Kiew/Moskau

Drohende Eskalation: Kirchenvertreter mahnen zu Frieden in der Ukraine

Eine Frage von „Leben und Tod“ sehen die ukrainischen katholischen US-Bischöfe und warnen vor einer militärischen Eskalation. Der Nuntius in Kiew drängt, den Dialog nicht abreißen zu lassen.
Ukraine-Konflikt - Russische Militärübung
Foto: Uncredited (Russian Defense Ministry Press Service/AP) | Auf diesem Videostandbild des Pressedienstes des russischen Verteidigungsministeriums gestikuliert ein Soldat während russische gepanzerte Fahrzeuge nach dem Ende von Militärübungen zurück zu ihren ständigen ...

Angesichts der anhaltend angespannten Situation im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine haben mehrere Kirchenvertreter dazu aufgerufen, für Frieden und Gerechtigkeit zu beten. Bereits am Sonntag veröffentlichten die ukrainischen katholischen Bischöfe in den USA einen Appell, in dem sie eindringlich daran erinnern, dass Russland bereits 2014 auf brutale Weise in die Ukraine einmarschiert sei, Gebiete annektiert und die Bevölkerung traumatisiert habe. „Möge Gott diejenigen, die Gewalt anwenden, bekehren. Möge Gott die Ukraine und ihr Volk vor weiterem Schaden bewahren“, heißt es wörtlich.

"Der Krieg in der Ukraine ist real"

Die acht Jahre des von Russland begonnenen Krieges hätten bereits 14.000 Menschen das Leben gekostet, für 1,5 Millionen Binnenvertriebene gesorgt, Hunderttausende würden an den Frontlinien leiden. „Der Krieg in der Ukraine ist real“, so die Bischöfe. „Er tötet, verstümmelt und zerstört täglich.“

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Gleichzeitig warnen die ukrainischen US-Bischöfe vor einer militärischen Eskalation: Eine russische Invasion in der Ukraine werde Millionen weiterer Flüchtlinge nach sich ziehen, „weitere Tote und Verletzte, weitere Tränen und Schmerz“. Die Bischöfe sehen in der derzeitigen Situation eine Frage von „Leben und Tod“, eine „Sehnsucht nach einem verlorenen Großreich“ habe in der ganzen Ukraine zu „sinnlosem Abschlachten und unvorstellbarem Leid geführt“.   

Zudem rufen die ukrainischen Bischöfe in den USA dazu auf, informiert zu bleiben, sich an die Fakten zu halten und „Fehlinformationen in einer postfaktischen öffentlichen Debatte zu bekämpfen, die von einer russischen Desinformationskampagne verzerrt wird“.

„Große Widerstandsfähigkeit“ der Ukrainer

Indes griff der Nuntius in Kiew, Erzbischof Visvaldas Kulbokas, den Friedensappell des Papstes auf und drängte darauf, den Dialog zwischen den Parteien nicht abreißen zu lassen. „Ich stelle fest, dass die Menschen in der Ukraine sehr besorgt sind und auch Angst haben“, so Kulbokas, gegenüber Radio Vatikan. Gleichzeitig betonte er die „große Widerstandsfähigkeit“ der Ukrainer. Der Grund dafür sei, dass der Konflikt in den östlichen Gebieten des Landes bereits seit fast acht Jahren andauere, sodass auch „eine gewisse menschliche Kapazität zur Bewältigung von Notsituationen“ vorhanden sei. „Die Angst ist groß, die Anspannung ist hoch, aber trotzdem leisten die Menschen ganz gut Widerstand“, so Erzbischof Kulbokas.

Von den deutschen Bischöfen rief der Augsburger Oberhirte Bertram Meier zum Gebet für den Frieden in der Ukraine auf. In einem Schreiben an die Pfarrämter und Ordensgemeinschaften betonte er, dass die Menschen in dem von Krieg bedrohten Land „unsere Solidarität und auch unser Gebet“ bräuchten. Während die Bemühungen um Frieden weitergingen, wachse gleichzeitig auch die Sorge vor einem Krieg. „Die Nachrichten bewegen uns alle – und dürfen uns auch nicht kaltlassen“, so Meier.  DT/mlu

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