Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um "5 vor 12"

Die NATO rückt nach Osten vor

Finnland hat die bittere ukrainische Lektion verstanden und drängt jetzt ins westliche Verteidigungsbündnis.
Britischer Premierminister Johnson in Finnland
Foto: Frank Augstein (AP Pool) | Sauli Niinisto (r), Präsident von Finnland, und Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, geben sich am Präsidentenpalast die Hand.

Das hat Wladimir Putin jetzt davon: Die NATO rückt tatsächlich nochmals weiter nach Osten und damit näher an die Grenzen Russlands heran – wenn auch nicht im Südwesten, sondern im Nordwesten der Russischen Föderation. Finnland strebt in hoher Geschwindigkeit und in einer erstaunlichen Geschlossenheit der Bevölkerung wie der politischen Parteien nach einem schnellen NATO-Beitritt. Die überaus berechtigte Angst der drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen, die bereits der NATO angehören, hat nun auch die benachbarten Finnen erfasst. Das von Putin diktatorisch geführte Russland gilt ihnen als unberechenbarer, gefährlicher Nachbar.

Das Ende der "Finnlandisierung"

Für Europas Norden bedeutet das das Ende der sogenannten „Finnlandisierung“, einer auf Angst und Erpressung gegründeten Neutralität, die von jahrzehntelangen Gesten devoter Unterwürfigkeit gegenüber Moskau begleitet war. Finnland, seit 1995 EU-Mitglied, will jetzt – am besten jetzt sofort – in die NATO, um die nationale Souveränität in Sicherheit zu bringen.

Lesen Sie auch:

Für die NATO wiederum heißt das, dass all jene Lügen gestraft werden, die das westliche Verteidigungsbündnis für überholt, obsolet (Donald Trump) oder für „hirntot“ (Emmanuel Macron) hielten. Die NATO ist wieder da, und sie ist wichtiger denn je seit dem Kollaps der Sowjetunion. Ukrainische Politiker haben in den vergangenen Tagen vielfach geäußert, der Krieg wäre ihrem Land erspart geblieben, wenn die NATO die Ukraine rechtzeitig aufgenommen hätte. Eine bittere, blutige Lektion, die der Welt da erteilt wird. Finnland hat aus ihr gelernt, die NATO muss es nun auch tun.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Stephan Baier Donald Trump Emmanuel Macron NATO Wladimir Wladimirowitsch Putin

Weitere Artikel

Kein Eklat wie im Vorjahr, dafür klare Linien: Europa signalisiert Eigenverantwortung, US-Außenminister Marco Rubio warnt vor Masseneinwanderung. Christliche Themen kamen zu kurz.
16.02.2026, 15 Uhr
Carsten Beck
Wenn weltliche und geistliche Macht aneinandergeraten: In der Geschichte hat sich das Papsttum am Ende immer behauptet.
20.04.2026, 09 Uhr
Henry C. Brinker

Kirche

Der eskalierende Streit zwischen Kirche und Regierung beschädigt die Autorität beider Seiten und spaltet ein Land, das von unfreundlichen Nachbarn umgeben ist.
14.08.2026, 17 Uhr
Stephan Baier
Katechismuslesen reicht nicht: Warum der Abtprimas der Benediktiner, Jeremias Schröder, der Mutter Jesu große Bedeutung für seinen Glauben beimisst.
14.08.2026, 15 Uhr
Esther von Krosigk
In Obertshausen erinnert neuerdings eine Statue an den Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz und an den spanischen Wallfahrtsort Caravaca de la Cruz.
14.08.2026, 09 Uhr
Oliver Gierens
Tod in der Arena oder lebendig begraben im Bergbau? Im dritten Jahrhundert wurden auch Päpste zu Märtyrern. Der 13. August ist der Gedenktag des heiligen Papstes Pontianus.
12.08.2026, 21 Uhr
Claudia Kock
Wer und was in deutschen Bistümern willkommen ist, zeigt sich besonders deutlich im Umgang mit der traditionellen lateinischen Messe und der Priesterbruderschaft St. Pius X.
11.08.2026, 20 Uhr
Jakob Naser