Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um "5 vor 12"

Trump im Porzellanladen

Statt auf Diplomatie setzt der designierte Präsident auf die Androhung roher Gewalt.
Trumps geopolitische Expansionspläne
Foto: IMAGO/Brian Cahn (www.imago-images.de) | Meins, meins, alles meins: Die Pläne des künftigen US-Präsidenten Donald Trump, sich Grönland und Kanada einzuverleiben sowie den Panama-Kanal zu kontrollieren, sorgen derzeit für breite Empörung.

Während in Kalifornien die schönen Villen bei Los Angeles in Flammen stehen, hält Donald Trump in seinem Privatclub in Florida eine Brandrede der eigenen Art. Man kann das alles als Drohgebärden eines alten Mannes lesen, der demnächst als erster vorbestrafter Präsident der USA sein Amt antreten wird: Den Golf von Mexiko in Golf von Amerika umzubenennen, klingt ja noch ganz nett.

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Aber in Panama einzumarschieren, um sich den dortigen Kanal zwischen Pazifik und Karibik zu eigen zu machen, Kanada mit wirtschaftlicher Gewalt als 51. Bundesstaat unter das Sternenbanner zu zwingen, Grönland mit Strafzöllen oder sogar militärisch zu erobern (sein Sohn Donald Jr. ist schon da) – da hört der Spaß dann auf. Ein Putin reicht. Die Welt braucht keinen zweiten, der einfach loshaut, um sich das mit Gewalt einzuverleiben, was ihm gerade passt. 

Europa ist verdutzt

Dass Donald mit seinem Financier Elon Musk in Mar-a-Lago nicht nur Frühstückseier aufhaut, war schon klar. Dass aber beide im vertrauten pas-de-deux nicht nur verbal wie Elefanten im Porzellanladen wüten, dämmert den Kanzleien des Westens erst allmählich. Trump befiehlt immerhin die mächtigste Armee der Welt und Musk gilt als der reichste Mensch des Planeten. Wer ist denn weit und breit zu sehen, der dieses Duo einzuhegen vermag?

In der Partei der Republikaner regt sich niemand mehr, der dem designierten Präsidenten die Benimm-Regeln der großen Weltpolitik beizubringen vermag. In Europa ist man verdutzt – oder macht es wie Giorgia Meloni: Schnell mal nach Florida fliegen, um mit Trump vor den Kameras Händchen zu halten und mit Musk einen Satelliten-Deal zu beklönen.

Das Klima ist vergiftet

In seine erste Amtszeit ist Trump recht unvorbereitet hineingestolpert, seine zweite konnte er gut vorbereiten. Vor acht Jahren begann er, Berater zu ernennen und bald wieder zu feuern, diesmal konnte er sich sein Team aus getreuen Ja-Sagern gezielt zusammenstellen. Damals hat er viel erzählt, was man nicht ganz ernst nehmen musste. Wenn er jetzt fordert, alle NATO-Mitgliedstaaten hätten ihren Verteidigungsetat auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen, klingt das schon anders.

„MAGA“ kann gerade für Europa böse Folgen haben, zumal die Achse Berlin – Paris zerbrochen ist. Auch wenn manche das verbale Getöse Trumps als versuchte Einschüchterung sehen möchten, der nicht unbedingt Taten folgen müssen, so ist das Klima auf dem internationalen Parkett dennoch jetzt schon extrem vergiftet. Wenn der Präsident der USA seine Ziele vor allem mit dem Mittel lautstarker Drohungen zu erreichen glaubt, beginnt eine diplomatische Eiszeit, in der vor allem Europa frieren wird.

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