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Türkei: Chora-Kirche soll zur Moschee werden

Spätestens im Mai soll die byzantinische Kirche in Istanbul für das muslimische Gebet offenstehen.
Kuppel der Chora-Kirche in Istanbul
Foto: IMAGO/xEvrenKalinbacakx (www.imago-images.de) | Seit 79 Jahren ist die byzantinische Kirche beim Chora-Kloster offiziell ein Museum, wenngleich sie – nach umfassenden Renovierungen – nur 66 als Museum genutzt wurde.

Nach der Hagia Sophia soll bald auch die Istanbuler Chora-Kirche zur Moschee umgewandelt werden. Türkische Medien wie die Tageszeitung „Yeni Safak“ schrieben, die für ihre Fresken und Mosaike weltberühmte, auf das 6. Jahrhundert zurückgehende Kirche „St. Salvator in Chora“ solle bereits am 23. Februar für das muslimische Freitagsgebet geöffnet werden. Griechisch-orthodoxe Medien behaupten dagegen unter Berufung auf amtliche Quellen in der Türkei, die byzantinische Kirche des Chora-Klosters werde ab Mai als Moschee genutzt werden.

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Auch die türkische Nachrichtenagentur „Anadolu“ schrieb, dass die Restaurierungsarbeiten am Chora-Kloster bald abgeschlossen seien und mit der Öffnung des Klosters für den Gottesdienst im Mai begonnen werde. Der genaue Termin werde nach Abschluss der Arbeiten bekannt gegeben. Seit 79 Jahren ist die byzantinische Kirche beim Chora-Kloster offiziell ein Museum, wenngleich sie – nach umfassenden Renovierungen – nur 66 als Museum genutzt wurde.

Parallele zur Hagia Sophia

Istanbul, Kirche St. Salvatore in Chora
Foto: via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Die für ihre Fresken und Mosaike weltberühmte, auf das 6. Jahrhundert zurückgehende Kirche „St. Salvator in Chora“.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hatte nach einem Urteil des türkischen Staatsrates (Daniştay) von 2019 bereits im August 2020 den aus dem Jahr 1958 stammenden Vertrag über die Nutzung der Chora-Kirche als Museum für ungültig erklärt und eine künftige Nutzung als Moschee angekündigt. Ähnlich wie bei der Hagia Sophia wird diese Umwidmung zur Moschee damit argumentiert, dass die Chora-Kirche einmal als Moschee genutzt wurde.

Während die vormalige Reichs- und Patriarchalbasilika Hagia Sophia bereits unmittelbar nach der Eroberung von Konstantinopel im Jahr 1453 zur Moschee erklärt worden war, wurde die Chora-Kirche erst ab 1511 (faktisch bis 1945) als Moschee genutzt. Wie in der Hagia Sophia sollen auch hier die Fresken nicht übermalt, sondern mit Teppichen oder Tüchern bedeckt werden.  DT/sba

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