Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Berlin

Organspende: CDU/CSU-Abgeordnete sollen gegen Spahn-Vorschlag stimmen

Die WerteUnion sieht in dem Gesetzentwurf einen Verstoß gegen das christliche Menschenbild und die freiheitliche Werteordnung: „Der Mensch ist kein Ersatzteillager“.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU)
Foto: Markus Scholz (dpa) | Die WerteUnion übt scharfe Kritik an der von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vorgeschlagenen Widerspruchsregelung. Am Donnerstag entscheidet der Bundestag über die Zukunft der Organspende.

Die WerteUnion hat alle Bundestagsabgeordneten der Unionsfraktion dazu aufgerufen, bei der Abstimmung über die Neuregelung der Organspende am Donnerstag gegen das Gesetzesvorhaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu stimmen.  Ebenso sei der von Grünen und Linkspartei eingebrachte Gegenvorschlag abzulehnen, heißt es in einer Pressemitteilung der WerteUnion vom Mittwoch.

Die WerteUnion sieht in der geplanten Einführung der Widerspruchregelung  den „Übergang von der Organspende zu einer ,Organabgabepflicht’“. Da es sich bei der Bereitschaft zur Organspende um eine tiefgreifende, persönliche Entscheidung handele, müsse sie explizit geäußert werden.

Das wäre ein „Vorgriffsrecht“ des Staates auf den menschlichen Körper

„Der Staat würde sich bei Einführung der Widerspruchslösung ein unbegründetes ,Vorgriffsrecht’ auf den menschlichen Körper anmaßen. Dies könne einen gefährlichen Präzedenzfall für weitere freiheitsfeindliche Eingriffe in die persönliche Selbstbestimmung darstellen. Nicht zuletzt spiele Spahn mit der Selbstbestimmung der Bürger, die mangels Information keinen Widerspruch durchführen, obwohl sie keine Organentnahme möchten“, heißt es in der Mitteilung der WertUnion weiter. 

Der von einer Gruppe um CDU-Gesundheitsminister Spahn und den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach vorgelegte Gesetzentwurf würde einen Paradigmenwechsel bei der Organspende bedeuten. Mit ihrem Gesetzentwurf würde erstmals die sogenannte Widerspruchsregelung in Deutschland eingeführt. Damit wäre künftig jeder ein möglicher Organspender, der einer Organentnahme nicht ausdrücklich widersprochen hat. Die bisherige Regelung sieht vor, dass Organe nur dann entnommen werden dürfen, wenn die betroffene Person zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt hat, indem sie einen Organspendeausweis unterzeichnet.

„Die Widerspruchslösung ist nicht nur zutiefst unchristlich, sondern stellt auch einen schwerwiegenden Eingriff in das grundgesetzlich geschützte Recht am eigenen Körper dar“
Thomas Jahn, Vize-Bundesvorsitzender der WerteUnion

„Herr Spahn läuft mit der sogenannten Widerspruchslösung leider den kruden Ideen des SPD-Politikers Lauterbach nach, der Menschen offenbar nicht als freiwillige Organspender, sondern als ‚Organschuldner‘ oder Ersatzteillager sieht“, kritisiert der stellvertretender Bundesvorsitzender der WerteUnion, Thomas Jahn. „Die Widerspruchslösung ist daher nicht nur zutiefst unchristlich, sondern stellt auch einen schwerwiegenden Eingriff in das grundgesetzlich geschützte Recht am eigenen Körper dar. Der Schutz der körperlichen Unversehrtheit muss auch über den Tod hinaus gelten. Alles andere wäre ein ethischer Dammbruch“, betont Jahn.

Lesen Sie auch:

Katholische und evangelische Kirche sowie Lebensrechtsverbände haben sich gegen die Einführung der Widerspruchslösung ausgesprochen. Der Bundesverband Lebensrecht (BVL) hat am Donnerstag eine Demonstration vor dem Reichstagsgebäude angekündigt. Mit ihrer Kritik an der Widerspruchsregelung schließt sich der WertUnion nach eigenem Bekunden  der Kritik unter anderem der Kirchen wie der „Christdemokraten für das Leben“ (CDL) an.  Die WerteUnion versteht sich als konservative Basisbewegung innerhalb der CDU/CSU. Sie wurde 2017 gegründet und hat nach eigenen Angaben mehr als 3.600 Mitglieder. Zu den prominenten Mitgliedern zählen der ehemalige Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen sowie der Dresdner Politikwissenschaftler Professor Werner J. Patzelt.

DT

Lesen Sie auch:

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Redaktion CDU CDU/CSU-Bundestagsfraktion Evangelische Kirche Hans-Georg Maaßen Jens Spahn Karl Lauterbach

Weitere Artikel

In der groß angelegten „Vereinbarten Debatte“ über einen Paradigmenwechsel bei der Organspende hielt Michael Brand eine so bemerkenswerte wie selbstkritische Rede.
26.06.2026, 11 Uhr
Stefan Rehder
Nach dem Zweiten Triage-Urteil des Bundesverfassungsgerichts sind nun die Bundesländer gefordert, eine verfassungskonforme Regelung zu finden. Das könnte knifflig werden.
14.11.2025, 19 Uhr
Stefan Rehder

Kirche

Schwester Katharina Ganz wird Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes. Die Personalie hat nicht nur eine pastorale, sondern auch eine kirchenpolitische Dimension.
15.07.2026, 21 Uhr
Benjamin Leven
Die KHKT verliert ihre Führung: Rektor, Kanzlerin und Geschäftsführer hören auf. Medienspekulationen über die Hintergründe werfen Fragen auf. Die Debatte kommt zur Unzeit.
15.07.2026, 15 Uhr
Benjamin Leven Jakob Ranke
Nach den unerlaubten Bischofsweihen legt die Gemeinschaft fristgerecht Rechtsmittel gegen das Exkommunikationsdekret ein. Damit ist die verhängte Strafe vorerst ausgesetzt.
14.07.2026, 13 Uhr
Meldung
Der neue Eichstätter Bischof äußert sich zurückhaltend zum Pflichtzölibat, und wehrt sich gegen Flügelkämpfe. Sein Abstimmen beim Synodalen Weg dürfte für Diskussionen sorgen.
13.07.2026, 15 Uhr
Dorothea Schmidt