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Sebastian Kurz kehrt der Politik den Rücken

Österreichs Altkanzler und ÖVP-Chef will sich erst einmal der Familie widmen. Doch die Korruptionsstaatsanwaltschaft sitzt ihm im Nacken.
Österreichs Ex-Kanzler Kurz zieht sich aus der Politik zurück
Foto: Herbert Neubauer (APA) | Sebastian Kurz, ÖVP-Fraktionschef und Ex-Kanzler Österreichs, gibt eine persönliche Erklärung in der Politischen Akademie der Volkspartei ab. Er zieht sich aus der Politik zurück.

Der Shootingstar der österreichischen Politik wirft das Handtuch: Sebastian Kurz, bis vor wenigen Wochen Bundeskanzler der Republik Österreich, gab am Donnerstagvormittag in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in Wien bekannt, ganz aus der Politik auszuscheiden. Er wird den Vorsitz der christdemokratischen ÖVP wie auch ihrer Fraktion im Parlament niederlegen und will sich zunächst seinem neugeborenen Sohn widmen, bevor er 2022 neue berufliche Wege beschreitet.

Das Gefühl, gejagt zu werden

Kurz sagte in seiner Erklärung, er empfinde vor allem Dankbarkeit für zehn Jahre politische Tätigkeit als Staatssekretär, Außenminister und Bundeskanzler. Spitzenpolitik bringe „ein stetiges Wechselbad an Gefühlen“ mit sich, weil man etwas bewegen könne, aber jeden Tag so viele Entscheidungen zu treffen habe, dass auch falsche Entscheidungen darunter seien. Er habe das Gefühl gehabt, gejagt zu werden, „aber das hat mein Team und mich zu Höchstleistungen motiviert“.

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Dabei sei die eigene Familie vernachlässigt worden. Bei der Geburt seines ersten Kindes vor wenigen Tagen sei ihm „bewusst geworden, wieviel Schönes und Wichtiges es außerhalb der Politik gibt“. Dagegen sei seine Begeisterung und Freude an der politischen Arbeit in den zurückliegenden Monaten geschwunden, weil sein politischer Alltag von der Abwehr von Vorwürfen und Anschuldigungen geprägt gewesen sei. „Ich habe immer mein Bestes gegeben, aber selbstverständlich auch Fehler gemacht“, so Kurz. „Ich bin weder ein Heiliger noch ein Verbrecher. Ich bin ein Mensch mit Stärken und Schwächen.“

Mit dem Dalai Lama und Papst Franziskus

Er freue sich auf den Tag, an dem er vor Gericht beweisen werde, dass die Vorwürfe gegen ihn unberechtigt sind, meinte der ehemalige Bundeskanzler, gegen den die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft wegen Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit ermittelt. Zu den Höhepunkten seiner Amtszeit als Außenminister und Bundeskanzler zählte der 35-Jährige die Begegnungen mit dem Dalai Lama und mit Papst Franziskus. Als Erfolge nannte er die Entlastung von kleineren Einkommen und Familien.

Sebastian Kurz will nun alle politischen Ämter niederlegen, viel Zeit der Familie widmen und im neuen Jahr eine neue berufliche Laufbahn einschlagen. Ohne Fragen der anwesenden Journalisten abzuwarten, verließ er die Pressekonferenz mit dem Satz: „Ich werde jetzt aufbrechen und meinen Sohn und meine Freundin aus dem Spital abholen.“

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Stephan Baier CDU Dalai Lama Papst Franziskus Sebastian Kurz Österreichische Volkspartei

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