Berlin

Kommentar um "5 vor 12": Verheerendes Signal

Während die EU in ihrem aktuellen Jahresbericht über Menschenrechte und Demokratie weltweit die Religionsfreiheit zurecht als "Spitzenthema" identifiziert, streicht sie ausgerechnet jenes Amt, das mit diesem "Spitzenthema" beauftragt wäre, kritisiert Volker Kauder.
CDU-Politiker Volker Kauder
Foto: Bredehorst | Er werde alles versuchen, die Entscheidung der EU zu korrigieren, das Amt des EU-Sonderbeauftragten für Religionsfreiheit abzuschaffen, so Volker Kauder.

Unter der aktuellen EU-Kommission soll es keinen Sonderbeauftragten für Religionsfreiheit mehr geben. Dies habe, so war aus Brüssel zu hören, die zuständige Kommissarin für Internationale Partnerschaften, Jutta Urpilainen, entschieden. Das Amt wurde zuletzt von dem slowakischen Katholiken Jan Figel ausgeübt. 2018 forderten die Koalitionsfraktionen im Deutschen Bundestag die Bundesregierung dazu auf (Drucksache 19/5041), sich für eine Verstetigung des Amtes des EU-Sonderbeauftragten für Religionsfreiheit einzusetzen. Das Pew-Research Center dokumentierte in seinem letzten Bericht, dass die Religionsfreiheit weltweit verstärkt, insbesondere durch zunehmend übergriffige Regierungen, unter Druck gerate.

Verfolgung von Christen mit genozidalen Ausmaßen

Lesen Sie auch:

Ein Bericht, der im Auftrag des britischen Außenministeriums erstellt wurde, kommt zu dem Schluss, dass insbesondere die Verfolgung von Christen in manchen Regionen genozidale Ausmaße habe.

Die USA haben kürzlich eine Internationale Allianz für Religionsfreiheit initiiert, der sich auch europäische Staaten angeschlossen haben. Dass die EU-Kommission in Anbetracht dieser Entwicklungen darauf verzichtet, ihre politische Stärke zu nutzen und das Potential auszuschöpfen, Europa in diesem außen-, sicherheits- und entwicklungspolitischen Thema eine starke Stimme zu verleihen, ist ein verheerendes Signal.

Entscheidung schadet der Glaubwürdigkeit der EU

Während die EU in ihrem aktuellen Jahresbericht über Menschenrechte und Demokratie weltweit die Religionsfreiheit zurecht als „Spitzenthema“ identifiziert und sich selbst als „starke Verfechterin“ dieses Rechtes bezeichnet, streicht sie ausgerechnet jenes Amt, das mit diesem „Spitzenthema“ beauftragt wäre.
Diese Entscheidung schadet der internationalen Glaubwürdigkeit der EU und ihrem Einsatz für Menschenrechte. Ich werde alles versuchen, diese Entscheidung zu korrigieren.

Der Autor ist seit 1990 CDU-Bundestagsabgeordneter. Von 2005 bis 2018 war er Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Volker Kauder ist Protestant

Mehr über die Streichung des Amtes des Sonderbeauftragten für Religionsfreiheit erfahren Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost. Holen Sie sich das ePaper dieser Ausgabe

Weitere Artikel
Was Christen über den Koalitionsvertrag wissen müssen. Eine Themen-Analyse.
02.12.2021, 09  Uhr
Stefan Ahrens Franziska Harter Alexander Riebel Emanuela Sutter Sebastian Sasse Stefan Rehder Otmar Oehring Stephan Baier Josef Bordat
In Ländern wie Pakistan, Nepal, Sri Lanka oder Indien seien christliche und andere Minderheiten massenhafter Gewalt ausgesetzt, beklagt eine ADF-Anwältin in einer Rede vor dem Stephanuskreis ...
07.11.2019, 15  Uhr
Redaktion
Peking droht mit Gewalt - Nancy Pelosi bekräftigt die Position der Vereinigten Staaten.
03.08.2022, 11  Uhr
Michael Leh
Themen & Autoren
Volker Kauder Deutscher Bundestag Europäische Kommission Europäische Union Protestanten Regierungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland Volker Kauder

Kirche

Der Orientierungstext, der die theologischen Grundlagen behandelt, betont einseitig die Veränderlichkeit der Tradition, so der Philosoph Berthold Wald.
27.09.2022, 12 Uhr
Vorabmeldung
Frauengestalten der frühen Kirche müssen dafür herhalten, heute die Zulassung von Priesterinnen und Diakoninnen zu fordern. Textkritische Befunde geben das allerdings nicht her.
27.09.2022, 19 Uhr
Sebastian Moll
Kardinal Woelki hält an der Kölner Hochschule für Katholische Theologie fest und hofft in Sachen Konkordat auf eine baldige Einigung zwischen der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen und ...
27.09.2022, 07 Uhr
Vorabmeldung