten würden als der Corona-Virus selbst. Aufgrund einer zum Rausch wachsenden Angst werde das aber nicht beachtet. Auch intelligente Menschen seien zunehmend unfähig, Fakten zur Kenntnis zu nehmen, die den gängigen Corona-Maßnahmen widersprechen. Durch die Fokussierung auf Covid-19 werde nicht mehr zur Kenntnis genommen, was rundherum passiere. Alting von Geusau warnte vor einem weltweiten Scheitern der Freiheit. „Wir haben die Freiheit, auf den Angstzustand der Welt mit selbstständigem Denken zu reagieren, und mit einer Hoffnung, die das Ich übersteigt.“

Glaube an ein letztes, ewiges Gehaltensein

Anspielungsreich präsentierte die österreichische Literaturwissenschaftlerin Gudrun Trausmuth bei der Literaturtagung Werner Bergengruens Roman „Am Himmel wie auf Erden“: Sie nannte den Roman eine „geniale psychologische Studie“ über eine „Epidemie der Angst“ im Jahre 1524, und zwar angesichts einer drohenden apokalyptischen Flut. Der Glaube an ein letztes, ewiges Gehaltensein überwinde die Angst. Bergengruen habe der „Erfahrung des Menschen, dass wir nicht souverän sind“ das Gottvertrauen entgegengestellt: das „Vertrauen in einen heilen Kern“.  DT/sba

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