Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung New Haven/Washington

Warum US-Katholiken bei der Präsidentschaftswahl so wichtig sind

Katholiken würden sowohl vom republikanischen Amtsinhaber Donald Trump wie auch von seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden umworben, meint der amerikanische Religionssoziologe Philip Gorski. Bei Evangelikalen ist das anders.
Trump und religiöse Wähler
Foto: Erin Scott - Pool Via Cnp via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Wenn man so will, stellt er für viele Evangelikale das kleinere Übel dar, für manche sogar den großen Retter“, meint Gorski über US-Präsident Donald Trump.

Der amerikanische Religionssoziologe Philip Gorski hält die amerikanischen Katholiken für die interessanteste „und womöglich wahlentscheidende Gruppe“ im Hinblick auf die Präsidentschaftswahlen im November. Von ihrem Hintergrund und ihren politischen Einstellungen seien sie „sehr divers und vielfältig“ und würden daher sowohl vom republikanischen Amtsinhaber Donald Trump wie auch von seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden umworben, erklärt Gorski im Gespräch mit dieser Zeitung.

Protestantismus und Nationalismus gehen Hand in Hand

Zudem sei die katholische Kirche eine weltumfassende Gemeinschaft. „Sie lassen sich also nicht so sehr für nationale Belange vereinnahmen“, so Gorski. Im Gegensatz zu den Evangelikalen: Diese hatten Trump 2016 zu 80 Prozent gewählt. Bei ihnen gingen Protestantismus und ein Nationalismus, wie er von Trump propagiert wird, oft Hand in Hand. Die enge Bindung vieler Evangelikaler an Trump erklärt Gorski zudem mit der Position der Regierung in der Abtreibungspolitik. „Für viele Evangelikale ist der Lebensschutz die einzige und entscheidende Frage“, so Gorksi. 

Der "letzte Kampf zwischen Gut und Böse"

Lesen Sie auch:

Darüber hinaus erklärt Gorski, der eine Professur für Soziologie an der Yale University in New Haven im US-Bundesstaat Connecticut innehat, dass Trump seinen bisherigen Wahlkampfals den „letzten Kampf zwischen Gut und Böse“ zu stilisieren versuche. „Wenn man so will, stellt er für viele Evangelikale das kleinere Übel dar, für manche sogar den großen Retter“, meint Gorski.  DT/mlu

Welche Prognose gibt Philip Gorski zum Wahlverhalten von Katholiken und Evangelikalen in den USA ab? Und warum spielen religiöse Aspekte in Amerikas Politik noch immer eine so große Rolle? Dies und mehr erfahren Sie im ausführlichen Interview mit dem Religionssoziologen in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

Themen & Autoren
Redaktion Demokratie Donald Trump Joe Biden Katholikinnen und Katholiken Katholische Kirche Nationalismus

Weitere Artikel

Friedensnobelpreisträgerin Machado warnt in Oslo vor einem „Krieg des Maduro-Regimes gegen sein Volk“ und betont die Dringlichkeit eines demokratischen Übergangs.
11.12.2025, 18 Uhr
José García

Kirche

Peter Kohlgraf ist „gerne Bischof von Mainz“, könnte sich aber wohl auch den DBK-Vorsitz vorstellen. Zumindest geizt er vor der Wahl nicht mit geschickten Positionsbestimmungen.
13.02.2026, 15 Uhr
Jakob Ranke
Nach Treffen zwischen Fernández und Pagliarani lässt der Vatikan verlauten: Bischofsweihen würden ins Schisma führen. Stattdessen soll ein Dialog theologische Differenzen klären.
12.02.2026, 15 Uhr
Guido Horst
Die Gebote sollen keine Überforderung sein, sondern ein Hilfe für die Christen, ihre eigene Berufung zu leben. Christsein ist schließlich kein Moralismus.
14.02.2026, 21 Uhr
Martin Grichting