Experten aus Politik, Recht, Medizin und Ethik haben auf dem internationalen Fachkongress „Kinder und Kommerz“ in Berlin die weltweite Ächtung sämtlicher Formen der Leihmutterschaft gefordert und ein konsequenteres Vorgehen deutscher Behörden gegen Bestrebungen, Leihmutterschaft zu normalisieren, angemahnt.
Die aus Brasilien live zugeschaltete UN-Sonderberichterstatterin für Gewalt gegen Frauen und Mädchen, Reem Alsalem, klassifizierte Leihmutterschaft als eine neue Form von „Sklaverei“, bei der Frauen und Kinder „entmenschlicht“ würden, und forderte einen völkerrechtlich bindenden „internationalen Aktionsplan“ gegen den globalen Kinderhandel.
Nordisches Modell als Vorbild
Gemäß dem „nordischen Modell“, mit dem skandinavische Staaten gegen Prostitution vorgingen, gelte es, politische und rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine Strafverfolgung von Käufern, Anbietern und Vermittlern ermöglichen, die Opfer entkriminalisieren und ihnen Ausstiegshilfen offerieren. Dagegen bedeute eine Normalisierung von Leihmutterschaft, die „Ausbeutung und Ausnutzung von Frauen als akzeptabel zu bezeichnen“, so die UN-Sonderberichterstatterin auf dem Kongress, der am Freitag in den Räumen der Bundespressekonferenz in Berlin stattfand und gemeinsam von der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) und dem Minimal Invasiv Centrum veranstaltet wurde.
Zuvor hatte der Bundesvorsitzende der Senioren-Union, Hubert Hüppe, Leihmutterschaft als „frauen- und menschenverachtend“ bezeichnet. In seinem Auftaktgrußwort sagte der langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete vor den 130 Teilnehmern des ausverkauften Fachkongresses: „Leihmutterschaft ist Kinderhandel und wir müssen dafür sorgen, dass sie juristisch genauso behandelt wird.“ Mit Blick auf europäische Vorbilder erklärte Hüppe, Deutschland brauche eine „Regelung ähnlich wie in Italien“, die dafür Sorge trage, „dass im Ausland organisierte Leihmutterschaften genauso bestraft werden können, wie wenn sie im Inland stattfänden.“
„Leihmutterschaft vergisst immer die Kinder“
„Leihmutterschaft vergisst immer die Kinder – ihr Wohl, ihre Beziehungen und ihre Identität. Ich bin ein solches vergessenes Kind“, erklärte die von einer Leihmutter geborene Sprecherin und Kommunikationsdirektorin der „Casablanca-Erklärung zur universellen Abschaffung der Leihmutterschaft“, Olivia Maurel. Die heute 34-jährige, verheiratete Mutter dreier Kinder hatte 2025 ihre Autobiografie in französischer Sprache veröffentlicht, die nun auch in deutscher Übersetzung mit dem Titel „Wo bist du, Mama? – Die Wahrheit über Leihmutterschaft“ erhältlich ist.
„Dass mitten in Deutschland“ trotz des Verbots von Eizellspende und Leihmutterschaft „auf Babywunschmessen Leihmutterschaftsgeschäfte angebahnt werden“, sei ein „skandalöses Unrecht“, erklärte die ALfA-Bundesvorsitzende Cornelia Kaminski. Ebenso wie der Verein „Frauenheldinnen e. V.“, der seit Oktober 2025 auch rechtlich gegen diese Messen vorgeht, hatten die Lebensrechtler bei der Berliner Polizei eine Demo vor der Kinderwunschmesse „wish for a baby“ angemeldet, die an diesem Wochenende in den Räumlichkeiten des Berliner Hotels Estrel veranstaltet wird.
In der kommenden Print-Ausgabe widmet „Die Tagespost“ dem Phänomen Leihmutterschaft ihr „Thema der Woche“ und berichtet darin ausführlich sowohl über den Kongress als auch über die Messe.










