Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Erfurt

Kommentar: Berliner Mehltau über Thüringen

Thüringen zeigt: Deutschland steckt nicht in einer Krise der Demokratie wie in Weimar. Deutschland steckt in einer Krise der politischen Repräsentation und Öffentlichkeit.
Die politische Landschaft nach der Wahl in Thüringen
Foto: Kay Nietfeld (dpa) | Erst wenn sich in den ehemaligen Volksparteien Akteure finden, die den Mehltau mutig abschütteln, wird Deutschland wieder zu politischer Stabilität und Balance finden.

Nein, Thüringens AfD-Chef Björn Höcke wird nicht Ministerpräsident. Und doch hat die AfD auch ohne Regierungsbeteiligung indirekt Richtlinienkompetenz in dem ostdeutschen Bundesland. Wie schon bei den Wahlen in Brandenburg und Sachsen wirbelt die am Sonntag zweitplatzierte Partei die überkommene parteipolitische Arithmetik und Farbenlehre wild durcheinander. Allen Ernstes wird überlegt, ob sich die CDU nicht doch mit der Linkspartei ins Regierungsbett legen sollte. Gegen die AfD kann schließlich nur unter Aufhebung aller inhaltlichen Unterschiede eine Regierungskoalition gebildet werden.

Jeder mit jedem gegen die AfD

Jeder mit jedem gegen die AfD: Exakt dieser sich darin auftuende Allparteienkonsens - haareraufend begründet mit staatspolitischem Wohl und demokratischer Anständigkeit -, belegt das Eigennarrativ der AfD, einzige Alternative zu den „Altparteien“ zu sein. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik kann zudem wegen der Ergebnisse von AfD und erstplatzierter Linkspartei aus der sogenannten Mitte heraus keine Regierung gebildet werden. Schon werden Parallelen zur Endphase der Weimarer Zeit bemüht, als linke und rechte Anti-Demokraten die parlamentarische Mehrheit hatten.

Man muss sich über die Ergebnisse der AfD nicht wundern

Lesen Sie auch:

Sich hinter – unpassenden – historischen Vergleichen zu verstecken, bringt aber nichts. Deutschland steckt nicht in einer Krise der Demokratie wie in Weimar, der Demokratie ohne Demokraten. Deutschland steckt in einer Krise der politischen Repräsentation und Öffentlichkeit. Wenn schon die Fragen weiter Teile der Bevölkerung von einem Bündnis aus Parteien, Medien, Kultur und Kirchen als unmoralisch aussortiert werden, wenn vom integrations- und migrationspolitischen Mainstream allenfalls therapeutisches, onkelhaftes Schulterklopfen für abweichende Meinungen zu erwarten ist, muss man sich über die Ergebnisse der AfD nicht wundern.

Der Mehltau der Berliner Großen Koalition unter Führung einer abgetauchten Bundeskanzlerin hat sich nun auch noch über die Wälder Thüringens gelegt. Erst wenn sich in den ehemaligen Volksparteien Akteure finden, die ihn mutig abschütteln, wird Deutschland wieder zu politischer Stabilität und Balance finden.

Themen & Autoren
Oliver Maksan Alternative für Deutschland Björn Höcke CDU Demokratie

Weitere Artikel

Die Parteien der sogenannten Mitte versagen in der Auseinandersetzung mit der AfD und der Linkspartei.
13.08.2026, 15 Uhr
Sebastian Sasse
Der Mauerbau beweist den verbrecherischen Charakter des SED-Regimes. Trotzdem gibt es bis heute nur eine unzureichende Erinnerungskultur an die Opfer.
12.08.2026, 19 Uhr
Sebastian Sasse
In der Öffentlichkeit wird die AfD regelmäßig als rechts oder rechtsextremistisch bezeichnet. Doch vieles in ihrem Programm erinnert an die sozialistische DDR.
20.07.2026, 16 Uhr
Hubertus Knabe

Kirche

Grün schlug 1992 vor, einen beschuldigten Priester im Dienst zu lassen. An den Fall erinnerte er sich am Freitag nicht, nach Angaben von Münsterschwarzach jetzt offenbar doch.
09.09.2026, 12 Uhr
Meldung
Es soll eine „Botschaft des Friedens“ werden: Papst Leos Besuch in Metz, dem „Herz Europas“, steht im Zeichen Robert Schumans. Dazu äußerte sich auch Kardinal Hollerich.
08.09.2026, 17 Uhr
Elisabeth Hüffer
Die Bauerstochter diente im Zweiten Weltkrieg als Ordensschwester kranken Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern. Ein spektakuläres Heilungswunder ermöglichte die Seligsprechung.
09.09.2026, 05 Uhr
Claudia Kock
Mariä Geburt: Die Kirche feiert den Geburtstag einer Frau, die Weltgeschichte schrieb. Doch warum wird sie als Morgenröte besungen?
08.09.2026, 14 Uhr
Dorothea Schmidt