Bonn

Laschet: Nähe zum Menschen wichtiger als reine Lehre

Die kirchliche Lehre basiere nicht nur auf Regeln, sondern auf Liebe und Mitgefühl, so Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet. Auch zu Suizidbeihilfe und der Bedeutung von Familie nimmt er Stellung.
Nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet
Foto: Oliver Berg (dpa-Pool) | Der rheinische Katholizismus, so der nordrhein-westfälische Ministerpräsident, habe etwas besonders Lebensnahes und passe deshalb sehr gut zum christlichen Menschenbild.

Nach Ansicht des Kanzlerkandidaten der Union, Armin Laschet, besteht die zentrale Bedeutung des Glaubens und der Kirche darin, sich den Menschen zuzuwenden. Dies sei wichtiger, als die reine Lehre hochzuhalten, erklärte Laschet im Gespräch mit der „Katholischen Nachrichten-Agentur“ (KNA). In diesem Zusammenhang nannte er auch ein Zitat von Papst Franziskus, der gesagt habe: „Die Wirklichkeit ist wichtiger als die Idee.“

Sich selbst bezeichnete Laschet zunächst als „Katholik aus dem Rheinland“. Der rheinische Katholizismus, so der nordrhein-westfälische Ministerpräsident, habe etwas besonders Lebensnahes. „Ich finde, er passt deshalb sehr gut zum christlichen Menschenbild, das sehr positiv auf den Menschen schaut, aber auch um seine Schwächen weiß.“

Laschet: Religion braucht Normen und Regeln

Jedes System, jede Gesellschaft und auch jede Religion bräuchten ganz selbstverständlich Normen und Regeln, so Laschet weiter. Diese seien jedoch kein Selbstzweck, „sondern sie dienen letztlich dem Menschen“. Gleichzeitig sei aber auch Barmherzigkeit wichtig. Deshalb basierten auch die Kirche und ihre Lehre nicht nur auf Regeln, sondern auch auf Liebe und auf Mitgefühl, so Laschet. „Das ist eine theoretische Annäherung an das, was sich durch eine große lebensnahe Erfahrung über die Jahrhunderte hinweg ganz praktisch als rheinischer Katholizismus herausgebildet hat.“ In diesem Sinne sei er gerne auch ein rheinischer Katholik.

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Zudem betonte Laschet, als guter Politiker brauche man die Leidenschaft, sich für Menschen und für die Sache einzusetzen. Leidenschaft bedeute außerdem, einen wertegebundenen inhaltlichen Antrieb zu haben. „Die Politik der CDU ist vom christlichen Menschenbild geleitet. Mit dieser Orientierung ist ein zwar hoher Anspruch verbunden, der sich aber lohnt.“

Schutz des Lebens in den Mittelpunkt stellen

Laschet ging im KNA-Interview auch auf das Thema Suizidbeihilfe ein. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Verbot der geschäftsmäßigen Suizidbeihilfe ist es notwendig geworden, eine gesetzliche Neuregelung zu erarbeiten. Auf die Frage, ob die Union verhindern könne, dass Deutschland ähnlich liberale Gesetze verabschieden werde wie etwa Belgien oder die Niederlande antwortete Laschet: „Hier ist uns wichtig, ein umfassendes Schutzkonzept zu erarbeiten, das die Würde des Menschen, seine wohlverstandene Selbstbestimmung und den Schutz des Lebens in den Mittelpunkt stellt.“ Notwendig sei ein ganzheitliches Schutzkonzept am Ende des Lebens, das neben einer weiter zu verbessernden hospizlichen und palliativen Betreuung auch mehr Suizidprävention umfasse.

Darüber hinaus ging der Unions-Kanzlerkandidat auch auf das Verständnis seiner Partei des Familienbegriffs ein. Für die Christdemokraten, so Laschet, sei Familie „überall dort, wo Menschen miteinander dauerhaft verbunden oder verwandt sind und verbindlich - auch über Generationen hinweg - Verantwortung füreinander übernehmen“. Familie sei die Basis des Zusammenhalts und der wichtigste Stabilisierungsfaktor der Gesellschaft, unabhängig vom kulturellen Hintergrund. Laschet wörtlich: „Familie ist für die Gesellschaft von unschätzbarem Wert. Familie ist die erste Schule für Gemeinschaft und Verantwortung, zugleich Heimat und Zuflucht, für viele ein Leben lang.“  DT/mlu

 

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