Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um „5 vor 12“

Kolping will kein Magnet sein

Der Verband baut bewusst Distanz zu AfD-Sympathisanten in seinen Reihen auf. Statt zu integrieren, stößt er ab. Der Stabilität der Gesellschaft dient er so nicht.
Politikredakteur Sebastian Sasse, Kolpingfahne
Foto: DT / IMAGO / blickwinkel | In welchem Wind hängt die Kolpingfahne?

Gut funktionierende Verbände sind wie Magneten: Sie ziehen an, sie stoßen nicht ab. Das müsste bei seiner langen Geschichte gerade der Kolpingverband wissen. Was an dessen neuester Stellungnahme besonders verstört, das ist zweierlei: Einmal wird im Grunde Selbstverständliches verkündet, nämlich dass jemand aus dem Verband ausgeschlossen wird, wenn er den Wertevorstellungen und Grundsätzen von Kolping widerspricht. Das wird aber einseitig nur auf AfD-Mitglieder bezogen.

Lesen Sie auch:

Und damit hängt das zweite Ärgernis zusammen: Denn auf der anderen Seite gibt man sich nach links hin offen und sucht mit Personen, die die katholischen Vorstellungen zum Lebensschutz nicht teilen, mindestens den aktiven Dialog.

Die erfreuliche Feststellung des Verbandes in einer späteren Erläuterung gegenüber dieser Zeitung, man wolle nicht wie die Stasi agieren und nun Gesinnungsschnüffelei betreiben, weist eigentlich in die richtige Richtung. Sie muss nur nach links und nach rechts hin gelten. Solange auf inhaltlichem Diskursniveau miteinander gestritten wird, kann auch bei einem öffentlichen Forum eines katholischen Verbandes sowohl mit einem grünen Gegner des Paragraphen 218 wie mit einem AfD-Abgeordneten, der die traditionelle Familie verteidigt, gestritten werden.

Etwas anderes ist tatsächlich die Mitgliedschaft. Um bei dem Vergleich zu bleiben: Der AfD-Abgeordnete, der die traditionelle Familie verteidigt und sich auch sonst nicht öffentlich im Widerspruch zum Lehramt äußert, sollte bleiben können. Während der grüne Pro-Choice-Befürworter an einem entscheidenden Punkt, nämlich dem Schutz des ungeborenen Lebens, von der Lehre abweicht.

Solche Abweichungen von der Lehre, egal welcher politischer Hintergrund, können für einen katholischen Verband keine Bagatelle sein. Sonst ist er eben irgendwann nicht mehr katholisch. Aber diese Konsequenz muss dann gegenüber den Vertretern aller politischer Lager gezeigt werden.

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Sebastian Sasse Katholizismus Traditionen

Weitere Artikel

Peter Dyckhoffs Buch vom Ruhegebet ist eine zeitgerechte Schule geistlicher Freiheit und bietet Zugänge Zugang zu Kontemplation, Heilung und eucharistischer Tiefe.
01.12.2025, 09 Uhr
Stefan Meetschen
Wie geht katholischer Freihandel? Und ist Migration immer gut? Paul VI. lenkt den Blick mit der Enzyklika „Populorum progressio“ auf die ganzheitliche Entwicklung der Völker.
20.05.2026, 11 Uhr
Maximilian Welticke
Carl Grossberg gehört zu jenen Künstlern der Zwischenkriegszeit, deren Bilder man sofort wiedererkennt. Das Von der Heydt-Museum macht diesen Maler der modernen Welt neu lesbar. 
09.05.2026, 13 Uhr
Patrick Peters

Kirche

Hitler begriff ihn als persönlichen Feind: Clemens Graf von Galen. Die Predigten des Bischofs von Münster gegen die Euthanasie sind auch heute eine Richtschnur.
22.05.2026, 11 Uhr
Sebastian Sasse
1.200-Jahr-Feier des heiligen Ansgar: Deutsch-dänischer Studientag zum Apostel des Nordens.
22.05.2026, 11 Uhr
Claudia Kock
Am 10. Juni wird Papst Leo XIV. im Zuge seiner apostolischen Reise nach Spanien den zentralen Turm der Sagrada Família segnen. Erste Details zum Ablauf des Besuchs sind nun bekannt.
22.05.2026, 08 Uhr
Andreas Drouve
Wieder hat ein Abschlussbericht der Studiengruppen zum synodalen Weltprozess für Verwirrung gesorgt - diesmal ging es um praktizierte Homosexualität gläubiger Christen.
21.05.2026, 19 Uhr
Guido Horst