Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Vor Bundestagswahl

Wirbel um AfD-Pläne zur Abtreibung

Entwurf des AfD-Wahlprogramms sorgt für Schlagzeilen – Spruchreifes kann es jedoch erst nach dem Bundesparteitag im Januar geben.
Die AfD-Chefs Alice Weidel und Tino Chrupalla
Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur (www.imago-images.de) | Co-Parteichef Tino Chrupalla gab laut "Corrigenda" zu Bedenken, dass eine Betonung des traditionellen Familienbildes die mögliche Kanzlerkandidatin Alice Weidel beschädigen könne.

Die AfD will Abtreibungen „künftig weitgehend einschränken“. Das behaupten zumindest die TV-Sender RTL/ntv und das Magazin „Stern“ unter Berufung auf den Entwurf des AfD-Wahlprogramms für die Bundestagswahl 2025, der ihnen vorliege. Demnach heiße es auf Seite 73 des Entwurfs: „Beim sorgfältigen Abwägen der Interessen muss Abtreibung die absolute Ausnahme bleiben, z.B. bei kriminologischer oder medizinischer Indikation.“

Abtreibungswilligen sollen Ultraschallaufnahmen ihres Kindes gezeigt werden

Offen bleibe, so die Sender und das Magazin weiter, ob für die AfD darüber hinaus weitere Ausnahmen gelten würden. Aufgeführt würden diese in der Auflistung jedenfalls nicht. Begründet werde die Forderung damit, dass das Recht auf Leben „ein fundamentales Menschenrecht“ sei. Ohne dieses könne kein anderes in Anspruch genommen werden. Weiter heiße es in dem Programmentwurf: „Das Lebensrecht des ungeborenen Kindes steht aber einem Wunsch der Mutter auf Abtreibung diametral entgegen.“ „Während der Schwangerschaftskonfliktberatung“ solle den Müttern auch „Ultraschallaufnahmen des Kindes gezeigt werden, damit diese sich über den Entwicklungsstand des Kindes im Klaren sind“, heißt es angeblich „in den Forderungen der Partei“.

Lesen Sie auch:

Wie die AfD gestern auf ihrer Internetseite bekannt gab, werde der „Programmentwurf als Leitantrag für den Bundesparteitag am 11. bis 12. Januar 2025 an die Delegierten versandt“. Diese können dann Änderungsanträge einreichen, die auf dem Parteitag diskutiert und abgestimmt werden. Was am Ende im AfD-Wahlprogramm für die Bundestagswahl am 23. Februar stehen wird, ist also derzeit noch völlig offen.

„Die Zeit“ und „Corrigenda“ berichten über Ringen um Ausrichtung der Partei

Das Internetportal „Corrigenda“ hatte am Dienstag von „intensiven Diskussionen“ innerhalb der Bundesprogrammkommission der Partei über die Themenfelder Familienpolitik und Lebensschutz berichtet und sich dabei auf „übereinstimmende Teilnehmerschilderungen“ berufen. Co-Parteichef Tino Chrupalla gab demnach zu Bedenken, dass eine Betonung des traditionellen Familienbildes die mögliche Kanzlerkandidatin Alice Weidel beschädigen könne. Weidel lebt in einer eingetragenen Partnerschaft mit einer Frau zusammen. Zuvor hatte auch die Wochenzeitung „Die Zeit“ ein Beitrag mit dem Titel „Die AfD erwägt Abstand zum Markenkern“ veröffentlicht.

Anfragen der „Tagespost“ bei der AfD-Pressestelle und mehreren Abgeordneten der Partei blieben bisher unbeantwortet.  DT/ reh

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Alice Weidel Alternative für Deutschland Lebensrechtsbewegung Recht auf Leben

Weitere Artikel

Die CDU will seit Jahrzehnten weiblicher werden. Könnte es sein, dass für Frauen Themen langfristig wichtiger sind als die Geschlechtszugehörigkeit? Eine Analyse.
20.02.2026, 07 Uhr
Sebastian Sasse
Fürstin Gloria von Thurn und Taxis leuchtet den woken Zeitgeistfanatikern heim.
07.10.2025, 09 Uhr
Regina Einig

Kirche

Der Papst sieht den Moment gekommen, die Künstliche Intelligenz zu „entwaffnen“. Eigentlich geht es in „Magnifica humanitas“ aber eher um das „technokratische Paradigma“.
27.05.2026, 17 Uhr
Guido Horst
Auch die Entwickler selbst fürchten, dass sich eine Superintelligenz einmal gegen den Menschen richten könnte: Die KI-Enzyklika Papst Leos geht auf reale Sorgen ein.
27.05.2026, 19 Uhr
Guido Horst
Kommt die Seligsprechung? Wie Erzbischof Georg Gänswein bestätigt, sammelt das Dikasterium für die Heiligsprechung Schreiben aus aller Welt, die Gebetserhörungen dokumentieren.
27.05.2026, 14 Uhr
Regina Einig
Trotz Warnungen aus Rom: Die FSSPX gibt die Namen der Kandidaten für die geplanten Bischofsweihen bekannt. Auch dem Papst sollen sie bereits vorgestellt worden sein.
27.05.2026, 11 Uhr
Meldung
Neuer Teilnehmerrekord, Durchschnittsalter bei 21 und die Abschlussmesse mit Kardinal Burke: Chartres versammelte wieder Zehntausende. Was sagt das über die junge Generation?
27.05.2026, 10 Uhr
Elisabeth Hüffer