Es klingt wie so oft nach Präsidentenwahlen in Afrika: Ein Kandidat wird zum Sieger erklärt, die Opposition erkennt das Ergebnis nicht an. Es kommt zu Gewalt im Streit um die Deutungshoheit über Wahlverlauf und Ausgang. Die eine Seite wirft der anderen Bestechung, Fälschung und Missachtung des Wählerwillens vor. So auch in Sambia nach einem turbulenten Urnengang am 13. August dieses Jahres. Dennoch bildet der ressourcenreiche Binnenstaat im Süden des Kontinents – vor allem mit seinen großen Kupfervorkommen, die in der weltweiten Energiewende dringend benötigt werden – eine Ausnahme, denn mit Hakainde Hichilema hat ein Mann die Abstimmung für sich entscheiden können, der in mancherlei Hinsicht hervorsticht in der Reihe afrikanischer Staatsoberhäupter.
Der 64-Jährige stammt aus der eher rückständigen Südprovinz Sambias am Sambesi-Fluss, schaffte aber den Aufstieg zum Ökonom, Unternehmer und einem der reichsten Männer des Landes. Zugleich verbrachte er Jahre als Oppositionspolitiker mit Steherqualitäten. So war seine politische Karriere lange von Niederlagen und staatlicher Repression geprägt. Er kandidierte mehrfach erfolglos gegen Edgar Lungu, seinen Amtsvorgänger. Nach der umstrittenen Wahl von 2016, die Lungu knapp gewann, verschärfte sich die Konfrontation. Im April 2017 wurde Hichilema verhaftet und wegen Hochverrats angeklagt. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, einen Umsturz geplant zu haben. Hichilema saß vier Monate im Gefängnis. Amnesty International bezeichnete das Verfahren als politische Verfolgung und forderte die Einstellung der Hochverratsanklage.
Diese Erfahrung gehört bis heute zum Kern seines politischen Narrativs: Hichilema – bekennender Christ als Angehöriger der Siebenten-Tags-Adventisten, verheiratet mit Mutinta Hichilema, das Paar hat drei gemeinsame Kinder – kann glaubwürdig darauf verweisen, selbst Opfer eines autoritären Machtapparates gewesen zu sein.
Vor diesem Hintergrund überrascht die aktuelle Kritik an seinem Umgang mit der Opposition nicht. Ausgerechnet Hichilema greife zu Methoden, unter denen er selbst gelitten hat, so der Vorwurf. Tatsächlich sitzt der bei den Wahlen unterlegene Oppositionsführer Brian Mundubile – er kam auf 38 Prozent der Stimmen, Hichilema auf rund 60 Prozent – unter dem Vorwurf des Landesverrats in Untersuchungshaft. Ihm wird die Vorbereitung eines bewaffneten Aufstands vorgeworfen. Bei einer Durchsuchung von Mundubiles Haus nach der Wahl soll der frühere Minister und Oppositionspolitiker Mutotwe Kafwaya von Sicherheitskräften erschossen worden sein.
Die Nachfolger der alten Sozialisten sind gegen ihn
Unabhängig von der Frage der Verhältnismäßigkeit, mit der die Opposition behandelt wird, deutet manches darauf hin, dass die Opferrolle, in der diese sich sieht, zu kurz greift. Erstens: Kein Beobachter zweifelt den Ausgang der Abstimmung zugunsten Hichilemas an. Zweitens: Es prallen verschiedene Ideologien aufeinander. So ist die Urquelle der heutigen Opposition die alte sozialistische Einheitspartei UNIP aus der nachkolonialen Einparteienherrschaft, die bis 1991 andauerte, deren Netzwerke aber bis heute funktionieren. Die Tonse Alliance – ein Parteienbündnis, das heute die Opposition bildet – entstand 2024 um Edgar Lungu.
Nach Lungus Tod 2025 wurde Brian Mundubile zum wichtigsten Kandidaten des Bündnisses. Mundubile selbst verkörpert dabei sehr deutlich die Tradition der linken Patriotic Front innerhalb der Tonse Alliance. Er war unter Staatspräsident Lungu Provinzminister. Viele sehen in der PF eine Wiederaufnahme der staatlich-nationalistischen Wirtschaftsphilosophie der UNIP in nachkolonialer Zeit. So startet Hichilema, seine zweite Amtszeit mit der schweren Bürde, die gespaltene Gesellschaft zu einen. Dies in einem Land, das seit der Unabhängigkeit nur friedliche Machtwechsel erlebt hat.. Er kann jedenfalls auf eine wirtschaftspolitisch erfolgreiche erste Amtszeit zurückblicken.
Rund 17 Milliarden Auslandsverschuldung
2021 übernahm er ein wirtschaftlich angeschlagenes Sambia. 2020 war es als erstes afrikanisches Land während der Pandemie zahlungsunfähig geworden; die Auslandsverschuldung lag bei rund 17 Milliarden US-Dollar. Hichilema versprach einen „New Dawn“ – ein „Morgendämmern“ mit Haushaltsdisziplin, Korruptionsbekämpfung, Investitionen und einem besseren Verhältnis zu internationalen Finanzinstitutionen. Sein wichtigster Erfolg war die Neuordnung der Schulden. Parallel erhielt Sambia ein IWF-Programm über 1,3 Milliarden Dollar, das später auf 1,7 Milliarden Dollar aufgestockt wurde. Im Januar bescheinigte der IWF der Regierung erhebliche Fortschritte bei Haushaltskonsolidierung und wirtschaftlicher Stabilisierung.
Auch sozialpolitisch kann Hichilema auf wichtige Ergebnisse verweisen. Seine Regierung führte die kostenlose öffentliche Schulbildung ein und weitete Sozialtransfers aus. Außenpolitisch näherte sich Hichilema Sambia deutlich stärker an USA, Großbritannien und die EU an. Für Europa ist Sambia damit zu einem der verlässlichsten Partner im Süden des Kontinents geworden – sehr wichtig angesichts des in vielen Ländern Afrikas vorherrschenden Trends hin zu China, Russland, VAE oder Türkei.
Der Autor ist Journalist und Afrika-Experte.
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