Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Trisomie-Screening

Kritik am nicht-invasiven Pränataltest wächst

Ein interfraktioneller Antrag im Bundestag fordert ein Monitoring des NIPT. Lebensrechtler warnen vor den gesellschaftlichen Folgen.
Stephan Pilsinger
Foto: Imago/dts Nachrichtenagentur | Stephan Pilsinger bei einer Sitzung im Bundestag. Der CSU-Abgeordnete gehört zu den Initiationren des interfraktionellen Antrags nicht-invasiven Pränataltest.

Der Bundestag berät am heutigen Freitag erneut über einen interfraktionellen Antrag zur Kassenzulassung des nicht-invasiven Pränataltests (NIPT). Parallel dazu fordert auch die „Aktion Lebensrecht für Alle“ (ALfA) anlässlich des Welt-Down-Syndrom-Tages eine Korrektur im Umgang mit dem Test.

Lesen Sie auch:

In erster Lesung wurde ein Antrag diskutiert, den 109 Abgeordnete mittragen. Er sieht ein Monitoring sowie ein Expertengremium vor. Ergebnisse zu den Auswirkungen sollen bis Mitte 2027 vorliegen. Hintergrund sind steigende Nutzungszahlen: Laut Daten der gesetzlichen Krankenkasse BARMER lassen inzwischen rund 48 Prozent der Schwangeren einen entsprechenden Test durchführen, nach 32 Prozent im Jahr 2023.

Die Initiatoren warnen vor einer Entwicklung zur Routineuntersuchung. Simone Fischer (Grüne) erklärte: „Denn wir wissen noch zu wenig darüber, wie er tatsächlich wirkt: auf Entscheidungen, auf Beratungssituationen und auf den gesellschaftlichen Umgang mit Behinderung.“ Stephan Pilsinger (CSU) betonte: „Zum einen geht es uns darum, zu verhindern, dass der NIPT zu einer Routineuntersuchung wird, nur weil er Kassenleistung geworden ist.“ Felix Döring (SPD) hob hervor: „Der Wert eines Menschen darf nicht davon abhängen, welche Eigenschaften er oder sie mitbringt.“

Kritik von Lebensrechtlern

ALfA sieht in der Entwicklung eine „schleichende Normalisierung selektiver Pränataldiagnostik“. Die Bundesvorsitzende Cornelia Kaminski erklärte in der Pressemitteilung: „Aus einer angeblichen Ausnahmeleistung ist ein faktisches Routine-Screening geworden.“

Der Test liefere lediglich Wahrscheinlichkeiten und könne zu Fehlinterpretationen führen. Zudem seien viele Schwangere unzureichend informiert. Kaminski warnte, dies könne Frauen in schwerwiegende Entscheidungssituationen bringen.

Lesen Sie auch:

ALfA sieht darüber hinaus eine gesellschaftliche Schieflage. Eine breite Anwendung sende das Signal, dass Leben mit Behinderung weniger wert sei. Während der Bundestag auf ein Monitoring setzt, fordert der Verband eine grundsätzliche Neuausrichtung hin zu mehr Unterstützung für Familien und Inklusion. DT/jna

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) e.V. CSU Deutscher Bundestag Lebensschutz SPD

Weitere Artikel

Kirche

Inmitten von Gewalt und Bedrohung setzt der Libanon ein sichtbares christliches Zeichen in der Bekaa-Ebene – als Pilgerstätte und Ort der Erneuerung.
20.03.2026, 14 Uhr
José García
Trotz allgemeinen Glaubensschwunds gibt es auch Hoffnungszeichen in der Kirche. Die Encounter-Konferenz in Wien gehört dazu.
20.03.2026, 15 Uhr
Gabriele Kuby
Leo XIV. beruft Bischöfe zum Thema Familie: Er will das Erbe von Franziskus vertiefen und das kirchliche Engagement für Ehe und Familie erneuern.
20.03.2026, 09 Uhr
Meldung