Bislang war es eine Domäne der Linken und Grünen. Nun hat sich erstmals auch eine CDU-Politikerin für die Streichung des Paragrafen 218 aus dem Strafgesetzbuch ausgesprochen und die rechtliche Regelung vorgeburtlicher Kindstötungen in einem anderen Gesetz beworben.
In dem von dem Netzwerk „Frauen100“ verantworteten Podcast „You can sit with us“ sagte die Vorsitzende der Bremischen Bürgerschaft, Wiebke Winter, der Moderatorin Clara Pfeffer: „Ich finde das Selbstbestimmungsrecht der Frau total wichtig und ich finde es gut, wenn wir 218 abändern würden, nicht in dem, was geregelt wird, sondern dass wir es in ein anderes Gesetz überführen. Wir haben andere Gesetze, die es aus meiner Sicht genauso gut regeln könnten, dass wir weiterhin den Schutz des ungeborenen Lebens garantieren, aber auch das Selbstbestimmungsrecht der Frau ohne dieses scharfe Schwert des Strafgesetzbuches.“
Winter: „Habe das lange für richtig gehalten“
Zuvor hatte die 1996 in Kiel geborene Tochter eines Augenarztes und einer Pharmazeutin, die kürzlich als Spitzenkandidatin der Bremer CDU für die Bürgerschaftswahl 2027 nominiert wurde und zudem Beisitzerin im CDU-Bundesvorstand ist, erklärt: „Habe das lange für richtig gehalten, weil halt das als eine Art Tötung angesehen wird, weil wir halt sagen, diese Eizelle, dieser werdende Mensch ist ein Mensch und wenn man ihn abtreibt, ist es eine Tötung. Deswegen steht es tatsächlich auch bei kurz hinter Totschlag. Es steht bei den Tötungsdelikten. Das ist ganz schön krass und ich verstehe und sehe auch als Juristin, dass wir die Menschenwürde in einer bestimmten Art und Weise schützen müssen. Ich verstehe aber auch, was das mit Frauen macht oder vielleicht auch mit Familien macht, die sich aus welchem Grund auch immer entscheiden: wir möchten das Kind nicht austragen.“
Das vor fünf Jahren gegründete Netzwerk „Frauen100“ versteht sich als parteiübergreifende Plattform für „Frauen, Female Empowerment und Gleichberechtigung in Deutschland.“ Erklärtes Ziel ist es, die „wichtigsten Entscheidungsträger*innen aus Politik, Wirtschaft, Medien und Kultur“ zu vereinen, „Räume für Austausch, Relevanz für Themen, initiieren Gespräche, formulieren Forderungen“ zu schaffen und „so den Wandel“ voranzutreiben. (DT/reh)
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