Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Erfurt/Kassel

Ramelow-Wahl verdrängt Auseinandersetzung um brutale Revolutionsfantasien bei der Linken

Bei einem Strategiekongress der Partei war davon die Rede, „ein Prozent der Reichen zu erschießen“. Linken-Chef Riexinger dazu: „Wir erschießen sie nicht, wir setzen sie für nützliche Arbeit ein.“ Unionsparteien empört: Abscheuliche Haltung.
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow und Bernd Riexinger
Foto: Martin Schutt (dpa-Zentralbild) | Bodo Ramelow wurde wieder zum Ministerpräsidenten von Thüringen gewählt. Linken-Chef Riexinger sorgt wenige Tage zuvor mit seinem Verhalten bei einem Strategiekongress seiner Partei für Empörung.

Nun also doch: Am Mittwoch ist Bodo Ramelow (Linke) im dritten Wahlgang mit einfacher Mehrheit zum neuen Ministerpräsident von Thüringen gewählt worden. Die breite Aufmerksamkeit für die Wahl des Linkenpolitikers verdrängt indes die Auseinandersetzung um brutale Gewaltfantasien in den Reihen der Linkspartei. Dabei werfen die bizarren Revolutions-Fantasien, die bei einem Strategiekongress der Partei am Wochenende öffentlich wurden, ein bezeichnendes Licht auf die politische Gedankenwelt innerhalb der SED-Nachfolgepartei. Doch die Diskussion darüber geht unter. 

Noch vor der Abstimmung im Thüringer Landtag kritisierte CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak am Mittwoch die Linke und deren Vorsitzenden Bernd Riexinger scharf und sprach auf Twitter von einer „abscheulichen Haltung“, die eine Teilnehmerin des Strategiekongresses der Partei in Kassel an den Tag gelegt habe. Diese hatte gefordert „nach einer Revolution, wenn wir ein Prozent der Reichen erschossen haben“, brauche man eine Energiewende für Heizung und Mobilität.

Der anwesende Chef der Linkspartei, Bernd Riexinger, griff nach dieser Äußerungen nicht ein. Riexinger sagte lediglich: „Wir erschießen sie nicht, wir setzen sie für nützliche Arbeit ein.“ Ein Video dieses Vorgangs kursiert in den Sozialen Medien. 

CSU-General fordert Rücktritt des Linken-Chefs

Der Generalsekretär der CDU, Paul Ziemiak, sieht in der Entgleisungen bei der Linkspartei für eine Bestätigung dafür, warum die Bundes-CDU jede Zusammenarbeit mit der Linkspartei ablehnt. Auch der Generalsekretär der CSU, Markus Blume, zeigte sich empört. Blome forderte Riexinger zum Rücktritt auf: „Nach diesem Video muss sich Bernd Riexinger erklären und die Konsequenzen ziehen. Der Rücktritt vom Parteivorsitz ist unausweichlich.“

Lesen Sie auch:

Hubertus Knabe, früherer Direktor der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, schrieb auf Twitter: „Wenn Linke unter sich sind, zeigen sie ihr wahres Gesicht. Ebenfalls auf Twitter äußerte sich auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Mark Hauptmann. Der Abgeordnete schrieb: „Die Linke ist extrem, sie ist radikal, sie ist geschichtsvergessen, sie ist die alte SED.“

Riexinger bedauert sein Verhalten

Unterdessen war Linken-Chef Riexinger bereits zurückgerudert. „Auch wenn der Kommentar einer Teilnehmerin auf der Strategiekonferenz nun völlig aus dem Kontext gerissen wird, er war und ist inakzeptabel. Ich bedauere, dass ich ihn nicht sofort unmissverständlich zurückgewiesen habe“, schrieb er beim Kurznachrichtendienst Twitter.

Auch Bodo Ramelow war kurz vor seiner Wahl um Schadensbegrenzung bemüht: „Wer Menschen erschießen will und von einer Revolution mit oder durch Gewalt schwadroniert hat mit meinem Wertekanon nichts gemein. So eine Aussage auf einer Konferenz meiner Partei ist inakzeptabel und hätte nie lächelnd übergangen werden dürfen!“, zitiert die „Bild“-Zeitung Ramelow. Auch unwidersprochene Ironie mit der Aussage, man wolle „das eine Prozent“ erschießen, sei für ihn nicht akzeptabel.

DT/mare

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Redaktion Bernd Riexinger Bodo Ramelow CDU CSU Die Linke Hubertus Knabe Mark Hauptmann Markus Blume Sozialistische Einheitspartei Deutschlands

Weitere Artikel

Die Linkspartei erlebt einen Höhenflug. Doch ist er von Dauer? Gegen den Wiederaufstieg helfen nur zwei Dinge, schreibt Hubertus Knabe.
11.12.2025, 21 Uhr
Hubertus Knabe

Kirche

Die Gleichnisse vom Schatz und der Perle zeigen: Wer Christus findet, hat den größten Schatz seines Lebens entdeckt.
25.07.2026, 21 Uhr
Georg Gänswein
Tech-Milliardär Peter Thiel ist fasziniert vom Antichristen und sieht in Papst Benedikt XVI. einen zögerlichen Verbündeten. Was dabei völlig fehlt, ist ein Blick in den Spiegel.
24.07.2026, 13 Uhr
Sebastian Ostritsch
Er wurde in der Kirche erschossen: Der Priester Dario Acosta Zurita war mit nur 22 Jahren einer der jüngsten Märtyrer des mexikanischen Bürgerkrieges.
25.07.2026, 05 Uhr
Claudia Kock
Thommy Schott ist mehr als ein Anwalt. Der fünffache Familienvater setzt sich mit seinem Verein Pro Fide Ecclesiae auch für seinen Glauben ein.
24.07.2026, 09 Uhr
Regina Einig