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Make America greater – Und den Sozialismus auch

Hatte Lenin doch recht? Donald Trumps Agieren in der Grönland-Frage erinnert an Lenins Theorie vom Staatsmonopolkapitalismus.
Feuilletonredakteur Henry C. Brinker, Donald Trump
Foto: DT / IMAGO / ZUMA Press Wire | Praktiziert der amerikanische Präsident Rezepte aus der kommunistischen Theorie?

Donald Trumps vielleicht größter politischer Erfolg bis jetzt ist die Gründung der MAGA-Bewegung: Make America Great Again. Eng mit seinem Namen verknüpft, öffnet die Parole Raum für Träume von einer glorreichen Vergangenheit wie einer strahlenden Zukunft – als Mindset mit Handlungsoptionen in alle Richtungen. So absurd manches auch in der Vergangenheit klang, inzwischen scheint alles möglich. Grönland soll zum 250. Jahrestag der Gründung der Vereinigten Staaten Trumps Geburtstagsgeschenk werden, die größte Insel der Welt mit einer Schleife in Stars & Stripes.

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Doch die Ego-Fantasie eines Präsidenten, der sich und sein Amt nicht mehr in den Zusammenhängen einer internationalen Ordnung denken kann, beschwört gleichwohl alte Geister der politischen Theorie, diesmal gereift zur politischen Praxis: Staatsmonopolkapitalismus heißt das Schreckenswort, kurz Stamokap. Erleben wir gerade eine neue Wirklichkeit aus dem alten Lehrbuch des Marxismus-Leninismus, recycelt vom Müllhaufen der Geschichte? Hatte Lenin etwa doch Recht?

Das Hauptmerkmal dieses Stamokap ist nämlich laut Lenin, dass Monopole, also Großkonzerne mit ihren Oligarchen und TechBros, wie man heute sagen würde, den Staatsapparat allein für ihre Zwecke nutzen. Durch die Konvergenz der ökonomischen Macht der Konzerne mit der politischen und militärischen des Staates entwickelt sich der Imperialismus weiter und findet seine Vollendung als Stamokap, so die Theorie. So entsteht eine effiziente, politisch-ökonomische Herrschaftsstruktur.

Die gesteigerte Machtposition der Großunternehmen wird staatlich abgesichert und durch die wechselseitige Einflussnahme von Politik und Wirtschaft festgeschrieben. Die Staatsgewalt, früher rechtsstaatlich gebunden, entwickelt sich in eine verstärkt autoritäre Richtung, die mit der Militarisierung im Inneren wie nach außen verknüpft ist. Soweit Lenin, soweit Trump? Für die politischen Strömungen in unserem Land, in Europa und vielleicht sogar in der Welt könnte das ein kaum für möglich gehaltenes Erstarken kommunistischer Denk- und Erklärmodelle bedeuten, die längst als überwunden galten.

Vor einem halben Jahrhundert gab es in der alten SPD eine Strömung mit linksradikalen Juso-Ideologen wie Johanno Strasser und der „Roten Heidi“ Heidemarie Wieczorek-Zeul. Verrentete Romantiker der 68er werden sich mit stiller Wehmut erinnern.
Es könnte ausgerechnet der ausgewiesene und bekennende „Kommunistenfresser“ Donald Trump sein, der den daniederliegenden Sozialismus als politische Strömung überall wieder zum Leben erweckt. Die Linken hierzulande werden es ihm vielleicht schon im deutschen Superwahljahr 2026 danken. Make America greater again, und den Sozialismus auch.

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