Der Kanzler will es hinter sich bringen. Gleich nach der ersten Hochrechnung tritt er vor die Presse. Seit Tagen geistern die Spekulationen, die in Unionskreisen über mögliche Alternativen zu Merz kursieren, durch die Öffentlichkeit.
Symptomatisch für die Lage: Eine Bundesschatzmeisterin der Jungen Union, in der Regel keine politische Top-Position, nutzte die desolate Situation, um harsch mit der Brandmauer-Politik des Kanzlers abzurechnen. Das Ergebnis: Clara von Nathusius gilt jetzt als intellektuelle CDU-Influencerin mit Vordenker-Potenzial. Und Merz ist der Mann, dem der Parteinachwuchs aus der zweiten Reihe auf der Nase herumtanzen kann, ohne irgendwelche Konsequenzen befürchten zu müssen. Die Autorität ist futsch.
Die Autorität des Bundeskanzlers ist futsch
Klar, dass Merz, der natürlich merkt, wie ihm die Zügel entgleisen, schnell wieder Ordnung in den Laden bekommen will. Es ist auch ein geschickter Schachzug des Bundeskanzlers, mit seinem frühen Statement bestimmen zu wollen, welche Tonlage diesen Wahlabend prägt. Aber kommt dann die große Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede?
Nein, Merz ist weit vom Churchill-Modus entfernt. Er hält lieber eine Silvesteransprache im September: Sätze aus dem Setzkasten. Ja, da gibt der Kanzler zwar zu erkennen, dass er weiß, dass es in Berlin in der Bundesregierung schlecht läuft. Und er unterstreicht: Für ihn hängt es am Erfolg der Reformen, ob Gefahren für die Demokratie, die der Kanzler sieht, gebannt werden können – Merz spricht von „autoritärem Gift“.
Aber reicht das? Bleibt jetzt der große Merz-Kladderadatsch in der Bundestagsfraktion am Dienstag aus? Christdemokraten sind nun mal keine geborenen Putschisten. Merz versucht, aus dem etwas zu machen, was er noch hat: sein Amt. Der Kanzler gibt sich kanzlerhaft, will Sicherheit ausstrahlen.
Und neben aller Erregung, die spätestens seit Magdeburg die Union erfasst hat, sehnt sich der gemeine CDUler eben nach genau dieser Sicherheit. Ist die Sehnsucht so groß, dass es schon ausreicht, wenn der Kanzler dieses schwarze Grundgefühl nur noch phrasenhaft beschwören kann, damit schon die Beruhigung einsetzt? Merz kalkuliert damit. Ob das aufgeht, wird sich schon im Verlauf der kommenden Woche zeigen.
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