Gerade habe ich einen neuen Lagebericht aus Nepal erhalten. Er liest sich dramatisch, und das Ausmaß der Zerstörung nach der Sturzflut in der Himalaya-Region wird immer klarer. Über 1.000 Tote und mehrere tausend Vermisste, so lautet vorläufig die traurige Bilanz.
Was mir aber Hoffnung macht, ist der Mut und die Tatkraft der Menschen, die jetzt alles tun, um den Überlebenden schnell und wirksam zu helfen. Die Ordensschwester Cecilia Durga Shrestha ist die erste Frau als Direktorin von Caritas Nepal. Ich kenne sie persönlich und weiß, wie viel Kraft sie aus ihrem Glauben schöpft. Sie ist gerade, Gott sei Dank, vor Ort: Mit ihrem Team steht sie derzeit Tag und Nacht an der Seite der Überlebenden. Sofort nach der Katastrophe haben sie begonnen, Hilfsmaßnahmen zu organisieren. Einen Tag später konnten sie bereits 400 Haushalte mit Hilfsgütern versorgen.
Hier zeigt sich, wie tragfähig das Netzwerk der katholischen Kirche weltweit ist! Selbst in einem Land wie Nepal, in dem die Katholiken ja nur eine Minderheit darstellen, wirken sie tief in die Gesellschaft hinein. In dieser historischen Notlage kann die Kirche die betroffenen Familien schnell und zuverlässig erreichen. Alleine mit den „community kitchens“ der lokalen Caritas, also den Essensausgaben in den zerstörten Gebieten, werden jeden Tag Hunderte Menschen mit Essen versorgt.
Doch angesichts der gewaltigen Verwüstung höre ich auch von enormen Schwierigkeiten: Straßen und Brücken sind zerstört, manche Gebiete sind kaum zugänglich. Ein Helikopter-Transport mit dem Militär kostet für nur 15 Minuten Flug bereits eine Million Rupien, das sind mehr als 5.000
Euro.
Und nach allem, was wir derzeit sagen können, wird die Hilfe noch eine ganze Weile nötig sein, bis alle Überlebenden gerettet sind und ihre Häuser, Schulen und Kirchen wieder aufgebaut werden können. Dass gerade aus Deutschland so viel Hilfsbereitschaft kommt, macht die Menschen in Nepal sehr dankbar. Sie wissen, dass sie auf uns in der Not zählen können. Lassen wir sie jetzt nicht alleine!
Der Autor, 63 Jahre alt, ist Domkapitular und seit 2014 Präsident des Internationalen Katholischen Missionswerks missio München. Mehr zur Nepal-Hilfe von missio unter: www.missio.com
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