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Gastkommentar: Der EU droht ein Zusammenprall

Das Gelingen der EU ist im 21. Jahrhundert für Christen wie für Nichtchristen eine Existenzfrage, denn zersplittert sind wir Europäer zum Untergang verurteilt.
Streit zwischen EU und Polen
Foto: Imago Images | Besser wäre es, die christlichen Kräfte grenzüberschreitend in das Ringen um die Seele Europas einzubringen, meint Bernd Posselt.

In der Europäischen Union rasen zwei Züge aufeinander zu, die beide in die falsche Richtung fahren. Ihr Zusammenprall droht allen Beteiligten und der europäischen Integration insgesamt schweren Schaden zuzufügen. In der einen Lokomotive dominieren jene, die die europäische Idee und nur nebulös definierte „europäische Werte“ für ihre linksliberale und radikal-laizistische Ideologie monopolisieren wollen. Im Führerhaus der anderen haben sich jene verschanzt, die als Verfechter des christlichen Menschenbildes auftreten, dieses aber in den engen Rahmen eines nationalistischen Souveränismus zu pressen trachten.

Geistig-kulturelle Grundlagen nicht zerstören

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Erstere wollen das größte Finanzpaket der EU-Geschichte mit ihrer Definition von Rechtstaatlichkeit verknüpfen, letztere, vor allem in Polen und Ungarn, haben mit einer Blockadepolitik begonnen, die ungeachtet ihres Ausganges Langzeitschäden hinterlassen dürfte.

Das Gelingen der EU ist im 21. Jahrhundert für Christen wie für Nichtchristen eine Existenzfrage, denn zersplittert sind wir Europäer zum Untergang verurteilt. Allerdings hat es auch keinen Sinn, wenn sich Europa zwar einigt, dabei aber seine geistig-kulturellen Grundlagen zerstört. Deshalb wäre es verhängnisvoll für die Gemeinschaft der Europäer, den Weg des alten Königreiches Polen zu gehen, das sich zu Beginn der Neuzeit durch die Veto-Politik der sich gegenseitig blockierenden Reichstagsmitglieder so lange selbst schwächte, bis es für 150 Jahre unter seinen Nachbarn aufgeteilt wurde.

Besser wäre es, die christlichen Kräfte grenzüberschreitend in das Ringen um die Seele Europas einzubringen – nicht im Sinne eines Monopols, aber eines Beitrages für eine menschenwürdige Rechts- und Gesellschaftsordnung, die auch jenen zum Vorteil gereicht, die nicht – oder noch nicht – glauben. Zum Sauerteig sind wir Christen berufen und nicht zum Rückzug ins nationale Schneckenhaus.

Der Autor war von 1994 bis 2014 CSU-Europaabgeordneter und ist seit 1998 Präsident der Paneuropa-Union Deutschland.

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Bernd Posselt Christen Europäische Union Menschenwürde Nationalismus

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