Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Budapest

„Die EU hat vergessen, die Bürger Europas zu fragen“

Orbáns Vize Zsolt Semjén kritisiert im „Tagespost“-Exklusivinterview die Migrationspolitik und den Linksruck in der Europäischen Union.
Zsolt Semjén
Foto: Christoph Hurnaus | In seinem Amtssitz in Budapest stellte sich Ungarns Vize-Premier Zsolt Semjén den Fragen der „Tagespost“.

Deutliche Kritik an der Europäischen Union hat im Interview mit der „Tagespost“ der stellvertretende Ministerpräsident Ungarns, Zsolt Semjén, geübt. Ein „Mainstream“ in der EU lehne das christliche Erbe Europas ab, so Orbáns Stellvertreter im Gespräch in Budapest. Semjén wörtlich: „Sie lehnen die herkömmliche Sicht der Familie ab und relativieren die nationale Souveränität. Demgegenüber glauben wir an die Familie, die aus der Natur folgt und in der christlichen Tradition verankert ist. Wir glauben an das Christentum, das die Grundlage unserer Zivilisation ist, und nicht etwas fürs Museum.“

Lesen Sie auch:

Gegen Abtreibung und „LGBTIQ-Propaganda“

Nicht Viktor Orbáns Partei Fidesz sei nach rechts gegangen, sondern die christdemokratische Parteienfamilie EVP sei nach links gewandert, sagt Semjén, der als Vorsitzender der christdemokratischen KDNP auch Orbáns Regierungspartner ist. Als Beispiele nennt er das Verbot von „LGBTIQ-Propaganda“ an ungarischen Schulen, das Abtreibungs- wie das Adoptionsrecht. Ehe sei „ein geheiligtes Wort für die Beziehung zwischen einer Frau und einem Mann“. Auch sei das „Recht des Kindes auf gesunde Entwicklung stärker als der Anspruch eines gleichgeschlechtlichen Paares auf Adoption“.

Klaren Widerspruch gegen die Mehrheitsmeinung in der EU meldet Ungarns Vize-Premier auch in der Migrationspolitik an: Das ungarische Volk wolle keine Masseneinwanderung von Muslimen. „Die Spitzen der EU haben vergessen, die europäischen Bürger zu fragen.“ Vorwürfe, in Ungarn sei der Rechtsstaat in Gefahr und die Meinungsfreiheit werde eingeschränkt, bezeichnet Semjén im „Tagespost“-Interview als „glatte Lügen“. Stattdessen wirft er der ungarischen Opposition vor, eine „Koalition von Reform-Kommunisten und Reform-Faschisten“ zu schmieden.  DT/sba

Lesen Sie das ausführliche Exklusiv-Interview mit Vize-Premier Zsolt Semjén am Donnerstag in Ihrer „Tagespost“.

Themen & Autoren
Vorabmeldung Adoptionsrecht CDU Europäische Union Meinungsfreiheit Traditionen Völker der Erde

Weitere Artikel

INSA-Umfrage zum Zustand Deutschlands: Was der Pessimismus der Wähler rechts der Mitte mit fehlender Meinungsfreiheit zu tun hat.
29.11.2025, 07 Uhr
Stefan Fuchs
Trotz schlechter Umfragewerte hat die Regierung Merz bereits einiges auf den Weg gebracht. Ein Rückzug des Kanzlers wäre fatal.
16.10.2026, 13 Uhr
Stefan Groß-Lobkowicz
Der Politikwissenschaftler Adrian Pabst meint: Die alten Volksparteien müssen zu ihren Kernprinzipien zurückkehren. Ein Gespräch über das Ende des liberalen Individualismus.
24.10.2026, 11 Uhr
Alexander von Schönburg

Kirche

Künstliche Intelligenz kann Daten verarbeiten, aber keine Verantwortung übernehmen. Papst Leo XIV. verteidigte in „Magnifica Humanitas“ die menschliche Urteilskraft.
01.11.2026, 09 Uhr
Christoph Fehring
Es gibt ab Samstag neue US-amerikanische Selige: Fünf Franziskaner, die 1957 von Ureinwohnern in Georgia ermordet wurden. Der Grund: Sie verteidigten die monogame Ehe.
31.10.2026, 05 Uhr
Claudia Kock
Halloween wurde zum Filmthema – und machte den Grusel-Tag hierzulande populär. Ein Horrorfilm spiegelt gesellschaftliche Verhältnisse und hinterfragt Selbstverständliches.
31.10.2026, 11 Uhr
Fabian Bell
Ist es falsch, dass die Kirche sich gegen die Todesstrafe stellt? Nein, denn jeder Mensch hat eine unantastbare Würde. Und zwar nicht erst seit Papst Franziskus.
29.10.2026, 21 Uhr
Maximilian Welticke