Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um „5 vor 12“

Donald, der Sprunghafte

Anders als US-Präsident Trump, dessen Kriegsziele diffus bleiben, hat das Mullah-Regime ein definiertes Ziel: Es will überleben.
US-Präsident Donald Trump spricht mit Journalisten
| Glaubt mir, ich weiß, was ich tue: Donald Trump erklärt Reportern vor dem Weißen Haus seine Iran-Strategie. Die ist in den letzten Wochen nicht immer zu erkennen gewesen.

Hat irgendjemand mitgezählt, wie oft US-Präsident Donald Trump dem Iran in den vergangenen Wochen mit der totalen Auslöschung drohte? Hat jemand Strichlisten geführt, wie oft er dazwischen davon sprach, der Krieg sei fast vorüber und ein Verhandlungserfolg in unmittelbarer Reichweite? Die Fristen, die Trump seinem eigenen Krieg gegen Teheran einräumte, sind längst verstrichen.

Lesen Sie auch:

Aber die Kriegsziele bleiben diffus: Klar ist, dass Trump dem Iran jede Möglichkeit nehmen will, eine Bedrohung für Israel zu sein. Deshalb ist das erste und definierte Kriegsziel, Irans Atomprogramm wie seine Raketenbasen zu vernichten, während Israel selbst Irans gefährlichsten Verbündeten, die Hisbollah im Libanon, niederringt. Völlig unklar ist jedoch, ob ein Regimesturz im Iran (noch immer) auf der Agenda der israelisch-amerikanischen Kriegsallianz steht.

Trump verwirrt Freund und Feind, Wähler und Börsen

Die Sprunghaftigkeit in den Kriegszielen spiegelt sich auch im Agieren des Weißen Hauses: Trumps „Operation Freiheit“ – von den Iranern als „Operation Sackgasse“ verhöhnt – ist das jüngste Beispiel dafür. Kaum hatte der US-Präsident einen großen Militäreinsatz verkündet, um die festsitzenden Handelsschiffe durch die Straße von Hormus zu geleiten, schon legte er seinen Plan wieder auf Eis. Das verwirrt nicht nur Freund und Feind, sondern auch Amerikas Wähler und Börsen.

Das iranische Regime hat dagegen eine durchschaubare Agenda: Es will schlicht überleben. Und zwar ungeachtet aller menschlichen und wirtschaftlichen Verluste. Deshalb ist der iranische Außenminister Abbas Araghtschi so viel auf Reisen. Derzeit in Peking, denn China ist der mit riesigem Abstand größte Abnehmer von iranischem Öl – und ein geopolitischer Verbündeter Teherans. Alle Zugeständnisse, Verhandlungsangebote und Bitten um Vermittlung dienen aus Sicht des Mullah-Regimes nur einem Zweck: das Überleben des Regimes selbst zu sichern. Donald Trump jedoch scheint weiter zu schwanken, ob er auf einen Deal mit den Mullahs oder doch auf einen Regimewechsel abzielt.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Stephan Baier Donald Trump

Weitere Artikel

Die FDA-Regelung von 2023 zum Versand von Mifepriston ist vorläufig blockiert. Die Entscheidung hat faktisch US-weite Wirkung und könnte erneut den Supreme Court beschäftigen.
02.05.2026, 13 Uhr
Meldung
Bei Donald Trump hat Papst Leo Mut bewiesen? Bei Tisch fragt man sich dann, ob er auch den „Furor teutonicus“ meistern kann.
02.05.2026, 05 Uhr
Mario Monte

Kirche

Der Vatikan veröffentlicht ein altes Dokument mit Neuigkeitswert. Nun ist klar: Die deutschen Bischöfe haben nicht nur mit dem Gehorsam, sondern auch mit der Wahrheit ein Problem.
05.05.2026, 11 Uhr
Sebastian Ostritsch
Die Pfingstaktion von Renovabis zeigt, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt in Europa neu wachsen kann – von der Ukraine bis in den Südkaukasus.
05.05.2026, 14 Uhr
Margarete Strauss
Am Beispiel der Chartreswallfahrt lässt sich beobachten, wie authentische Volksfrömmigkeit einen blühenden Zweig nach dem anderen hervorbringt.
04.05.2026, 11 Uhr
Regina Einig