Karl von Habsburg zählt nicht erst seit Putins Überfall auf die Ukraine zu den schärfsten Kritikern des russischen Präsidenten und zu den leidenschaftlichsten Unterstützern der Ukraine. Der Enkel des seligen Kaisers Karl und Chef des Hauses Habsburg-Lothringen steht auch diesbezüglich ganz in der Tradition seines Vaters Otto von Habsburg, der stets vor Wladimir Putin und dessen imperialistischen Gelüsten warnte.
In seiner „Rede zur Zukunft Europas“, die am Sonntag, seinem 65. Geburtstag, gesendet wurde, zog Karl von Habsburg aber insbesondere gegen die Putin-Fans und Putin-Verharmloser in Europa zu Felde. Die von der tschechischen ANO, der österreichischen FPÖ und der ungarischen FIDESZ gegründete Fraktion „Patrioten für Europa“ im Europäischen Parlament beschuldigte der Kaiserenkel, der in den 1990er Jahren selbst dem Europaparlament angehörte, „teils brutale Nationalisten“ zu sein, und „schon gar nicht für Europa“.
Und dann folgte das Wort, das in Österreich die Wogen hochgehen ließ: Die „meisten der in dieser Fraktion vereinten Parteien“ seien „in irgendeiner Form mit Putin verbunden, der ganz klar auf eine Beherrschung Europas abzielt“. Karl von Habsburg weiter: „Sie sind die neue fünfte Kolonne Moskaus – die alte aus der kommunistischen Zeit existiert auch noch – und begehen damit doppelten Hochverrat: am eigenen Land und an Europa.“ Wenn der Chef der bedeutendsten Herrscherdynastie Europas von „Hochverrat“ spricht, dann weiß er, wovon er spricht. So etwas rutscht einem Habsburger nicht einfach raus.
FPÖ wettert gegen Habsburg
Das dachten sich wohl auch Norbert Hofer, einst FPÖ-Bundesparteichef, Verkehrsminister der ÖVP/FPÖ-Regierung, österreichischer Parlamentspräsident und fast erfolgreicher FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidat, sowie Ursula Stenzel, die einst Karl von Habsburgs Kollegin in der ÖVP-Gruppe des Europäischen Parlaments war, später aber zur FPÖ konvertierte. Beide erklärten öffentlich, dem St. Georgs-Orden, dessen Großmeister Karl von Habsburg ist, den Rücken kehren zu wollen. Aber auch FPÖ-Parlamentspräsident Walter Rosenkranz, der selbst weder dem habsburgischen Hausorden noch der Paneuropa-Bewegung (also den beiden Veranstaltern) angehört, äußerte sich mit Kritik am „Privatmann“ Habsburg. Und der betont russlandfreundliche FPÖ-Delegationsleiter im Europäischen Parlament, Harald Vilimsky, kritisierte Habsburgs „ideologisch verblendete Brandrede“.
Informierter gab sich der frühere FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der einst Vizekanzler unter Sebastian Kurz war, bis er über die peinliche Ibiza-Affäre stolperte. Er informierte seine früheren Parteifreunde, warum die FPÖ immer schon mit dem Haus Habsburg spinnefeind war: Das sei keine persönliche, sondern eine weltanschauliche Frage, meinte Strache auf „X“: „Der St. Georgs-Orden steht in direkter Tradition des Hauses Habsburg-Lothringen und versteht sich als Träger der Paneuropa-Idee Richard Coudenhove-Kalergis. Genau hier liegt der fundamentale Widerspruch.“ Denn die FPÖ wurzle „in den Freiheits- und Nationalbewegungen des 19. Jahrhunderts“, im „Aufstand der Völker gegen dynastische Fremdherrschaft, gegen absolutistische Systeme, gegen imperiale Vielvölkerkonstruktionen“. Und weiter: „Habsburg war nicht Opfer dieser Bewegung, sondern ihr zentraler Gegenpol.“
Die anti-habsburgischen und anti-römischen Wurzeln der FPÖ
Aus seiner Sicht referiert Strache damit die anti-habsburgischen und anti-römischen Wurzeln der FPÖ. Und tatsächlich war die Deutschtümelei im 19. Jahrhundert gegen die Donaumonarchie und ihr katholisches Kaiserhaus gerichtet. Otto von Habsburg, der Sohn des letzten regierenden Kaisers von Österreich und Königs von Ungarn, übersetzte die Tradition seiner Familie in ein Engagement für ein freies, christliches und vereintes Europa.
Diesem Ziel hat sich unter der Leitung von Karl von Habsburg auch der St. Georgs-Orden verschrieben, der als europäischer Orden des Hauses Habsburg-Lothringen überparteilich und überkonfessionell ist, aber sehr bewusst auf dem christlich-europäischen Wertefundament steht und Komtureien von England bis Serbien hat. Zu seinem Selbstverständnis gehört das Bekenntnis zum „multinationalen altösterreichischen Staatsgedanken“ und „zu einem geeinten, selbstbewussten Europa“. Beides dürfte Nationalisten und Putin-Freunden schwerfallen.
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