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Merkel: Marke oder Makel?

Die Ex-Kanzlerin will zum CDU-Parteitag kommen. Manche Christdemokraten jubeln, viele stöhnen. Das ist symptomatisch für die Stimmungslage in der Union.
Angela Merkel kommt zum CDU-Parteitag
Foto: IMAGO / Bernd Elmenthaler | Ist die Ex-Kanzlerin nun die große Staatsfrau, die Deutschland sicher durch allerlei Krisenszenarien schiffte, oder ist sie die große Verderberin, die erst das Profil der Union bis zur Unkenntlichkeit verwässert und ...

Da passt es doch, dass am Dienstagabend bei RTL eine Wiederholung eines „Miss Merkel“-Krimis lief. Die eher etwas dümmliche Reihe mit Katharina Thalbach in der Rolle der Kanzlerin im Ruhestand, die sich nun als Detektivin in der Uckermark betätigt, belegt aber doch eines: Es gibt in diesem Land offenbar eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Menschen, bei denen Angela Merkel auch heute noch über Popularität verfügt. RTL denkt schließlich an die Quote. (Beim ersten Teil im Jahr 2023 schauten um die drei Millionen zu.) Zu Bismarcks Zeiten bauten Ex-Kanzler-Fans noch Türme, heute ist es eben eine Krimiserie. Für das Adenauer-Haus in Berlin müsste vor allem eine Frage interessant sein: Wie viele Zuschauer des Films sind tatsächlich CDU-Wähler? Ob RTL hier bei der Auswertung helfen kann?

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Seit Angela Merkel angekündigt hat, dass sie beim kommenden Parteitag wieder dabei sein wird, der passend zur ersten Landtagswahl in zwei Wochen in Stuttgart stattfindet, steht die CDU wieder vor ihrem alten „Der Feind in meinem Bett“-Problem. Die Merkel-Linie markiert die Lücke, die entsteht, wenn zwei Ehepartner nach einem Streit die Betten aus Groll auseinanderschieben.

Merkel schwirrt in den Köpfen aller Funktionäre und Mitglieder herum

Ist die Ex-Kanzlerin nun die große Staatsfrau, die Deutschland sicher durch allerlei Krisenszenarien schiffte, oder ist sie die große Verderberin, die erst das Profil der Union bis zur Unkenntlichkeit verwässert und dann durch ihre Flüchtlingspolitik eine AfD in ihrer jetzigen Dimension überhaupt erst möglich gemacht hat? Die Schwierigkeit für die CDU: In der einen oder anderen Weise schwirrt diese Frage in den Köpfen aller ihrer Funktionäre und Mitglieder herum.

Die Merz-Devise war bisher: einfach nicht mehr drüber sprechen. Als Hoffnungsträger der Konservativen und Wirtschaftsliberalen zum Vorsitzenden gewählt, sah sich Friedrich Merz aber nie als Exponent eines Flügels, sondern als Versöhner. Das bedeutete aber auch: Der inhaltliche Grundkonflikt wurde nie ausgetragen. Lieber alles totschweigen. Gewiss, mit solchen Methoden haben bürgerliche Ehepaare in der Bundesrepublik bis in die 90er Jahre auch ihre Probleme kaschiert. Insofern passt diese Haltung auch ganz gut zum Habitus des durchschnittlichen Anhängers. Hauptsache, nach außen wird die Fassade gewahrt. Aber so eine Fassade ist eben brüchig, und es reicht schon eine kleine Erschütterung, um sie zum Einsturz zu bringen. Und genau so eine Erschütterung ist jetzt der Besuch der alten Kanzlerin.

Es ist gar nicht unwahrscheinlich, dass Merkel durch dieses Zeichen in dem angebrochenen Superwahljahr zeigen will, dass sie sich grundsätzlich immer noch den Christdemokraten verbunden fühlt. Und für manchen eher liberalen Bürgerlichen – im Ländle leben ja nicht nur ausgewiesene Konservative –, der mit Cem Özdemir als Ministerpräsident liebäugelt, mag das sogar Anlass sein, noch einmal in sich zu gehen. Nur die Konservativen, die sowieso schon wegen einer zu befürchtenden schwarz-grünen Koalition in Stuttgart schlaflose Nächte haben, die gibt es eben auch noch. Und eine prominent platzierte Ex-Kanzlerin macht ihre Hand am Wahlsonntag noch zittriger. Das ist eben der Merkel-Move: Was vorne aufgebaut wird, wird hinten wieder eingerissen.

Mit Friedrich Merz ist keine neue Ära in der CDU angebrochen

Wir müssen an die Kinder denken! Auch das war einst ein klassischer Satz von Ehepaaren, die sich nicht getrennt haben, obwohl ihre Partnerschaft längst zerrüttet war. Von den Kindern, also der Jungen Union, könnten in Stuttgart die entscheidenden Impulse ausgehen, die aufzeigen, wie die Union endlich diese Problemlast loswerden kann und sich der Zukunft zuwendet.

JU-Chef Johannes Winkel hat hier schon die entscheidenden Stichworte genannt: Er will, dass seine Partei gegenüber der SPD „die Samthandschuhe“ auszieht und sich endlich an eine Entrümpelung des Sozialstaates macht. Merz passt das nicht in seine Politik des Burgfriedens. Das beweist aber auch, dass mit Friedrich Merz keine neue Ära in der CDU angebrochen ist. Die wird, wenn überhaupt, dann wohl erst nach ihm kommen: Kinder an die Macht! Ob Großmutti das gut findet…?

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Sebastian Sasse CDU

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