In kurzen Hosen, sockenfreien Sandalen und kurzärmligem Polo-Shirt empfing AfD-Spitzenpolitiker Hans-Thomas Tillschneider den Bild-Journalisten Paul Ronzheimer samt Kamerateam zum Interview in seinem Büro in Querfurt. Tillschneider, der das Wahlprogramm der AfD in Sachsen-Anhalt entscheidend mitgeprägt haben soll, hatte nicht nur sich selbst, sondern auch sein Büro nicht für den Besuch hergerichtet. So kam es, dass eine Tasse der russischen Armee offen herumstand und Ronzheimer, der für seine Sympathien mit der Ukraine bekannt ist, auch gleich ins Auge sprang.
Was sich danach abspielte, glich einem Loriot-Sketch: Tillschneider versuchte, offensichtlich peinlich berührt, der Frage nach dem Warum und Woher der Tasse auszuweichen und scheiterte dann schließlich auch noch vor laufender Kamera daran, das Corpus Delicti im abgeschlossenen Schrank verschwinden zu lassen. Den Gipfel mangelnder Souveränität erreichte Tillschneider aber im Nachhinein, als er vergeblich versuchte, die Ausstrahlung der Sendung „aufgrund des impertinenten Verhaltens des Herrn Ronzheimer und seines Teams“ per Anwalt untersagen zu lassen.
Eine Rolle für die Wahlen dürfte die Tillschneider-Tasse nicht spielen
Einen ähnlich dünnhäutigen Auftritt hatte Tillschneider wenige Tage zuvor beim Podcast von Melanie Amann hingelegt, als er nach wiederholten Nachfragen zu Aussagen seines Parteifreunds Björn Höcke das Interview abgebrochen hatte. Selbst wenn man die Russentasse für politisch belanglos hält – Tillschneiders Bewunderung für Putin ist schon länger dokumentiert – und von der Höcke-Fixierung mancher Journalisten genervt ist: In beiden Fällen war mit dem Geschehenen zu rechnen. Ein professioneller Politiker kann nicht das mediale Spiel mitspielen wollen und sich dann darüber beschweren, dass er verloren hat, beziehungsweise: Er kann schon, nur wirkt er dann eben inkompetent und überempfindlich.
Auf den Ausgang der Wahl in Sachsen-Anhalt dürfte der Skandal um die Russentasse und Tillschneiders Reaktion wohl keine Rolle spielen. Bei den AfD-Wählern überlagert der Wunsch nach einem Politikwechsel alle möglichen Bedenken gegenüber dem Personal. Die Gegner der AfD hätte indessen auch ein aufgeräumtes Büro nicht von der Partei überzeugt.
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