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Europa als Kontinent der Freiheit 

Verdienstmedaille für Joachim Gauck und massive Kritik an Putins Expansionsbestrebungen. Europäischer Festakt auf Schloss Zeil. 
Joachim Gauck, ehemaliger Bundespräsident
Foto: IMAGO/Steffen Proessdorf (www.imago-images.de) | Joachim Gauck dankte den Europa-Pionieren in der Paneuropa-Bewegung, die für die Einigung des Kontinents gearbeitet hätten, "als es noch ein ferner Traum war".

Die Sonderstufe der Paneuropa-Verdienstmedaille hat Bundespräsident a.D. Joachim Gauck im Rahmen der 50. Paneuropa-Tage. In seiner Festansprache schilderte der früheren Bundespräsident, wie er unter dem Unrechtsregime hinter dem Eisernen Vorhang das Wachsen der europäischen Einigung sehnsüchtig verfolgt habe. Er dankte den Europa-Pionieren in der Paneuropa-Bewegung, die für die Einigung des Kontinents gearbeitet hätten, "als es noch ein ferner Traum war." Auch heute sei dieser Einsatz unverzichtbar, "denn Europa darf kein Elitenprojekt sein, sondern braucht die Verankerung in der Zivilgesellschaft, für die Sie kämpfen." Für die Menschen im ehemaligen Ostblock, die jetzt daran mitwirken könnten, sei dies eine "nachträgliche Beheimatung".

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Der Präsident der Paneuropa-Union Deutschland, Bernd Posselt, skizzierte den Aufstieg Putins zu einem militärisch aggressiven Diktator seit Ende des 20. Jahrhunderts und bezeichnete Russland als eine Gefahr, "mit der wir uns noch lange, womöglich generationenlang, auseinandersetzen müssen".

Kampf für Europa

Die Ukrainer kämpften nicht nur für sich, sondern für ganz Europa. Das Ziel der Moskauer Führung sei erklärtermaßen ein Eurasien von Wladiwostok bis Lissabon: "Das werden sie nicht erreichen, wenn Europa fest zusammenhält, aber dass sie so denken, beweist, dass sich Putin bei territorialen Zugeständnissen an ihn in der Ukraine nur ermutigt fühlen und weitermarschieren würde." Der Europaabgeordnete rief dazu auf, das Einstimmigkeitsprinzip im Europäischen Rat und im Außenministerrat zu beseitigen, eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft mit Europäischer Armee zu gründen sowie Europa durch eine Energie- und eine Ernährungs-Union von Importen aus anderen Kontinenten unabhängig zu machen.

Bischof Bertram Meier rief beim Gottesdienst in der Basilika St. Laurentius dazu auf, bei der bevorstehenden Europawahl nicht in Enge und Kleinstaaterei zu verharren, sondern auf den großen Horizont zu schauen. Es gehe nicht nur um ökonomisch-finanzielle Fragen, sondern es gelte auch ein geistig-kulturelles Erbe zu bewahren, das auf jüdisch-christliche Wurzeln beruhe. In seiner Predigt erinnerte der Schirmherr des Kongresses an den "ewigen Sonntag im Gemüte" des "Taugenichts" von Eichendorff. Der Sonntag als Ruhetag diene dem Innehalten und der Standortbestimmung, er könne Freiraum schaffen für die Pflege von Beziehungen, die respektvolle Auseinandersetzung mit den Mitmenschen und den langem Atem, der für einen sinnvollen Kompromiss nötig sei.

Gefahr durch Russland

Auch der internationale Paneuropa-Präsident Alain Terrenoire aus Frankreich kritisierte die Rekolonisierungsversuche Russlands. Er verwies dazu auf Transnistrien und auf Tschetschenien, wo Putin die blutigen Methoden anwende, die er beim sowjetischen Geheimdienst KGB gelernt habe. Grußworte hielten ferner der schwäbische Europaabgeordnete Markus Ferber und der Landesvorsitzende der Paneuropa-Union Bayern, Dr. Dirk H. Voß.

Einen besonderen Höhepunkt der Veranstaltung war der Europäische Festakt, zu dem Fürst Erich von Waldburg-Zeil in das Renaissanceschloss Zeil bei Leutkirch eingeladen hatte. Der Fürst bekannte sich in seiner Ansprache im Rittersaal zum "Traum von einem vereinten, solidarischen und mutigen Europa, das bereit ist, sich zu verteidigen". Dieses müsse aber auch "individuell sein und von der Vielfalt von Ländern und von den Eigenheiten innerhalb dieser Länder leben." DT/pwi/Pressemeldung

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