Kommentar um "5 vor 12"

Putins neue Freunde

Auf seiner ersten Auslandsreise seit Kriegsbeginn flirtet Russlands Präsident mit den afghanischen Taliban.
Ukraine-Krieg - Russland
Foto: Kirill Kallinikov (Pool Sputnik Kremlin/AP) | Wladimir Putin, Präsident von Russland, hält eine Rede während eines Treffens mit Absolventen höherer Militärakademien im Kreml.

Während Patriarch Kyrill nicht müde wird, in Predigten seinen Präsidenten zu preisen und den Westen ob seiner Gottlosigkeit und Dekadenz zu verdammen, sucht Wladimir Putin ganz neue Allianzen. Seine erste Auslandsreise seit der Invasion in der Ukraine am 24. Februar führte Putin am Dienstag nach Tadschikistan. Von dort sandte er eine zarte Botschaft an die radikal-islamischen Taliban in Afghanistan.

Putins Flirt kommt nicht überraschend

Er wolle „alles“ dafür tun, damit die Situation in Afghanistan sich „normalisiert“, so Putin, laut russischer Nachrichtenagentur Interfax. Aber eben nicht gegen oder ohne die Taliban, sondern indem er „Beziehungen zu den politischen Kräften aufbaut, die die Lage kontrollieren“. Wer Wladimir Putin bisher für einen Fürsprecher der von radikalen Muslimen verfolgten Christen hielt, oder gar für einen Verteidiger christlicher Werte, darf sich angesichts dieser Partnerwahl die Augen reiben.

Lesen Sie auch:

Ganz so überraschend kommt Putins neuer Flirt mit den menschenverachtenden Steinzeit-Islamisten vom Hindukusch aber auch wieder nicht. Bei seinem mitleidlosen Kampf gegen die orthodoxen Brüder und Schwestern in der Ukraine bedient sich Russlands Präsident bereits gerne arabischer Söldner und vor allem der muslimischen Mörderbanden seines tschetschenischen Freundes Ramsan Kadyrow. Dieser Blut-und-Boden-Islamist durfte in Putins Namen in Mariupol morden – einer Stadt, die einst orthodoxe Griechen auf der Flucht vor den islamischen Osmanen besiedelten.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Niemand durchdrang das Wesen des Krieges wie Carl von Clausewitz. Anhand seines Denkens lassen sich sogar Cyber-Attacken und der Ukraine-Krieg einordnen.
23.07.2022, 09  Uhr
Stefan Ahrens
Mitten in der Uckermark nördlich von Berlin steht seit einigen Jahren ein russisch-orthodoxes Kloster, unter anderem auf Initiative des heutigen Moskauer Patriarchen Kyrill.
10.07.2022, 15  Uhr
Oliver Gierens
In der Ukraine spielt die Zeit für Putin. Europa und der Weltfriede sind in höchster Gefahr. Um die Katastrophe abzuwenden, plant Franziskus, den Frieden noch zu retten. Ein Kommentar.
07.07.2022, 13  Uhr
Guido Horst
Themen & Autoren
Stephan Baier Christen Kriegsbeginn Muslime Osmanen Ramsan Kadyrow Wladimir Wladimirowitsch Putin

Kirche

Mitten im ökumenischen Winter tagt die Lambeth Conference der Anglikaner. Diametral verschiedene Auffassungen prallen aufeinander.
12.08.2022, 17 Uhr
Barbara Stühlmeyer
In Skandinavien gibt es so gut wie keine Forderungen nach dem Priesteramt für Frauen, aber den Wunsch nach mehr Hilfe, um dem Glauben und der Lehre der Kirche entsprechend zu leben.
11.08.2022, 13 Uhr
Regina Einig