Vatikanstadt

Operation Zangengriff

Vorsicht: In Rom und in Deutschland sind "erleuchtete Gruppen" am Werk, die der Kirche eine radikale Kehrtwende verordnen wollen.
Kritik an Amazonas-Synode
Foto: Friso Gentsch (dpa) | Angesichts der "Reformdebatte" heißt es, Evangelium und Katechismus fest in die Hand zu nehmen und sich warm anzuziehen.

Glaubenstreue Katholiken fühlen sich derzeit in eine Art Zangengriff genommen: Auf der einen Seite wollen Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der Laien die Ortskirche dieses Landes auf einen synodalen Weg schicken, auf dem es um die Lockerung des Zölibats, die Öffnung des Weihemats für Frauen, gegen „klerikale Macht“ und um die Anpassung der Sexualmoral an Genderideologie und homosexuelle Praxis geht. Es soll nicht mehr nur in Stuhlkreisen diskutiert, sondern mit „verbindlichen Ergebnissen“ dieses synodalen Prozesses „vorangeschritten“ werden.

Es muss geklärt werden, was ein "synodaler Weg" überhaupt ist

Aus Rom kam deshalb ein Brief an das „pilgernde Volk Gottes in Deutschland“, in dem Papst Franziskus keine „Ermutigung“ aussprach, wie der Konferenzvorsitzende Kardinal Reinhard Marx meinte, sondern warnte: Die Themen, um die es auf dem synodalen Weg gehen soll, werden an keiner Stelle des Schreibens erwähnt. Stattdessen heißt es, dass noch geklärt werden müsse, was ein „synodaler Weg“ überhaupt sei. Wenn schon ein Weg, dann könne er nur „gemeinsam mit der ganzen Kirche beschritten“ werden.

Eine Teilkirche, die sich von der Weltkirche trenne, so der Papst, würde „sich schwächen, verderben und sterben“. Mehrfach mahnt Franziskus den „sensus ecclesiae“ und die Evangelisierung an und warnt gleichzeitig vor dem Gnostizismus, das heißt der Arroganz einer Elite, die sich als „erleuchtete Gruppe“ sieht, den Glauben der einfachen Leute missachtet und vermeintliche „Reformen“ durchsetzen will, die den Leib der Weltkirche zerstückeln würden.

"Es ist eine geschlossene Gesellschaft
von absolut Gleichgesinnten, wie sich auch
leicht aus den Namenslisten der Vorbereitungstreffen
in Washington und Rom erkennen lässt"
Kurienkardinal Gerhard Müller

Merkwürdigerweise ist es derselbe Papst, der nun die ganze Kirche auf einen synodalen Weg schicken will, bei dem eine „erleuchtete Gruppe“ der ganzen Kirche eine radikale Kehrtwende verordnen soll, nach der nichts mehr so sein wird wie vorher (Bischof Overbeck). Es geht um die Sonder-Synode im Oktober, die unter dem Titel „Amazonien: neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie“ steht. In seiner vernichtenden Kritik des Arbeitspapiers der Bischofsversammlung, des „Instrumentum laboris“, hat Kardinal Gerhard Müller diese „erleuchtete Gruppe“ auch beim Namen genannt.  Es ist das 2014 gegründete „Rete Ecclesiale Panamazzonica“ (REPAM), in dem sich Anhänger der bisher unbekannten „Theologia india“ zusammengeschlossen haben, um unter Leitung von Leuten wie dem 85 Jahre alten Kardinal Cláudio Hummes oder dem 80 Jahre alten Amazonas-Bischof Erwin Kräutler die Neugeburt der Kirche aus dem Geiste Amazoniens vorzubereiten. 

Müller schreibt: „Es ist eine geschlossene Gesellschaft von absolut Gleichgesinnten, wie sich auch leicht aus den Namenslisten der Vorbereitungstreffen in Washington und Rom erkennen lässt und die überproportional viele meist deutschsprachige Europäer aufweist.“ Diese Gruppe von Gnostikern, die für sich zu wissen meinen, wohin der Geist die Kirche führen will, ist dialogresistent, wie der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation beklagt: „Gegen ernsthafte Einwände ist man immun, weil sie“ – laut „Instrumentum laboris“ – „nur auf monolithischem Doktrinalismus und Dogmatismus oder Ritualismus, dialogunfähigem Klerikalismus, auf dem rigiden Denken der Pharisäer und Vernunftstolz der Schriftgelehrten beruhen kann, mit denen sich auseinanderzusetzen nur verlorene Zeit und vergebliche Liebesmühe wäre.“

Schifflein Kirche schwimmt in medial aufgeheizte Reformdebatte

Was nun? Kirchentreue Katholiken konnten früher auf Rom schauen und hatten die Gewissheit, dass der Stuhl Petri wie ein Fels in den diversen innerkirchlichen Brandungen steht. Jetzt schwimmt in der eigenen Heimat das Schifflein Kirche in eine medial aufgeheizte „Reformdebatte“ und in Rom will eine „erleuchtete Gruppe“ mit dem Segen des Papstes der Kirche ein neues grünes, aus dem „locus theologicus“ Amzoniens gewebtes Kleid verpassen. Da heißt es, das Evangelium und den Katechismus fest in die Hand zu nehmen und sich warm anzuziehen.

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