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EU-Bischöfe kritisieren Erdoğan

Mit der Umwandlung der Istanbuler Chora-Kirche zur Moschee verliere die Türkei an Glaubwürdigkeit, meint die COMECE.
Chora-Kirche in Istanbul
Foto: Gemeinfrei | Die historische Chora-Kirche in Istanbul wurde in eine Moschee umgewandelt. Das stößt auf internationale Kritik.

Deutliche Kritik an der Türkei kommt von den Bischöfen in der EU. Die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union (COMECE) verurteilt die Entscheidung der türkischen Behörden, die historische Chora-Kirche in Istanbul in eine Moschee umzuwandeln. „Dieser Schritt verwässert die historischen Wurzeln der christlichen Präsenz im Land weiter. Jede von den türkischen Behörden geförderte Initiative für den interreligiösen Dialog verliert an Glaubwürdigkeit“, heißt es in einer COMECE-Stellungnahme von Donnerstag.

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Vier Jahre nach der Umwandlung der Hagia Sophia, der einstmals bedeutendsten Kirche der östlichen Christenheit, in eine Moschee folgt nun auch die symbolträchtige Chora-Erlöserkirche in Istanbul, die für ihre Fresken und Mosaike weltberühmt ist, dem gleichen Weg. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan öffnete die byzantinische „Kirche des heiligen Erlösers in Chora“, die seit Jahrzehnten den Status eines Museums hatte, Anfang Mai 2024 offiziell für den islamischen Gottesdienst.

Istanbuls Geschichte 

Das werde das Zusammenleben der Religionen noch schwieriger machen, heißt es nun seitens der COMECE. „Mit dieser Maßnahme wird jede Initiative der Behörden des Landes zum interreligiösen Dialog unweigerlich an Glaubwürdigkeit verlieren“, so Pater Manuel Barrios Prieto, der Generalsekretär der COMECE. Zuvor hatte der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis die Umwidmung kritisiert: „Diese Handlung beleidigt Istanbuls reiche Geschichte als Wegkreuzung verschiedener Zivilisationen.“ Die Archonten des Ökumenischen Patriarchats sprachen von einem „respektlosen Akt gegen die Religionsfreiheit“. Die orthodoxe Kirche Griechenlands sieht in der staatlichen Umwidmung der Hagia Sophia wie der Chora-Kirche „Symbole der Machtausübung“.

Orthodoxes Symbol

Die Erlöserkirche aus dem 4. Jahrhundert ist ein Symbol des orthodoxen Christentums und Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Ähnlich wie bei der Hagia Sophia begründeten die türkischen Behörden die Umwidmung der Chora-Kirche zur Moschee damit, dass sie einstmals auch als Moschee genutzt wurde. Während die vormalige Reichs- und Patriarchalbasilika Hagia Sophia bereits unmittelbar nach der osmanischen Eroberung von Konstantinopel im Jahr 1453 zur Moschee erklärt worden war, wurde die Chora-Kirche erst ab 1511 als Moschee genutzt. Ab 1945 hatte sie den Status eines Museums. DT/sba

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