Paris

Hamel-Prozess: Anwälte verteidigen Angeklagte kämpferisch

Die Verteidiger der Hintermänner des Anschlags auf Pater Hamel haben ihre Plädoyers gehalten und die schwierigen Lebensverhältnisse ihrer Mandanten ins Feld geführt.
Prozess gegen Hintermänner im Hamel-Mord
Foto: imago stock&people (imago stock&people) | Die Verteidiger seien sich in ihrer Feststellung einig, dass es sich bei den Angeklagten um gesellschaftlich Abgehängte handele, die auf der Suche nach Kontakten gewesen seien.

Am Dienstag haben die Verteidiger der angeklagten Hintermänner des islamistischen Attentats auf Pater Hamel in der Kirche Saint-Étienne du-Rouvray ihre Plädoyers gehalten. 

Wie die französische Tageszeitung „Le Figaro“ berichtet, habe bereits am ersten Prozesstag Mitte Februar einer der Angeklagten, Farid Khelil, sich mit den Worten verteidigt: „Man will mir eine Jacke anziehen, die mir nicht passt“. Die Anwälte der drei Männer auf der Anklagebank hätten sich mit ihren „brillanten Plädoyers mehr oder weniger dieselbe Verteidigungslinie zu eigen gemacht“, stellt der Figaro fest.

Von der Gesellschaft abgehängt

Zwischenzeitlich hatte die Staatsanwaltschaft, die die Interessen der Gesellschaft vertritt und verteidigt, am Montag ihre Anklagerede gehalten. Darin forderte sie ein Strafmaß von 14 Jahren (davon zwei Drittel Sicherheitsverwahrung) für Jean-Philippe Steven Jean-Louis, von neun Jahren (davon zwei Drittel Sicherheitsverwahrung) für Farid Khelli sowie von sieben Jahren für Yassine Sebaihia. An diesem Montag hatte Éric Morain, der Anwalt der Opfervereinigung FENVAC (Fédération nationale des victimes d’attentats et d’accidents collectifs), den berühmten Satz von Charles Péguy aus seinem Werk „Notre jeunesse“ zitiert: „Wir müssen immer sagen, was wir sehen. Vor allem – und das ist schwieriger – müssen wir immer sehen, was wir sehen.“

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Der Figaro wolle der sagen, was man sehe: „Wenn das Gericht den Anträgen der Staatsanwaltschaft folgt, oder sie abmildert, dann wird Yassine Sebaihia das Gefängnis in den kommenden Monaten verlassen und Farid Khelil kurze Zeit später, wobei jeweils etwa sechs Jahre Untersuchungshaft berücksichtigt würden.“ Jean-Philippe Steven Jean-Louis könnte seine Freiheit in fünf bis sechs Jahren wiedererlangen. Mit einer solchen „gewagten Gerichtsarithmetik“ begnügten sich die Verteidiger natürlich nicht, meint der Figaro. Sie hätten ihre drei Mandanten mit „kämpferischem Geist“ verteidigt. 

Die Verteidiger seien sich in ihrer Feststellung einig, dass es sich bei den Angeklagten um gesellschaftlich Abgehängte handele, die auf der Suche nach Kontakten gewesen seien. So habe die Anwältin von Yassine Sebaihia, Katy Mira, beteuert, ihr „naiver“ Mandant habe im Kontakt zu den Terroristen Kermiche und Petitjean „einen Ausweg aus seiner Einsamkeit“ gesehen.

Die Gesellschaft noch vor einer Ideologie gesucht

Die Verteidiger von Farid Khelil, die Anwälte Léa Dordilly und Simon Clémenceau, halten ihren Mandanten ebenfalls für einen Menschen, „für den die Gruppe im Vordergrund steht, die Gesellschaft, die er noch vor einer Ideologie sucht“. Der Verteidiger von Jean-Philippe Steven Jean-Louis schließlich, Anwalt Bérenger Tourné, habe die – laut Figaro – „wirklich zertrümmerte Kindheit“ seines Mandanten erwähnt. Nach diesem Leiden sei der Islamische Staat zu einem „Fenster“ geworden, zur Verheißung eines anderen Lebens. 

Der Figaro fasst einige Beobachtungen des Prozesstages zusammen und erklärt: „Diese gesellschaftlich Abgehängten, der klassische Humus für totalitäre Ideologien, haben sich von dschihadistischer Propaganda genährt, deren wichtiges Fundament ist, sich zwischen dem Dschihad im Ausland oder dem ‚zuhause‘ zu entscheiden“. Und dies alles mitten im Sommer 2016, der von den Gräueltaten in Magnanville und Nizza gekennzeichnet war. Die Angeklagten hätten in direktem oder virtuellem Kontakt mit den Terroristen Kermiche und Petitjean und ihrem Mentor Rachid Kassim gestanden. Wenn sie „Gesellschaft“ gesucht hätten, so der Figaro weiter, hätten sie diese zumindest „falsch ausgewählt“. Vielleicht „hätten sie ja an die Tür des Pfarrhauses von Jacques Hamel klopfen sollen, die auch am späten Abend offenblieb. Sie wären gut aufgenommen worden“.  DT/ks

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