Paris

Prozess gegen die Mörder von Jacques Hamel hat begonnen

Seit Montag haben sich die Hintermänner des Mordes an dem Priester Jacques Hamel vor einem französischen Gericht zu verantworten. Wie die französische Presse über den Prozess berichtet.
Prozession anlässlich der Wiedereröffnung der Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray
Foto: Christophe Petit Tesson (EPA) | Dominique Lebrun, Erzbischof von Rouen, im Jahr 2016 bei einer Prozession anlässlich der Wiedereröffnung der Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray, in der Pater Jacques Hamel ermordet worden war.

Fast sechs Jahre nachdem Pater Jacques Hamel während der heiligen Messe in der Pfarrkirche Saint-Étienne-du-Rouvray von Mitgliedern des islamischen Staates brutal ermordet wurde, ist der Prozess gegen die islamistischen Hintermänner der Tat eröffnet worden. Ihnen droht eine dreißigjährige Haftstrafe.
Für die französische Presse ist der Prozess ein schlagzeilenträchtiges Ereignis. Nicht nur die großen Zeitungen, wie etwa die Tageszeitung „Le Figaro“, berichten, sondern auch eine Vielzahl an Regionalblättern – von Lille bis Marseille, von Paris bis zu den Pyrenäen. Das Interesse ist groß, seitdem ein Priester der katholischen Kirche erstmals Opfer der terroristischen Akte des IS in einer Kirche in Europa wurde.

Vier mutmaßliche Mitwisser auf der Anklagebank

Das Magazin „Valeurs actuelles“ bringt das Massaker des 26. Juli 2016 mit wenigen Worten ins Gedächtnis zurück: „‘Weiche, Satan!‘ Dies sind die letzten Worte von Pater Jacques Hamel, bevor er am 26. Juli 2016 in seiner Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray (Seine-Maritime) seinen Geist aufgab. An diesem Tag schnitten zwei junge Männer, Adel Kamiche und Abdel Malik Petitjean – beide 19 Jahre alt – dem 85-jährigen Prälaten die Kehle durch und verletzten ein weiteres Gemeindemitglied. Einige Minuten später fielen sie unter den Schüssen der Such- und Eingreifbrigaden – (Spezialeinheit der französischen Polizei, Anm. d. Red.) von Rouen“.

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Seit Montag nun wird vier Angeklagten von einem besonderen Pariser Schwurgericht der Prozess gemacht. Auf der Anklagebank sitzen drei junge Männer: „Farid Khelil, 36 Jahre, Yassine Sebaihia, 27 Jahre, sowie Jean-Philippe Steven Jean-Louis, 25 Jahre, die verdächtigt werden, Kenntnis von der kriminellen Absicht der beiden Dschihadisten gehabt, ja sogar, sie ermutigt zu haben“, so Valeurs actuelles weiter. Der eigentliche „Anstifter“ zu dem Mord soll Rachid Kassim gewesen sein, der vermutlich bei einem Bombenangriff im Irak im Februar 2017 ums Leben gekommen sei, wie der Figaro berichtet. Kassim habe über den verschlüsselten Nachrichtendienst Telegram regelmäßig in Kontakt mit den beiden Attentätern gestanden. Er habe ihnen vor allem Ratschläge und Anweisungen gegeben, „um eine Gewalttat auf französischem Boden zu begehen und ihr Video zu drehen, das ihre Ergebenheit gegenüber dem IS zum Ausdruck bringt“.

Erzbischof von Rouen einer der Zivilkläger

Einer der anwesenden Zivilkläger des Prozesses ist der Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun, dem es laut der französischen Nachrichtenagentur AFP (Agence France-Presse) darum gehe, dass den Opfern „Gerechtigkeit widerfahre“, aber auch den drei präsenten Angeklagten, die seit fünf Jahren inhaftiert sind. Darüber hinaus anwesend ist die Familie von Pater Hamel, sowie Guy Coponet, der bei dem Attentat schwer verletzt wurde, und seine Kinder.

Coponet will durch den Prozess dem Figaro zufolge verstehen, „wie junge Menschen, die gerade erst ihr Jugendalter abgeschlossen haben, so weit gekommen sind, dass sie derartige Entsetzlichkeiten begehen“. Der 92-Jährige will begreifen, „wer die Täter dieser Tat waren, und die Motivationen dafür, warum sie zur Tat übergegangen sind“. Die beiden Schwestern von Pater Hamel wollen nach Aussage ihres Anwalts erfahren, warum ihr Bruder, „ein Mann des Friedens“, zur „Zielscheibe ausgewählt wurde“, und ob es „Unzulänglichkeiten bei der Prävention“ gegeben habe, da ja einer der Mörder im Augenblick des Attentats eine elektronische Fußfessel trug.

Nicht nur eine Angelegenheit von Christen

Warum der Mord an Pater Hamel über die Grenzen Frankreichs hinaus Aufsehen erregte und warum er nicht nur eine „Angelegenheit von Christen ist, sondern von allen“, erklärt Anwalt Éric Morain von der FENVAC (Fédération nationale des victimes d’attentats et d’accidents collectifs) im Figaro. Die Tat an Pater Hamel, „dem am Fuße seines Altars mit 85 Jahren die Kehle durchgeschnitten und der mit 18 Messerstichen getötet wurde“, sei voller Symbole. Die Mörder von Pater Hamel hätten es dabei auf „ein lebendes Symbol ihres Kampfes gegen die die vermutete Häresie abgesehen: ein römisch-katholischer Priester auf diesem normannischen Boden, der von Kirchtürmen übersät ist, nur wenige Steinwürfe entfernt von Rouen und ihrer Kathedrale“.  DT/ks

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