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Nach Nahles-Rücktritt: Kritik an SPD

Die SPD zerstöre sich gerade selbst, meint der Bochumer Sozialethiker Joachim Wiemeyer. Zu einem Mindestmaß an Tugenden politische Akteure gehöre auch die Loyalität gegenüber den selbst gewählten Amtsträgern.
Kritik an SPD nach Nahles-Rücktritt
Foto: Bernd von Jutrczenka (dpa) | Durch ein neues Gesicht an der Spitze sei keines der grundlegenden Probleme gelöst, meinte der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse nach dem Rücktritt von Andrea Nahles.

Nach dem Rücktritt von Andrea Nahles als Partei- und Fraktionsvorsitzende der SPD mehren sich die Stimmen, die Kritik am Umgang der Partei mit der ehemaligen Chefin üben, auch in katholischen Kreisen. So erklärte beispielsweise der Bochumer Sozialethiker Joachim Wiemeyer,  dass zu einem Mindestmaß an Tugenden politischer Akteure auch die Loyalität gegenüber den selbst gewählten Amtsträgern gehöre, sowie Wahrhaftigkeit und Kompromissfähigkeit.

Warnung vor "destruktiven Machtmächten" innerhalb der SPD

Gegenüber der „Katholischen Nachrichtenagentur“ (KNA) meinte Wiemeyer: „Es ist bedauerlich, dass gerade zum 70. Jubiläum des Grundgesetzes, das in Deutschland eine stabile politische Kultur der Gemeinwohlorientierung und Verantwortungsbereitschaft hervorgebracht hat, eine Partei, die sich in der deutschen Geschichte viele Verdienste erworben hat, selbst zerstört.“ Zudem warnte er davor, dass „destruktive Machtmächte“ innerhalb der SPD Populisten weiteren Auftrieb verleihen könnten.

Ähnlich äußerte sich auch der ehemalige SPD-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse. Durch ein neues Gesicht an der Spitze sei keines der grundlegenden Probleme gelöst. „Ich habe hinreichend viele sogenannte personelle Neuanfänge erlebt. Nein nein, das bringt es nicht“, so Thierse, der auch Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ist, im Gespräch mit dem Kölner Domradio.

„Wir müssen uns mit den Inhalten befassen, also besser gesagt mit
dem, was unsere Identität ausmacht und die
elementare Aufgabe der Sozialdemokratie ist“
Wolfgang Thierse, ehemaliger SPD-Bundestagspräsident

„Wir müssen uns mit den Inhalten befassen, also besser gesagt mit dem, was unsere Identität ausmacht und die elementare Aufgabe der Sozialdemokratie ist“, meinte Thierse weiter. Dies seien Gerechtigkeit, Solidarität und sozialer Zusammenhalt in einer gespaltenen Gesellschaft.

Zuvor hatte der amtierende ZdK-Vorsitzende, Thomas Sternberg, die Arbeit der Katholikin Andrea Nahles an der Spitze der SPD gewürdigt. Er wolle Nahles seinen Respekt und seine Wertschätzung aussprechen, so Sternberg gegenüber der KNA. „Sie hat in schwerer Zeit Verantwortung übernommen und als erste Frau die traditionsreiche SPD geführt.“ Die 48-Jährige, selbst Mitglied im ZdK, habe sich für soziale Gerechtigkeit und internationale Solidarität eingesetzt. „Ich hoffe, dass sie dies auch weiterhin an wichtiger Stelle tun kann.“

DT/mlu

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