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Die alten Befangenheiten der „taz“: Zentralrat als „fünfte Kolonne“ Israels?

Die „taz“ geht den Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, an. Dahinter wird ein altes Vorurteil erkennbar, der Zentralrat sei so etwas wie eine Lobbygruppe des israelischen Staates. Ein gefährlicher Verdacht.
Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster
Foto: IMAGO / Manfred Segerer | Darf der deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens Josef Schuster nicht eine politische Maßnahme loben, ohne gleich in den Verdacht zu geraten, er sei ja sowieso nur ein Lobbyist des israelischen Staates?

Irgendwie gab es bisher durchaus Grund zur Hoffnung, dies sei nur eine alte Anekdote, die mit der Stimmungslage in deutschen Zeitungsredaktionen heute nichts mehr zu tun habe. Es verhält sich anders, das hat nun die „taz“ bewiesen.

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Es ist 30 Jahre her, da besuchte der damalige israelische Staatspräsident Ezer Weizman Bonn. Er hielt, wie das bei solchen Anlässen eben die Regel ist, eine Rede. Danach gratulierte Günter Reichert, ausgerechnet Chef der Bundeszentrale für politische Bildung, dem damaligen Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Ignaz Bubis, zu der guten Ansprache „seines Staatsoberhauptes“.

Juden als Staatsbürger zweiter Klasse?

Bubis hat diese Geschichte später immer wieder erzählt. Sie schien ihm symptomatisch für die Stimmungslage, mit der damals viele auf ihre jüdischen Mitbürger schauten. Gewiss, Reichert hatte seinen Hinweis gar nicht diskriminierend gemeint, aber es meldete sich hier sein Unterbewusstsein, sein Bauchgefühl. Und das signalisierte ihm offenbar: Juden, auch dann, wenn sie einen deutschen Pass haben, stehen in erster Linie dem israelischen Staat loyal gegenüber. Und in Deutschland, darum kreisten die sorgenvollen Gedanken von Bubis damals, seien sie wohl nur Staatsbürger zweiter Klasse.

Dass solche Grundstimmungen nicht von gestern sind, sondern auch heute noch politisches Bewusstsein in Deutschland formen, hat nun die ehemalige Nahost-Korrespondentin der „taz“, Susanne Knaul, bewiesen. In einem Kommentar forderte sie den Zentralratspräsidenten von heute, Josef Schuster, auf, die „Klappe (zu) halten“. Anlass dafür war eine Stellungnahme von ihm, in der er im Namen des Zentralrates die israelischen und amerikanischen Angriffe auf den Iran für gut befunden hatte.

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Und hier fällt dann eine verräterische Aussage, nachdem Knaul immerhin zugestanden hatte, dass man sich mit den Iranern über den „Kampf gegen die Ayatollahs“ freuen könne und Schusters Haltung daher verständlich sei: „Nur hätte er sich in seiner Funktion zurückhalten und Stellungnahmen dieser Art besser dem israelischen Botschafter überlassen müssen. Es ist auch nicht das erste Mal, dass sich der Präsident des Zentralrats der Juden zu weit aus dem Fenster hängt. So kritisierte er Bundeskanzler Friedrich Merz für den teilweisen Lieferstopp von Waffen an Israel. Und das zu einem Zeitpunkt, als im Gazastreifen schon weit über 60.000 Menschen getötet worden waren. Wie viel besser hätte er daran getan, zur israelischen Kriegsführung auf Abstand zu gehen und gleichzeitig den Dialog mit in Deutschland lebenden Palästinensern zu suchen.“

Schuster als Lobbyist des israelischen Staates dargestellt

Gewiss, hier wird nicht explizit das alte Reichert-Narrativ beschworen. Aber es blitzt doch gefährlich zwischen den Zeilen auf. Darf der deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens Josef Schuster nicht eine politische Maßnahme loben, ohne gleich in den Verdacht zu geraten, er sei ja sowieso nur ein Lobbyist des israelischen Staates? Der Zentralrat quasi als „fünfte Kolonne“ Israels? Doch die Argumentation ist geschickter: Knaul hebt darauf ab, dass dieses politische Agieren Schusters dazu führen könnte, dass diejenigen, die diesen Verdacht schon hegen, sich bestätigt fühlen könnten. Und das, so kann dann der Leser als Fazit ziehen, dürfte doch nicht im Interesse des Zentralrates sein.

Nun gibt es diesen Verdacht in der Tat immer noch. Umso wichtiger aber ist es, ihn in seiner ganzen Zweifelhaftigkeit bloßzulegen. Anstatt ihm hier über allerhand geschickt gewählte Umwege argumentativ Futter zu liefern. Vielleicht hatte es auch rein betriebswirtschaftliche Gründe: Es gibt leider viele Menschen in Deutschland, denen Knaul aus dem Herzen gesprochen haben dürfte. Ihre Klicks sind der „taz“ gewiss.

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