Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Meinungsfreiheit

Kanada: Lebenslang für "Meinungsdelikte"

Das nordamerikanische Land dreht an der Dystopieschraube: Die Regierung von Justin Trudeau will mit extremen Strafen gegen „Hassrede“ vorgehen.
Justin Trudeau, kanadischen Premierminister
Foto: IMAGO/Sean Kilpatrick (www.imago-images.de) | Wenn es nach dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau geht, soll es bald drakonische Strafen für "Hassrede" geben.

Wessen Rede als Unterstützung oder Aufruf zum Völkermord gewertet werden kann, der muss in Kanada zukünftig mit einer lebenslangen Haftstrafte rechnen. So sieht es zumindest der Gesetzentwurf vor, den die Regierung um Premierminister Justin Trudeau dem Parlament in Ottawa vorgelegt hat.

Aber nicht nur genozidale Äußerungen sollen bald härter bestraft werden. Auch sogenannte Hassrede („hate speech“) im Internet soll zukünftig mit drakonischen Strafen belegt werden können. Das Dokument versucht „Hassrede“ als „Kommunikation“ zu bestimmen, „die die Verabscheuung oder Verunglimpfung eines Individuums oder einer Gruppe von Individuen auf Basis eines verbotenen Diskriminierungsmerkmals ausdrückt.“ „Hass-Propaganda“ soll mit bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug sanktioniert werden können.

Eine abhängige Kommission soll über Hassrede im Netz wachen

Eingerichtet werden soll zudem eine „Digitale Sicherheitskommission“ („Digital Safety Commission“), der weitreichende Befugnisse zur Kontrolle der Sozialen Medien eingeräumt werden sollen. So wird im Entwurf eigens hervorgehoben, dass sich die neue Behörde „nicht an juristische oder technisch-formale Regeln der Beweisführung“ halten müsse. Die leitenden Kommissare werden zudem nicht unabhängig gewählt, sondern von Regierungsseite ernannt.

Der konservative Oppositionsführer Pierre Poilievre kritisierte „Justin Trudeaus woke-autoritäre Agenda“ und warnte vor der Zensur politisch unliebsamer Aussagen: „Was meint Justin Trudeau, wenn er von ,Hassrede‘ spricht? Er meint die Rede, die er hasst.“

Lesen Sie auch:

Zensurgesetz folgt auf Liberalisierung der Euthanasie

Kanada steht seit längerem wegen seiner gesellschaftspolitischen Maßnahmen in der Kritik. Zuletzt war es vor allem die Liberalisierung der Euthanasiegesetzgebung des Landes, die weltweit für Entsetzen sorgte. Während sich todkranke Menschen in Kanada schon länger vom Staat töten lassen können, wurde dieses Recht am 17. März 2021 auch auf Menschen ausgeweitet, die körperlich oder psychisch starken Leidensdruck empfinden, die aber nicht sterbenskrank sind. Das hat zu einer Explosion der Zahl der Euthanasiefälle geführt: 2021 ließen sich rund 10.000, 2022 sogar über 13.000 Menschen das Leben nehmen. Im Zeitraum 2016 bis 2022 hat das staatliche Euthanasieprogramm insgesamt fast 45.000 Personen den Tod gebracht.  DT/sost

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Freiheitsentziehung Justin Trudeau Meinungsfreiheit Social Media Zensur

Weitere Artikel

Der britische Premier Andy Burnham darf den König nicht bei anglikanischen Bischofsernennungen beraten. Warum? Weil er Katholik ist. Was es damit auf sich hat.
22.09.2026, 15 Uhr
Christiane Laudage
Andy Burnham, der neue britische Regierungschef, legt in Umfragen zu. Der Anti-Establishment-Schreck Nigel Farage gerät dagegen in die Defensive.
12.09.2026, 17 Uhr
Claudia Hansen
„Eddington“ wirft dystopischen Fantasien auf der Leinwand. Doch sie betreffen nicht nur fremde Galaxien: sondern die politische Gegenwart. 
21.11.2025, 17 Uhr
Norbert Fink

Kirche

Populismus schlecht, Migration gut? Auf diese Klischees will Bischof Erik Varden sich nicht einlassen. Ein Segen!
28.09.2026, 11 Uhr
Sebastian Ostritsch
Die katholischen Bischöfe treffen sich zu ihrer traditionellen Herbstversammlung. Die Gesprächsthemen reichen von AfD bis Kirchenreformen. Gewählt werden neue Kommissionsvorsitzende.
28.09.2026, 08 Uhr
Leo XIV. ruft in Lourdes eindringlich zur Umkehr auf. Und verteidigt die Stimme der Kirche im öffentlichen Diskurs des laizistischen Frankreichs.
27.09.2026, 13 Uhr
Regina Einig