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„Erleuchtete Gruppen“

In Rom und in Deutschland sind „pressure groups“ am Werk, die der Kirche eine radikale Kehrtwende verordnen wollen.
Amazonas Synode und Synodaler Weg: wie die Kirche reformiert werden soll
Foto: Arne Dedert (dpa) | Glaubenstreue Katholiken fühlen sich derzeit in eine Art Zangengriff genommen.

In seinem Brief an die Katholiken in Deutschland hat Papst Franziskus seine große Sorge darüber formuliert, dass der von den Bischöfen gewollte „Synodale Weg“ aus der Einheit mit der Weltkirche herausführen könnte. Eine Teilkirche, die sich von der Weltkirche trenne, so Franziskus, würde „sich schwächen, verderben und sterben“. Mehrfach mahnt er den „sensus ecclesiae“ und die Evangelisierung an und warnt gleichzeitig vor dem Gnostizismus, das heißt der Arroganz einer Elite, die sich als „erleuchtete Gruppe“ sieht, den Glauben der einfachen Leute missachtet und vermeintliche „Reformen“ durchsetzen will, die den Leib der Weltkirche zerstückeln würden.

Neugeburt aus dem Geist Amazoniens

Aber genau solche eine „erleuchtete Gruppe“ will auf der kommenden Amazonas-Synode der ganzen Kirche eine Kehrtwende verordnen, nach der dann nichts mehr so sein wird wie vorher (Adveniat-Bischof Overbeck). In seiner vernichtenden Kritik des Arbeitspapiers der Bischofsversammlung, des „Instrumentum laboris“, hat Kardinal Gerhard Müller diese „erleuchtete Gruppe“ auch beim Namen genannt. Es ist das 2014 gegründete „Rete Ecclesiale Panamazzonica“ (REPAM), in dem sich Anhänger der bisher unbekannten „Theologia india“ zusammengeschlossen haben, um unter Leitung von Leuten wie dem 85 Jahre alten Kardinal Cláudio Hummes oder dem 80 Jahre alten Amazonas-Bischof Erwin Kräutler die Neugeburt der Kirche aus dem Geiste Amazoniens vorzubereiten.

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Müller schreibt: „Es ist eine geschlossene Gesellschaft von absolut Gleichgesinnten, wie sich auch leicht aus den Namenslisten der Vorbereitungstreffen in Washington und Rom erkennen lässt und die überproportional viele meist deutschsprachige Europäer aufweist.“

Eine Art von Zangengriff

Glaubenstreue Katholiken fühlen sich derzeit in eine Art Zangengriff genommen: Auf der einen Seite wollen Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der Laien die Ortskirche dieses Landes auf einen synodalen Weg schicken, auf dem es um die Lockerung des Zölibats, die Öffnung des Weiheamts für Frauen, gegen „klerikale Macht“ und um die Anpassung der Sexualmoral an Genderideologie und homosexuelle Praxis geht. Es soll nicht mehr nur in Stuhlkreisen diskutiert, sondern mit „verbindlichen Ergebnissen“ dieses synodalen Prozesses „vorangeschritten“ werden. Und in Rom will eine „pressure group“ auf einer Regional-Synode die ganze Kirche aus dem Geist der „Theologia india“ neu erfinden. Auch das Weiheamt, die Stellung der Frau und die Lockerung des Zölibats stehen dabei – wie beim „Synodalen Weg“ in Deutschland – auf der Agenda der „Reformer“.

DT/gho

Einen ausführlichen Beitrag dazu und im vollen Umfang die vernichtende Kritik von Kardinal Gerhard Müller an dem „Instrumentum laboris“ der Amazonas-Synode lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“.

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