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Siedlergewalt trifft Christen wie Muslime

2025 kam es zu einem signifikanten Anstieg der Angriffe radikaler israelischer Siedler im Westjordanland.
Jüdische Siedlung Homesh im nördlichen Westjordanland
Foto: IMAGO/Nasser Ishtayeh (www.imago-images.de) | Jüdische Siedlung Homesh im nördlichen Westjordanland: Nach Angaben der israelischen Armee hat „sowohl der Umfang als auch die Schwere der Gewalt durch Siedler zugenommen“.

Um 25 Prozent sind die Angriffe radikaler israelischer Siedler auf Palästinenser im Westjordanland im Vorjahr gestiegen. Das berichtet die israelische Zeitung „Haaretz“ unter Berufung auf Zahlen des israelischen Verteidigungsapparates. Nach Armeeangaben hat „sowohl der Umfang als auch die Schwere der Gewalt durch Siedler zugenommen“.

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Nach Angaben von „Haaretz“ kam es seit dem Terrorüberfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 zu mehr als 1.700 Attacken von Siedlern. Allein im Jahr 2025 waren es 845 Zwischenfälle, bei denen vier Personen getötet und mehr als 200 verletzt wurden. Dabei soll es sich weniger um Taten Einzelner gehandelt haben, sondern um organisierte Gruppen. Gleichzeitig wachse die Zahl von israelischen Farmen im Westjordanland rasch an, heißt es in dem Bericht.

Problem liegt im Landverständnis der Siedler

Der 7. Oktober 2023 sei „nicht die Antwort für die bislang 1.700 registrierten Siedlerattacken gegen die palästinensischen Bewohner im Westjordanland“, meint Reinhold Then, der Vorsitzende des Vereins „Christen helfen Christen im Heiligen Land“, gegenüber der „Tagespost“. Die Antwort sei das Landverständnis der Siedler, die im Westjordanland das biblische Judäa und Samaria sehen. „Die Siedlerbewegung ist der verlängerte Arm der bislang missglückten oder verhinderten Landnahme-Politik des Staates Israel“, so Then.

„Was 1948/49 nicht als Staatsgebiet gewonnen werden konnte, wird seit dem Sechstagekrieg 1967 mit Siedlungspolitik in einem ausgeklügelten System an Repressalien rejudaisiert.“ Das aber richte sich gegen alle Palästinenser, unabhängig von der Religionszugehörigkeit, sagt Then: „Die Bewohner, ob Muslime oder Christen, werden von ihrem Grund und Boden ausgesperrt, gemobbt, verdrängt, vertrieben. Das Land wird, solange es als palästinensisch gilt, geschändet. Dabei gäbe es seit biblischer Zeit Modelle des friedlichen Nebeneinanders.“

Expansion, Landraub und immer neue Siedlungen

Ähnlich sieht das Stefan Maier, der Projektkoordinator der „Initiative Christlicher Orient“ (ICO): „Die Siedler machen keinen Unterschied zwischen Christen und Muslimen. Ihr einziges Ziel ist Expansion, Landraub und der Bau immer neuer Siedlungen.“ Siedler seien etwa in Taybeh eingefallen, etwa zehn Kilometer östlich von Ramallah, wo viele christliche Ländereien liegen.

Landraub gab es nach ICO-Informationen auch in Aboud, einem palästinensischen Dorf im zentralen Westjordanland, nordwestlich von Ramallah und 30 Kilometer nördlich von Jerusalem, wo mehr als die Hälfte des Landes christlichen Familien gehört. „Was also die Muslime betrifft, betrifft auch die Christen“, so Stefan Maier.  DT/sba

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