Berlin

Einseitiges Bild eines Papstes

Der Dokumentarfilm „Verteidiger des Glaubens“ interviewt nahezu ausschließlich Ratzinger- und Kirchenkritiker, die von Benedikt enttäuscht sind. José García

Kritischer Dokumentarfilm über Benedikt XVI.
Der Film „Verteidiger des Glaubens“ über den emeritierten Papst Benedikt XVI. hat bereits in den Medien unterschiedliche Bewertungen erfahren. Foto: IN

Christoph Röhls Dokumentarfilm „Verteidiger des Glaubens“ über Joseph Ratzinger / Benedikt XVI., der zurzeit auf dem „Dokfest München“ Premiere feiert, interviewt nahezu ausschließlich Ratzinger- und Kirchenkritiker, die von Benedikt enttäuscht sind – daher die Schlussfolgerung des Films, Joseph Ratzinger sei „gescheitert“. Dass Erzbischof Georg Gänswein und Charles Scicluna, Ratzingers Mitarbeiter in der vatikanischen Glaubenskongregation und seit 2015 Erzbischof von Malta, ebenfalls zu Wort kommen, mutet eher als Feigenblatt an.

Eine Aussage Gänsweins schneidet Röhl mitten im Satz ab

Nennt etwa Georg Gänswein „diabolisch“, dass gerade im „Jahr des Priesters“ 2009-2010 die Missbrauchsfälle durch Geistliche in großem Ausmaße ans Tageslicht gekommen seien, so lässt der Filmemacher Jesuitenpater Klaus Mertes diese Aussage ins Lächerliche ziehen. Röhl schneidet auch eine Aussage Gänsweins mitten im Satz ab, um dann die Kritiker zu einem Urteil über das Pontifikat Benedikts XVI., ja über das Leben Joseph Ratzingers kommen zu lassen. Der suspendierte irische Priester Tony Flannery: „Ihm wurde schrittweise klar, dass die gesamte Institution, der er sein Leben gewidmet hatte, völlig von Korruption durchsetzt und dysfunktional war.“

Der Film hat bereits in den Medien unterschiedliche Bewertungen erfahren. In „katholisch.de“ sagt Steffen Zimmermann, Christoph Röhl habe „passend zu diesem negativen Blick“ seines Filmes dessen Protagonisten gewählt. Für Alan Posener in der „Welt“ sei Gänsweins Versuch, Benedikt XVI. als „Außenseiter, einen weltfremden Idealisten“ darzustellen, nicht aufgegangen: „Dieser Legende dürfte Röhls Film den Todesstoß versetzen.“ Für Christoph Renzikowski in „Domradio.de“ biete der Film „eine einseitige Sicht, aber eine, der man sich in ihrer stringenten Darbietung nur schwer entziehen kann.“

Diejenigen, die Beneditk ein Scheitern beschenigen, kämpfen seit 50 Jahren erfolglos um eine "neue" Kirche

Es entbehrt jedoch nicht einer gewissen Ironie, dass gerade diejenigen, die Papst Benedikt ein „Scheitern“ bescheinigen, es sind, die seit mehr als 50 Jahren erfolglos darum kämpfen, eine „neue“ Kirche hervorzubringen. Dass seit mehr als einem halben Jahrhundert immer wieder dieselben „Forderungen“ an die Kirche gestellt werden, spricht nicht gerade vom „Gelingen“ ihres mit dem letzten ökumenischen Konzil verbundenen Anliegens.

Eine auführliche Besprechung erscheint in der kommenden Ausgabe der "Tagespost" vom 23. Mai. Die aktuelle Ausgabe erhalten Sie kostenlos hier.

DT