Hat irgendjemand mitgezählt, wie oft US-Präsident Donald Trump dem Iran in den vergangenen Wochen mit der totalen Auslöschung drohte? Hat jemand Strichlisten geführt, wie oft er dazwischen davon sprach, der Krieg sei fast vorüber und ein Verhandlungserfolg in unmittelbarer Reichweite? Die Fristen, die Trump seinem eigenen Krieg gegen Teheran einräumte, sind längst verstrichen.
Aber die Kriegsziele bleiben diffus: Klar ist, dass Trump dem Iran jede Möglichkeit nehmen will, eine Bedrohung für Israel zu sein. Deshalb ist das erste und definierte Kriegsziel, Irans Atomprogramm wie seine Raketenbasen zu vernichten, während Israel selbst Irans gefährlichsten Verbündeten, die Hisbollah im Libanon, niederringt. Völlig unklar ist jedoch, ob ein Regimesturz im Iran (noch immer) auf der Agenda der israelisch-amerikanischen Kriegsallianz steht.
Trump verwirrt Freund und Feind, Wähler und Börsen
Die Sprunghaftigkeit in den Kriegszielen spiegelt sich auch im Agieren des Weißen Hauses: Trumps „Operation Freiheit“ – von den Iranern als „Operation Sackgasse“ verhöhnt – ist das jüngste Beispiel dafür. Kaum hatte der US-Präsident einen großen Militäreinsatz verkündet, um die festsitzenden Handelsschiffe durch die Straße von Hormus zu geleiten, schon legte er seinen Plan wieder auf Eis. Das verwirrt nicht nur Freund und Feind, sondern auch Amerikas Wähler und Börsen.
Das iranische Regime hat dagegen eine durchschaubare Agenda: Es will schlicht überleben. Und zwar ungeachtet aller menschlichen und wirtschaftlichen Verluste. Deshalb ist der iranische Außenminister Abbas Araghtschi so viel auf Reisen. Derzeit in Peking, denn China ist der mit riesigem Abstand größte Abnehmer von iranischem Öl – und ein geopolitischer Verbündeter Teherans. Alle Zugeständnisse, Verhandlungsangebote und Bitten um Vermittlung dienen aus Sicht des Mullah-Regimes nur einem Zweck: das Überleben des Regimes selbst zu sichern. Donald Trump jedoch scheint weiter zu schwanken, ob er auf einen Deal mit den Mullahs oder doch auf einen Regimewechsel abzielt.
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