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„Offene Christenverfolgung“ im indischen Manipur

Das Hilfswerk "Kirche in Not" beklagt 100 Tote und 500.000 Geflohene. Zudem seien über 350 kirchliche Einrichtungen abgebrannt.
Pastoralzentrum derPfarrei St. Paul in Imphal
Foto: Kirche in Not | Das ausgebrannte Pastoralzentrum derPfarrei St. Paul in Imphal

Nach Angaben des katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ sind im ostindischen Bundesstaat Manipur seit Anfang Mai über 350 Kirchen und kirchliche Einrichtungen von militanten Hindu-Nationalisten niedergebrannt worden. In einer Pressemitteilung berichtet das päpstliche Hilfswerk über die dortigen Ausschreitungen, die sich laut lokalen Beobachtern zu einer „offenen Christenverfolgung“ ausgeweitet haben. Etwa 100 Angehörige des christlichen Kuki-Stammes sollen getötet worden sein; mehr als eine halbe Million Menschen befänden sich auf der Flucht.

Brennende Altäre, brennende Kirchen

Laut eigenen Angaben liegen „Kirche in Not“ Augenzeugenberichte vor, die den Verlauf und das Ausmaß der religiösen Gewalt dokumentieren. Anfang Mai seien Angreifer in die Pfarrei St. Paul und das dazugehörige pastorale Ausbildungszentrum in der Provinzhauptstadt Imphal eingedrungen. „Der Mob zertrümmerte Fensterscheiben, Türen, Statuen und legte Feuer am Altar“, berichtete die dort ansässige katholische Diözese. Die auf dem Gelände lebenden Personen seien zusammengetrieben worden und die Angreifer hätten die Ausweise kontrolliert, um Angehörigen der Kuki-Ethnie zu identifizieren. Ähnliche Übergriffe hätten sich in den darauffolgenden Tagen gehäuft. Inzwischen sei die ganze Kirche und das Pastoralzentrum niedergebrannt worden, teilte die Diözese mit.

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In einem Vorort von Imphal, seien in einer weiteren Pfarrei die Kirche, das Pfarrhaus, ein Kloster, eine katholische Schule und ein dazugehöriges Wohnheim geplündert und beschädigt worden. Anschließend habe man auch dort einen Brand gelegt. Laut „Kirche in Not“ wurde dokumentiert: „Es waren drei oder vier Polizisten vor Ort, konnten den Mob jedoch nicht unter Kontrolle bringen“.

Ethnisch-religiöser Konflikt impliziert Regierungspartei

Lokalen Angaben zufolge, schüre die Regierungspartei BJP weiterhin Gewaltakte gegen die christliche Minderheit, so das Hilfswerk. Mitte Juli war der stellvertretende BJP-Parteivorsitzende des Nachbar-Bundesstaates Mizoram aus Protest gegen die Gewalt zurückgetreten. In seiner Erklärung kritisierte er, dass sowohl die BJP-geführte Provinz- als auch die indische Bundesregierung bislang versagt hätten die Gewaltakte zu verurteilen. „Darum glaube ich, dass die massive Zerstörung christlicher Kirchen in Manipur von den staatlichen und zentralen Behörden unterstützt wurde“, zitieren lokale Medien den Politiker.

Der an Myanmar grenzende Bundesstaat Manipur ist von Spannungen zwischen der überwiegend hinduistischen Volksgruppe der Meitei und den christlichen Stämmen der Kuki und Naga geprägt. Letztere gelten laut der Regierung als „registrierte Stammesgemeinschaft“. Nun versuchen die Meitei, ebenfalls in die Liste aufgenommen zu werden. Das führte laut „Kirche in Not“ zu Gegenprotesten von Einwohnern, die dadurch weitere Diskriminierung der christlichen Minderheiten befürchten. Diesen christlichen Protesten begegne ein Teil der hinduistischen Mehrheit nun mit Gewaltakten. DT/jmo

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